Die Sorge
Da Jungfrau-betonte
Menschen ein sehr ausgeprägtes Gefühl für das, was krank machen
könnte, haben, kann die Wahrnehmung des eigenen Körpers sehr
angstbesetzt sein. Im Extremfall führt das zu Hypochondrie. Positiv
gesehen gehören Vorbeugung und Prophylaxe zum Jungfrau-Prinzip. Aus
dieser Sicht ist die chinesische Methode sehr sinnvoll: Ein Arzt
wird nur dann bezahlt, solange sein Patient gesund
bleibt!
Mein Vater war sehr
Jungfrau-betont, und wenn ich mir einmal eine Erkältung eingefangen
hatte, war seine erste Frage immer: »Wo hast du dir das geholt?«
Ich als etwas verträumter Fisch wusste natürlich nie eine Antwort
darauf, aber er insistierte, ich müsse doch wissen, wo ich mir das
geholt hätte. Damals war ich von diesen Fragen genervt, aber später
lernte ich sie ganz anders verstehen: Wenn du nicht weißt, woher
etwas kommt, dann kannst du in Zukunft auch nicht vermeiden, dass
es wieder passiert. Das Interesse an
Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen ist im Zeichen Jungfrau zu Hause:
Woher kommt etwas, ich möchte es erklärt haben, ich möchte
Wirkungszusammenhänge, Funktionszusammenhänge, die kosmische
Ordnung verstehen, damit ich möglichst unbeschadet in dieser
gefährlichen Welt überleben kann.
Ein »Jungfrau-Tier«
ist laut dem Münchner Astrologen Wolfgang Döbereiner das Reh oder
der Hase. Ein Reh ist ein bedrohtes Tier, ein Beutetier, das nicht
einfach so auf die Lebenslichtung herausspringt; das kann der Löwe
tun, der vergleichsweise weniger natürliche Feinde hat und deswegen
nicht so bedroht ist. Das Reh als Beutetier wird erst einmal ganz
aufmerksam das Umfeld beschnuppern und beobachten, und erst wenn es
das Terrain sondiert hat, wird es sich auf die Lichtung
hinauswagen. Kritische Zurückhaltung im Zugehen auf die Welt ist
geboten.
Ein Jungfrau-betonter
Freund von mir, der gern weite Reisen macht, fuhr einmal in eine
entlegene Gegend Norwegens mit seinem Auto. Natürlich hatte er
alles wunderbar vorbereitet. Da er wusste, dass dort die Straßen
sehr schlecht sind, hatte er zwei Ersatzreifen dabei. Und ich als
Fisch machte mich darüber lustig nach dem Motto: Die Dinge
geschehen doch sowieso, wie sie geschehen, wer weiß, was da oben
alles passiert. Doch er ließ sich überhaupt nicht irritieren, fuhr
mit seinen zwei Ersatzreifen los, und als er zurückkam, war
Folgendes passiert: Es waren drei Reifen geplatzt. Als ich
triumphierte und das als Beweis für meine These wertete – siehst
du, du hast das Universum nie im Griff, du kannst nicht alles
kontrollieren und vorbereiten -, sagte er völlig ungerührt: »Wieso,
das nächste Mal nehme ich eben vier Ersatzreifen mit.« So
funktioniert die Beziehung zwischen Jungfrau und
Fische.
Abschließend noch eine
Geschichte zum Thema: »Wie mache ich’s richtig« in diesem
»lebensgefährlichen Leben«? Don Juan erzählt: Stell dir vor, du
bist auf einer Wanderung im Gebirge und bemerkst, dass dein
Schuhband sich gelöst hat. Du bleibst stehen, um es neu zu binden.
Genau in diesem Moment stürzt ein paar Meter vor dir ein
Felsbrocken ins Tal, der dich mitgerissen hätte, wenn du nicht
stehen geblieben wärest. Nun hätte es aber auch sein können, dass
der Felsbrocken dich mit in die Tiefe reißt, gerade weil du dort stehen geblieben bist. Was bleibt dir
zu tun? Nichts anderes, als in Makellosigkeit deine Schnürsenkel zu
binden.