Venus in Fische
Das innere Bild der
Geliebten ist hier die klassische Nixe und Seejungfrau, die
geheimnisvolle Frau. Liebe, sei es auf der Ebene von Erotik und
Sexualität oder auch auf der Ebene von Beziehungen allgemein, ist
hier von Sehnsucht nach Verschmelzung, Opferbereitschaft und
vollkommener Hingabe geprägt. Männer und Frauen mit Fische-Venus
haben die Fähigkeit und die Bereitschaft, eine Beziehung total zu
leben, sich zu verlieren, sich im guten Sinne zu vergessen,
mitunter in einem Maße, dass von ihrer Individualität nichts mehr
übrig bleibt.
In der Jungschen
Psychologie gibt es den Begriff der Anima-Frau, die einen extrem
feinen Instinkt für die Wunschbilder des Mannes hat. Jeder Mann
trägt in sich ja auch ein ideales Frauenbild, und diese Anima,
dieses Wunschbild zu erspüren ist die Gabe einer Frau mit
Fische-Venus. Das kann die Frau mit tausend Gesichtern sein, die
sich bei jedem Mann verwandelt, oft ohne sich dessen bewusst zu
sein. Es passiert einfach.
Bei Fische-Venus
taucht natürlich auch das Bild einer symbiotischen Beziehung auf,
und die helle Seite eines solchen Beziehungsmodells ist ein Paar,
das mit großer Sensibilität aufeinander bezogen ist und wo eine
echte Gemeinsamkeit entsteht. Welche Gefahren allerdings solche
symbiotischen Beziehungen in sich bergen, habe ich bei einem
Fische-Paar erlebt. Sie erzählten mir, dass sie auf der
Hochzeitsreise einmal in einem Gartenlokal am Tegernsee saßen und
die Berge betrachteten. Als sie sagte: »Schau mal, wie schön die
Berge sind!«, meinte er, der feinfühlige Fisch, sogleich, seine
Frau würde gern eine Bergwanderung machen. Er hasste zwar
Bergwanderungen, ihr zuliebe war er aber dazu bereit. Also schlug
er vor: »Lass uns nächsten Samstag in die Berge fahren und eine
Wanderung machen.« Sie, ebenfalls ein einfühlsamer Fisch, dachte:
»Ich hasse zwar Bergwanderungen, aber wenn mein Mann das so gerne
möchte, dann will ich ihm diese Freude nicht verderben.« Am
nächsten Samstag machten sie also eine ausgedehnte Wanderung in den
Bergen, und jeder war glücklich, weil er meinte, etwas dem andern
zuliebe zu tun. Wie ging es weiter? Man kann es sich denken:
Monatelang verbrachten sie jeden Samstag in den Bergen, bis sie
einmal in ein Unwetter gerieten, wo es hagelte und blitzte. Bei
diesem Unwetter rutschte einem von den beiden der Satz heraus: »Ich
hasse diese Bergwanderungen!« Der Partner erwiderte völlig
verblüfft: »Was, du auch?« Das ist ein klassisches
Kommunikationsproblem unter Wasser-betonten Menschen und unter
Fischen im Besonderen. Fische sind bekanntlich stumm, sie reagieren
auf das Unausgesprochene und meinen immer, genau zu wissen, was im
anderen vorgeht. Wenn die Dinge dann nicht einfach ausgesprochen
werden, kann es zu solchen Missverständnissen kommen.
Männer mit
Fische-Venus zieht es zur medialen Frau hin, zur geheimnisvollen
Nixenfrau, zu Frauen, die tiefe Sehnsüchte wecken, die an das
zeitlose Geheimnis der Liebe rühren. Diese Männer haben ein
ausgesprochenes Talent zur romantischen Liebe, die ihrem Wesen nach
die unerfüllte Liebe ist, manchmal auch die Tendenz, Liebe im Reich
der Fantasie und Sehnsucht anzusiedeln und sich realen Frauen gar
nicht erst zu nähern.
Eine Möglichkeit,
Fische-Venus-Energie in einer Beziehung zu leben und sie aus dem
Nebel der Unerreichbarkeit herauszuholen, ist Tantra. Hier können
sich Sexualität und Spiritualität berühren, sexuelle Energie kann
sozusagen benutzt werden, um ozeanische Erfahrungen zu machen.
Menschen mit Fische-Venus sind oft begabte Tantriker. Eine andere
Möglichkeit, Fische-Venus auszuleben, ist der Tanz, in dem man sich
verlieren kann, wo Tanz und Tänzer eins werden, wie man so schön
sagt. Wo es dich tanzt. Künstler oder
Künstlerinnen mit Fische-Venus arbeiten nicht nach Plan, sie nehmen
sich nicht vor, welche Art von Werk sie schaffen möchten, sondern
es fließt durch sie hindurch. Da will ein Bild gemalt werden, da
strömt einem eine Melodie in den Kopf, da wird man zum Bambusrohr
Gottes und kann ein wahrhaft inspirierter Künstler werden, eine
wahrhaft inspirierte Künstlerin.