Frau Trude
Ein weiteres Märchen,
bei dem es um Tabu-Verletzung geht, das aber ganz anders ausgeht
als der Eisenhans, ist das kurze
Grimmsche Märchen Frau Trude. Da ist
ein kleines vorwitziges Mädchen, das möchte unbedingt zu Frau
Trude, der Dorfhexe, gehen. Da sagen die Eltern: »Wenn du das tust,
bist du nicht mehr unsere Tochter.« Das Mädchen jedoch hört nicht
auf die Eltern und macht sich auf den Weg zu Frau Trude. Als es
ankommt, ist es ganz bleich vor Angst, denn es sieht lauter
seltsame Gestalten dort. Auf Frau Trudes Frage, was es gesehen
habe, sagt es: »Ich sah auf der Stiege einen schwarzen Mann.« »Das
war ein Köhler.« »Dann sah ich einen grünen Mann.« »Das war ein
Jäger.« »Danach sah ich einen blutroten Mann.« »Das war ein
Metzger.« Als das Mädchen sagt: »Ach, Frau Trude, mir grauste, ich
sah durchs Fenster und sah euch nicht, wohl aber den Teufel mit
feurigem Kopf«, lacht die Hexe und sagt: »Auf dich habe ich schon
lange gewartet, du sollst mir leuchten«, verwandelt das kleine
Mädchen in einen Holzscheit und wirft es in den Kamin. In der
letzten Szene des Märchens sitzt die alte Hexe vor dem Feuer und
sagt: »Das leuchtet einmal hell!«
Das ist ein typisches
Warn-Märchen. Skorpion hat die Aufgabe, den Weg in die Dunkelheit
zu gehen, das Geheime, Okkulte, Verborgene aufzudecken, den
Schleier der Maia zu lüften, wie man so schön sagt, das zu
entdecken, was die Welt im Innersten zusammenhält, im Sinne des
faustischen Menschen. Der Umgang mit den Mächten der Dunkelheit
will jedoch geübt sein, und wer zu jung oder wie dieses Mädchen zu
vorwitzig dafür ist, kann daran zugrunde gehen. Das kann
beispielsweise auch passieren, wenn man naiv mit Drogen
experimentiert: Man kann am Feuer der Sucht
verbrennen.