»Diese Erzählung erinnert mich an etwas«, bemerkte Caspar Schoppe laut, die drei Individuen mit finsterer Miene musternd.
»Eine weitere Stadt nach dem Modell von Lykurg«, pflichtete ihm Naudé bei, doch der Verehrungswürdige schwieg.
»Erlaubt mir eine Frage«, sagte ich, »wisst Ihr zufällig etwas über einen gewissen Philos Ptetès, einen Mönch aus Slawonien? Er ist vor |362|ein paar Jahren mit vielen Papieren hier an Land gegangen. Nummer Drei sagte, er sei zwischen der Punta und der Piana dei Morti zu finden. Das Mädchen hat auch gesagt, sie kenne einen Inselbewohner, der mit dem Mönch gesprochen hatte, aber er sei leider gestorben.«
»Die üblichen Phantastereien des armen Weibes!«, rief der Erste kopfschüttelnd aus. »Natürlich kennen wir Euren Philos Ptetès, ein solcher Mensch kann nicht unbemerkt bleiben. Aber gestorben ist hier niemand. Wir haben zum Beispiel auch mit Eurem Mönch gesprochen, oft sogar, und sind mitnichten tot! Dieser Philos Ptetès trennt sich nie von seinen Sachen, auch wenn er durch den Wald geht, und dieser ganze Papierkram muss ein ordentliches Gewicht haben! Ich halte ihn für einen Spinner, um ehrlich zu sein. Findet Ihr das nicht auch verrückt, mit einer Tasche voller Papier und Bücher durch den Wald zu laufen?«
Ein Beben lief durch die Zuhörerschaft: Auch diese Männer hatten Philos Ptetès auf der Insel gesehen!
»Auf jeden Fall hat Nummer Drei Euch ein Märchen nach dem anderen aufgetischt. Euer Philos Ptetès läuft nicht auf der Piana dei Morti herum, und zwar aus einem einfach Grund.«
»Warum?«
»Weil wir drei auf der Piana dei Morti wohnen!«, rief der Erste lachend, sofort gefolgt von seinem Kameraden und dem Hinkenden, »und niemand weiß besser als wir, wer bei uns aus und ein geht.«
»Habt Ihr je einen Blick auf die Papiere von Philos Ptetès werfen können, da Ihr ihn ja gelegentlich trefft …?«, fragte Naudé hoffnungsvoll.
»Wofür haltet Ihr uns?«, empörte sich der Zweite. »Wir schnüffeln doch nicht in anderer Leute Sachen herum!«
»Wahre Ehrenmänner«, zischte Schoppe hinter meinem Rücken, »und wie blamabel, ihnen so indiskrete Fragen zu stellen!«
»Nun gut«, drängte Malagigi, »da wir die Stadt derzeit nicht erreichen können, sollten wir in der Torre Vecchia unsere Kleider trocknen und ausruhen. Auch ein schönes Mahl käme nicht ungelegen, wenn ich auf meine feuchten Glieder und meinen Magen höre, der sich wie ein Stein anfühlt.«
»Eine letzte Frage bitte, und vergebt mir, wenn sie indiskret ist: Warum ist das Bein Eures Freundes so übel zugerichtet? Er wurde doch nicht etwa von einer Schlange gebissen?«, fragte ich.
|363|Die drei Individuen zögerten ein wenig, die ersten beiden wechselten einen raschen Blick, als wollten sie sich beratschlagen, bevor sie antworteten. Der Hinkende schwieg merkwürdigerweise auch jetzt.
»Natürlich ist er von einer Schlange gebissen worden, Signore«, antwortete der Erste für ihn, »aber das ist normal auf einer Insel wie dieser, hier wimmelt es von Blindschleichen und Vipern.«
Wie eine Flamme spürte ich in meinem Rücken die Welle heißen Begehrens, die diese undurchsichtige Antwort im Grüppchen unserer Gelehrten ausgelöst hatte. Philos Ptetès von einer Schlange gebissen, jener grobe Bauer ohne Sprachvermögen von einer Schlange gebissen. Der slawonische Mönch ein Besucher der Piana dei Morti (wenigstens Nummer Drei zufolge), der Hinkende ein Bewohner jener Ebene, wie seine beiden Kameraden sagten. Ganz zu schweigen von den langen schwarzen Bärten, die mit dem übereinstimmten, was du, Atto, vor zwei Jahren am Kinn des slawonischen Mönchs gesehen hattest.
Sofort hefteten sich die Blicke unserer Leidensgefährten auf dich und mich, um herauszufinden, ob wir den slawonischen Mönch erkannten. Aber wir rührten uns nicht.
Darauf richteten sich die Blicke aller auf die große Tasche, die der Zweite über der Schulter trug: War es die von Philos Ptetès?
»Gefällt es Eurem Freund nicht, mit uns zu sprechen?«, fragte Schoppe, auf den Hinkenden weisend, doch sein Ton war weniger spöttisch als zuvor.
»Er hat vor langer Zeit die Sprache verloren«, beeilte sich der Erste zu erklären, »durch eine schwere Krankheit.«
»Dann werden wir also nie das Vergnügen einer Konversation mit ihm haben«, schlussfolgerte Schoppe.
»So ist es leider«, wurde ihm knapp beschieden. »Und jetzt gehen wir zur Torre Vecchia, wenn Ihr wollt.«
»Ja!«, riefen Guyetus und Naudé lebhaft aus, »zum Abendessen werdet Ihr unsere Gäste sein.«
»Hoffentlich schmeckt Euch unsere armselige Kost«, fügte Schoppe in einem demütigen Ton hinzu, den man aus seinem stets zu verächtlichen Reden aufgelegten Mund nie erwartet hätte.
Als wollte sie unsere Begegnung mit den drei derben Landmännern segnen, warf sogar die Sonne ein paar blasse Strahlen zwischen uns. Das Trio der Insulaner ging voran, um uns den Weg zur Festung |364|zu zeigen, den wir in den nächtlichen Stunden verloren hatten. Der Schatten, den die drei auf den Boden warfen, erschien mir nun wie der Schatten des Philos Ptetès.