|62|DISKURS VI
Darin über das Misstrauen zwischen Gelehrten und über die Gründe desselben räsoniert wird. Auch wird der Brief eines geheimnisvollen Mönchs erwähnt.
Der Wind hatte abgeflaut, jetzt mussten die Ruderer sich in die Riemen legen.
»Hooolt auuus!«, rief der Galeerenaufseher, der Mann, der auf jeder Galeere die Ruderer mit Peitsche und Pauke antreibt. Einer der Bereitwilligen fluchte, sogleich unterstützt von einem Kameraden: Das Schiff habe seine Trimmung verloren, sagte er, denn bei der Abfahrt sei der Ballast im Kielraum schlecht verteilt worden. Der Antreiber antwortete, indem er die Peitsche knallen ließ, woraufhin das Brummen der Ruderer sofort verstummte. Wer auf einer Galeere rebelliert, lernt die Peitsche kennen und bekommt keinen Wein, die einzige Erleichterung von den unmenschlichen Mühen des Ruderns, die der Galeerenaufseher an der Bordtaverne zu Wucherpreisen verkauft.
»Atto, hör auf, wie ein Huhn zu gackern, und spiel mit uns.«
Das war der melodische venezianische Tonfall von Barbellos Kastratenstimmchen, das feiner war als deine Stimme, jedoch weniger kräftig. Im Gegensatz zu dir liebte er Possen und unablässiges Gelächter. Als Antwort warfst du mit einem hohen Ton, der allen ringsum das Trommelfell zerfetzen konnte, einen Schuh auf ihn. Barbello, in eine dicke Decke eingemummt, merkte es nicht einmal, er saß hingeflegelt mit dem Rücken an eine Holzkiste gelehnt, während Malagigi, der sich, ebenfalls in eine Steppdecke gehüllt, vor ihm ausgestreckt hatte, träge die Spielkarten mischte. Der venezianische Kastrat, kleinwüchsig wie Malagigi, doch rundlich und weich, hatte sich sofort mit dem Leben auf der Galeere arrangiert, dem erzwungenen Aufenthalt auf einem schwankenden, mitten im Meer verlorenen Gefährt, auf dem eine Gruppe Unglücklicher sich, umgeben von Gestank und Mist, zusammendrängt, und wo man, um nicht in Streit zu geraten, alle eitle Würde ablegen und zu guten Kameraden werden muss.
Erstaunt beobachteten Schoppe, Guyetus und Hardouin euch Kastraten, den berühmten Malagigi, den vielversprechenden Atto Melani und den Plagegeist Barbello. Euer dreistes Naturell machte sie verlegen, |63|vielleicht waren sie auch ein wenig erschrocken über eure seltsamen Körper, den leicht aufgeblähten Brustkorb, die ungewöhnlich schmalen Finger.
Nach einer Weile hörtest du auf zu singen und zogst dich in das Achterkastell zurück. Barbello war unterdessen eingeschlafen, sein Kopf ruhte auf dem Wachstuchsack, und Malagigi hatte ich aus den Augen verloren. Ich blieb lange Zeit in Betrachtung des Horizonts versunken, bis ich gewahrte, dass es zu regnen begonnen hatte, und hörte, wie einige der Ruderer die ersten Tropfen fluchend kommentierten. Bevor auch ich mich in das Kastell flüchtete, wollte ich mir ein Glas warmen Wein holen, doch eine Stimme ließ mich innehalten.
»Der Junge hat zu lange im Wind geträllert, und jetzt tut ihm die Kehle weh, nicht wahr?«
Es war Malagigi, der plötzlich hinter dem Beiboot an Bord hervorkam. Dank deines Aufenthalts in Rom und der Unterrichtsstunden, die du bei ihm und Luigi Rossi genommen hattest, kannten wir uns gut.
