DISKURS XXXVIII
Darin man am Haus des hübschen Mägdeleins ankommt, wo ein Fund gemacht wird, welcher lebhafte Reaktionen hervorruft.
Der Marsch durch das wilde Gestrüpp war weit härter und unangenehmer als das Gehen auf der Straße. Der unebene Boden voll spitzer oder gefährlich rutschiger Steine, das Gewirr heimtückischer Wurzeln, die unversehens hervorsprossen, und der gierig saugende Schlamm hätten auch ein marscherprobtes Heer ins Straucheln gebracht. Nach einer letzten Anstrengung erreichten wir endlich eine Lichtung, von wo aus das kleine Gebäude gut zu sehen war.
Vor unserer durchnässten Schar lag ein schlichtes Bauernhäuschen mit zwei Stockwerken, weiß verputzt. Die Tür befand sich auf der Längsseite, und sofort klopften wir zwei-, dreimal. Unter unseren Fingerknöcheln gab die Tür nach, sie war nicht verschlossen. Wir traten ein.
»Verehrte Dame, dürfen wir?«, fragte Naudé leise, um uns anzukündigen.
Stille.
»Gutes Mädchen, wir sind hier!«, donnerte Schoppe weniger galant.
Wie es schien, war die Frau trotz des schlechten Wetters nicht zu Hause. Wir gingen durch die Küche. Auf dem Tisch lagen Essensreste: Zwieback, Apfelschalen und in einem Teller, den ein Tuch bedeckte, etwas Käse. Ein paar schlichte Möbel, alt und vom Holzwurm zerfressen, aber sauber. Ein Geschirrschrank, ein Herd, eine Anrichte.
Gleich hinter dem Kamin führte eine Treppe ins Obergeschoss. Hier gab es nur zwei Zimmer mit einem Bett, einem Schrank, Stühlen und einigen armseligen Gerätschaften. In einem Schrank fand ich Laken, Bettdecken und ein wenig Wäsche.
Hardouin hatte sich aus einem Fenster gebeugt und unweit vom Haus einen Holzschuppen entdeckt.
Die Gruppe lief geschlossen hinaus, belebt von der Entdeckung: Es war ein kleiner Hühnerstall, wo sich fünf schöne weiße Hühner, vom Gewitter erschreckt, in einer mit Sägespänen und Stroh gepolsterten Holzkiste dicht aneinanderdrängten. Daneben ein sorgfältig umgegrabener kleiner Gemüsegarten.
»Unsere Freundin lässt es sich an nichts fehlen!«, sagte Barbello strahlend, während Kemal bereits in den Hühnerstall eindrang und nach kurzem Zögern alle fünf Tiere erdrosselte.
»Nicht doch, was für ein Leichtsinn! Und wenn das Mädchen nichts anderes zu essen hat?«, tadelte ihn Barbello. »Du hättest ihr wenigstens eines für die Eier lassen können!«
Aber niemand hörte auf ihn, zu groß war die Begeisterung über all diese Gottesgaben.
»Seht mal dort!«
Naudé zeigte auf einen anderen Käfig voller Kaninchen ganz in der Nähe. Der Statthalter, der schon vom Blut der Hühner für das Mittagessen besudelt war, würde eine Menge Arbeit bekommen. Sofort begann man, die langohrigen Tierchen festzuhalten und aus dem Käfig zu zerren.
»Das sind sechs, also ein halbes Kaninchen und ein halbes Huhn pro Kopf, und ein Kaninchen bleibt sogar übrig!«, verkündete Naudé feierlich.
Ich war angewidert von diesem blutdürstigen Schlachtfest. Auch wenn es im Moment nicht möglich war, in die Stadt zu gelangen, hätten wir in der Torre Vecchia doch genügend Zwieback, Käse, Salami, Trockenfrüchte, Kichererbsen und noch mehr zur Verfügung gehabt. Wenn wir essen wollten, hätten wir in ein paar Stunden essen können. War es unbedingt nötig, den gesamten Wintervorrat dieser armen, einsamen Frau zu schlachten? Wie viel Kraft es sie gekostet hatte, all diese Tiere aufzuziehen und am Leben zu halten, ließ sich leicht vorstellen. Wenn sie entdeckte, dass sie allesamt getötet und verschlungen waren, würde sie verzweifeln.
Doch eine Zeitlang achtete niemand auf mich, den einzigen, der dem Gemetzel fernblieb, denn bei euch allen gewann die primitive Natur Oberhand. Um dem grausamen Schauspiel zu entfliehen, machte |264|ich ein paar Schritte um das Haus herum. Es war von wenigen, schlichten Dingen umgeben: ein Stapel bereits gespaltenes Feuerholz, ein großer Eimer mit Pech, einige Ziegel zum Ausbessern des Daches, Bottiche und Bütten, Werkzeuge für die Gartenarbeit. Da der Regen vorübergehend aufgehört hatte, setzte ich mich nach meinem Rundgang unter einen Baum.