»Nein, mein Herr. Der junge Atto ist nur ein wenig melancholisch gestimmt. Die Reise langweilt ihn: Geduld ist nicht seine Stärke, und er wäre gerne schon in Paris.«
»Ja, natürlich«, sagte Malagigi mit einem gutmütig spöttischen Lächeln. »Und er kann es kaum erwarten, zu erfahren, was wir dort tun sollen, habe ich Recht?«
»Genau so ist es.«
»Tja, das würden alle Musiker gerne wissen, die sich in diesen Tagen nach Frankreich eingeschifft haben«, pflichtete Pasqualini mir freundlich bei. Dann senkte er die Stimme: »Wisst Ihr, ob sich unter den Passagieren dieses Schiffes ein Mönch befindet?«
»Bis jetzt habe ich noch keine Ordensbrüder entdeckt«, antwortete ich ein wenig überrascht. »Und es gibt nicht eben viele Passagiere auf dieser Kriegsgaleere.«
»Ich hörte Hardouin und Guyetus darüber sprechen«, erklärte Malagigi, »aber sie ahnten nicht, dass ich ihnen zuhörte.«
»Hardouin und Guyetus? Mithin zwei Franzosen, die sich in ihrer Muttersprache unterhalten. Vielleicht habt Ihr etwas falsch verstanden«, gab ich zu bedenken und tat, als hätte ich überhört, dass Malagigi sie heimlich belauscht hatte.
»Möglich«, antwortete er. »Tatsächlich nannten sie einen Namen, |64|doch er war unverständlich. Was ich dagegen verstanden habe, ist, dass beide anhand von Hinweisen, die sie in einem Brief erhalten haben, nach diesem Mönch suchen.«
»Fürchtet Ihr, es könnte sich um eine unsaubere Machenschaft handeln?«
Pasqualini schwieg einen Augenblick.
»Nein, so ist es mir nicht erschienen«, sagte er, »aber ich glaube verstanden zu haben, dass sowohl Guyetus als auch Hardouin enttäuscht sind, weil sie ihn nicht gefunden haben. Meiner Meinung nach könnte es sich um jemanden handeln, den der Kardinal in Paris erwartet, jemand, der gerufen wurde wie wir, um Musik zu machen. Vielleicht ein kastrierter Mönch. Und wenn er nun beim Appell fehlt, nun, dann ist das womöglich ungünstig für uns. Vielleicht sollte er bei dem Schauspiel mitwirken, das der Kardinal plant.«
Ich versprach Malagigi, die Ohren offenzuhalten und ihm alles zu berichten, was ich herausfinden konnte. Ich würde ein paar Fragen stellen, versicherte ich ihm und nahm mir vor, die Sache sofort anzugehen, um ihm meinen guten Willen zu zeigen. Kaum hatte Pasqualini sich entfernt, trat einer der Matrosen vor mich hin.
Er teilte mir mit, dass Naudé nach mir suche und mich in den Unterkünften der Offiziere erwarte. Meine Aufgabe schien einfacher als erwartet.
Das Anliegen Naudés entpuppte sich als ein alltägliches Problem: Mazarins Bibliothekar war die Tinte ausgegangen, und keiner an Bord wollte ihm seine überlassen. Also hatte er sich an mich erinnert. Seit wir im vergangenen Jahr zusammen aus Paris zurückgekehrt waren, behandelte er uns mit jener von allem Argwohn freien Liebenswürdigkeit und Höflichkeit, die für die Franzosen so charakteristisch ist, die wir unverbesserlich misstrauischen Italiener jedoch nur unseren besten Freunden vorbehalten, und auch das nicht immer.
»Ich muss die Ausgabenliste für den Kardinal auf den neuesten Stand bringen«, erklärte er. »Seine Eminenz verlangt, dass die Rechnungsbücher alles genau verzeichnen und der Grund für jede Ausgabe gut lesbar an den Rand geschrieben wird. Die Rechtfertigung aller Kosten ist das Wichtigste und muss in klaren Worten abgefasst sein. Das gut gewählte Wort macht alles möglich. Heißt es doch im Lukasevangelium: Im Anfang war das Wort!«, zitierte Naudé fröhlich in |65|dem ausgezeichneten Italienisch, das er im Dienst des verstorbenen Kardinal Di Bagni erworben hatte.
»Im Johannesevangelium«, ertönte die Stimme von Guyetus, der mit dieser Korrektur seine Anwesenheit verriet. Er hatte es sich in einem dunklen Winkel auf Kissen bequem gemacht und rauchte eine Pfeife.
»Ach ja, klar, im Johannesevangelium«, brummte der Bibliothekar, ohne sich die gute Laune verderben zu lassen, zumal er ein Experte darin war, bei lateinischen Zitaten unweigerlich den Autor zu verfehlen.
Also ging ich in meine Unterkunft, kramte zwischen meinen Siebensachen ein neues Tintenfläschchen hervor und brachte es Naudé. Er war überaus dankbar und bot mir eine lächerlich kleine Summe Geldes an, die ich mit großer Förmlichkeit ablehnte, während Guyetus in seiner dunklen Ecke herzlich lachte, ob über meine Heuchelei oder Naudés Geiz, vermag ich nicht zu sagen.
»Wenn Ihr mir dagegen gestatten würdet, Euch eine Frage zu stellen, Monsire Naudé …«, wagte ich einen Vorstoß und kleidete meine Frage in vage Anspielungen auf jenen Mönch, von dem Malagigi die beiden hatte sprechen hören. Ich sagte – Gott möge mir die Lüge vergeben – dass du, Atto, von jenem Manne gehört habest und nun fürchtest, es handle sich um einen Kastraten, der dir Konkurrenz machen könnte.
Naudé, wie alle Franzosen zur Gesprächigkeit neigend und überdies in Kreisen zuhause, wo Nachrichten wie verrückt gewordene Fliegen ein- und ausschwärmen, schien sich über die Frage nicht zu wundern und fragte auch nicht, woher ich meine Informationen hatte.
»Na, das ist doch wirklich sonderbar!«, rief er lebhaft aus, wobei er einen Blick mit Guyetus wechselte. »Alle fragen sich, was diesen verflixten Frate um Himmels willen bewogen haben mag, Livorno zu verlassen, wo er anscheinend seit vielen Jahren lebt. Und Ihr könnt Euren Signorino Atto beruhigen«, fügte er lachend hinzu. »Dieser Mönch hat nichts mit den Opernprojekten Kardinal Mazarins zu tun.«
»Oh, ich bin Euch unendlich dankbar für diese Information, mein kleiner Schützling wird höchlichst erleichtert sein«, rief ich und wollte mich gerade verabschieden, als du ankamst.
Du warst auf der Suche nach einer hölzernen Kiste mit einigen Arien des Mazzaroli, die man dir in Rom gegeben hatte, und die du jetzt, angesichts des fortgesetzten Müßiggangs, den die erzwungene |66|Trennung von deiner Rosina noch unerfreulicher machte, eigenhändig kopieren wolltest. Du bedachtest mich mit jenem neuen Blick, der dir durch unser trauriges Gespräch heute früh entstanden war, und fragtest nach der Kiste. Ich sagte dir, wo die Kiste sich befand, und du wolltest gerade wieder verschwinden, als Naudé dich zurückhielt.
»Soeben habe ich Euren Begleiter beruhigen können, junger Atto«, sprach er dich freundlich lächelnd an. »Der Kardinal hat große Pläne mit Euch! Es gibt keinen Mönch, der Euch den Ruhm wegschnappen will«.
Du warfst mir einen fragenden Blick zu, ahntest aber, dass ich bei Naudé etwas eingefädelt hatte, was ich dir noch nicht hatte mitteilen können.
Ich befreite dich und mich aus der peinlichen Lage, indem ich Naudé und Guyetus meine Dienste anbot:
»Sagt mir ruhig frei heraus, Monsire, ob ich es wagen darf, mich Euch und Euren Reisegefährten in dieser Sache zur Verfügung zu stellen. Als Secretarius des Hauptmanns Sozzifanti, Cavaliere des Ordens Santo Stefano, führt mein Weg mich sehr häufig nach Livorno, wo sich, wie Ihr wisst, das Hauptquartier der Marine des Ordens befindet. Ich verfüge dort über viele Kontakte, sonderlich in den Klöstern jener Orden, die zum Zweck des Loskaufs von Gefangenen gegründet wurden. Ich wäre sehr glücklich, wenn ich mich Euch nützlich machen könnte«, schloss ich, während ich in deinen Augen die Freude darüber las, in Mazarins Gunst nun noch höher zu steigen, da ich Naudé, seinem geliebten, treuen Bibliothekar, ein so großzügiges Angebot gemacht hatte.
»Ihr könntet uns also helfen«, stellte Guyetus zwischen zwei Zügen an seiner Pfeife fest.
»Und schon seid Ihr in die gierigen Krallen der grausamen Göttin Philologie geraten, mon cher«, warnte mich Naudé und fügte, zu dir gewandt, belustigt hinzu: »Rettet Euren armen Secretarius, junger Atto, bevor es zu spät ist!«
»So lasst mich doch reden, Gabriel Naudé!«, brummte Guyetus ärgerlich. »Wenn Ihr Euch wie ein geschwätziges, aufdringliches alte Weib gebärdet, ertrage ich Euch nicht«, tadelte er den Pariser Philologen mit jener mürrischen Grobheit, die ich später noch oft bei ihm erleben sollte.
»Ihr seid es doch, der fortwährend spricht«, erwiderte Naudé unverändert |67|gutgelaunt. »Ihr wisst sehr wohl, dass ich recht habe. Nicht nur Ihr, auch Schoppe und der teure Hardouin, jener wahrlich schätzenswerte, bretonische Buchhändler, welcher in Paris eine hochinteressante Buchhandlung und Druckerei besitzt, habt mir alle drei eine Menge Fragen gestellt, um zu erfahren, warum auch ich mich auf diesem Schiff befinde. Doch ich sagte Euch schon, es handelt sich um einen bloßen Zufall. Ich habe keinen Brief bekommen.«
»Wenn es nur darum geht, so hat auch Hardouin keinen erhalten«, versetzte Guyetus. »Er war in die Toskana gereist, um Bücher zu suchen, denn auf der Messe in Frankfurt hat er nichts Interessantes gefunden. Ich war es, der ihn bat, mir zu helfen, als mir jener berüchtigte Brief zugestellt ward.«
»Also habt nur Ihr und Schoppe ihn erhalten?«, fragte Naudé.
»Mit Sicherheit nicht. Bevor ich aus Paris abreiste, erfuhr ich, dass er auch dem Jesuitenpater Petavius, einem in der Chronologie außerordentlich bewanderten Gelehrten, geschickt wurde, welcher dem Brief jedoch misstraute. Und wer weiß, wie viele ihn noch bekommen haben. Schoppe und ich sind die Einzigen, die sich zum Handeln entschließen konnten. Hoffentlich müssen wir das nicht bereuen«, schloss Guyetus mit skeptischer Miene.
»Dass dieser intrigante Petavius seinen Hintern nicht aus Paris wegbewegt, wundert mich gar nicht«, lachte Naudé giftig.
»Er ist und bleibt ein Jesuit, traut niemandem, weil er weiß, dass niemand ihm trauen kann«, bestätigte Guyetus, wie zum Beweis, dass keiner es mit gelehrten Männern aufnehmen kann, sobald sie sich in übler Nachrede ergehen.
»Fugit impuis nemine persequente: Der Frevler flieht auch dann, wenn niemand ihn verfolgt, sagt der Prophet Hesekiel«, erläuterte Naudé.
»Das Buch Ekklesiastes«, verbesserte ihn der andere.
»Ja, natürlich, der Ekklesiastes«, gab Mazarins Bibliothekar sofort zu.
Dem Bericht zufolge, den Guyetus sodann von den Ereignissen gab, hatten er, Hardouin und Schoppe, nachdem sie den Brief des geheimnisvollen Mönchs gelesen hatten, gehofft, ihn in Livorno treffen zu können. Doch als sie in der Stadt ankamen, erwartete sie eine Enttäuschung: In Livorno wurde ihnen gesagt, der Mönch sei schon vor gut zwei Jahren nach Lyon in Frankreich übergesiedelt.
|68|»Vor zwei Jahren?«, riefst du verwundert aus. »Und wann ist dieser Brief von dem Mönch geschrieben worden?«
»Hier liegt das Problem«, antwortete Guyetus. »Das weiß man nicht genau. Auf beiden Exemplaren, dem von Schoppe und meinem eigenen, wurde das Datum in die obere rechte Ecke geschrieben, doch ist die Ecke durch Feuchtigkeit beschädigt und unleserlich geworden. Die beiden Briefe müssen zur selben Zeit aufgegeben worden sein, und nachdem sie versehentlich nass geworden waren, blieben sie vergessen in irgendeinem Winkel des Postlagers am Hafen liegen. Als man sie wiederfand, wurden sie verschickt.«
»Ich bedaure zutiefst, was Euch widerfahren ist«, bemerkte ich. »Dergleichen schlechte Dienstleistungen sind in unserem Großherzogtum leider nicht selten. Jüngst hörte ich von einem Umschlag, der sein Ziel erst nach einundsechzig Jahren erreichte. Man fand ihn, als der Fußboden des Postlagers erneuert wurde, wo der Umschlag in den Spalt zwischen zwei Dielenbrettern gefallen war. Absender und Adressat waren inzwischen verstorben.«
»Was für ein Pech! Hoffentlich ist unserem Mönch nicht dasselbe passiert!«, rief Guyetus mit einem säuerlichen Lächeln aus und fügte kopfschüttelnd hinzu: »Ich wäre ganz gewiss nicht abgereist, wenn ich gewusst hätte, dass der Brief zwei Jahre alt ist.«
»Nur Mut«, versuchte Naudé ihn zu trösten, »eine Reise lohnt sich immer, besonders, wenn so viel auf dem Spiel steht. Wie sagt Seneca, das Gehen auf der Ebene ist sicherer, aber sie ist flacher und niedriger; wer auf allen vieren geht, fällt seltener als derjenige, der läuft, doch erwirbt er sich, auch wenn er nicht fällt, keine Meriten; jener, der läuft, erwirbt sie, auch wenn er fällt. Auf dieser Welt gibt es zu viele, die nur über den ausgetretenen Pfad all derer zu gehen vermögen, die ihnen vorausgegangen sind. Groß ist die Zahl jener, die den ganzen Tag daran arbeiten, andere nachzuahmen; besser, man wahrt ein wenig Abstand zu ihnen, um nicht von diesem Übel angesteckt zu werden und in einer solchen Masse unterzugehen. Man gehe einen neuen Weg, der nicht vom servum pecus, der Sklavenherde, begangen wird, wie Ovid rät.«
»Plinius, nicht Seneca. Und nicht Ovid, sondern Horaz.«
Der zweifache Schnitzer ließ Naudé verstummen. Unterdessen überlegte ich, was es sein mochte, das hier auf dem Spiel stand, denn das hatten die beiden Gelehrten noch nicht verraten.
|69|Enttäuscht über ihren Misserfolg in Livorno, fuhr Guyetus mit seinem Bericht fort, hatten die drei Verfolger sofort eine gute Gelegenheit gefunden, den Mönch in Lyon aufzustöbern: Sie hatten sich auf dieser Galeere der französischen Marine eingeschifft, die aus toskanischen Gewässern in Richtung Heimat segelte, den Hafen von Toulon, der nur eine Tagesreise von Lyon entfernt ist. Die Flotte der Franzosen kehrte vom siegreichen Feldzug gegen die Spanier zurück, denen sie strategisch wichtige Stellungen in Piombino und Porto Longone abgerungen hatte.
»Darum befinden wir uns alle zusammen auf diesem Schiff«, erklärte Guyetus. »Doch ich muss gestehen, dass der Kapitän Hardouin und mich nur dank einer zufälligen Begegnung mit Gabriel im Hafen von Livorno an Bord genommen hat, ohne Probleme zu machen.«
»Zufällige Begegnung!«, äffte ihn Naudé nach. »Ich würde eher sagen, es war ein unverschämtes Glück, und zwar für uns alle. Ihr könnt es bezeugen, mein guter Secretarius: Wie viele Tage haben wir im Hafen auf ein Schiff der französischen Flotte warten müssen, das bereit war, uns aufzunehmen? Wie viele Male, armer Freund, habt Ihr zwischen der Mole und mehreren französischen Offizieren hin- und hereilen müssen? Und so habe ich während der Wartezeit meine beiden Landsleute und Kollegen sowie Caspar Schoppe getroffen. Auch für ihn habe ich gebürgt. Der gute Schoppe ist eine faszinierende Persönlichkeit. Bevor ich ihn wiedererkannte, dachte ich beim Anblick dieses alten Mannes: wie traurig. Aber welch eine Freude, als ich dann erfuhr, dass er es war …«
»Ich muss gestehen, dass der Name Schoppe mir gar nichts sagt«, warfst du ein, deine Neugierde mit jugendlicher Naivität bemäntelnd.