Richtig und falsch
Entwicklung verlangt,
sich aus Versteinerung, einer sicheren Festung zu befreien, die Tür
aufzumachen, damit der böse Geist aus dem Turm entweichen kann. Für
Jungfrau-betonte Menschen ist es wichtig, um ihrer Entwicklung
willen so genannte Fehler zu akzeptieren, die sich womöglich im
Lauf der Zeit als durchaus nützlich und richtig
erweisen.
Im Märchen gibt es
Fehler, die der Entwicklung dienen, und andere, die ins Verderben
führen: Das macht die Sache so schwierig, es gibt nicht die immer
und überall funktionierende Strategie – wie im richtigen
Leben!
Es gibt eine kleine
Geschichte über das Fehlermachen, die hinten und vorne nicht
stimmt, weil es zur Zeit von Konfuzius weder Bügeleisen noch
Telefone gab, die aber trotzdem aufschlussreich ist. Konfuzius
begegnet auf der Straße einem Mann, der zwei verbundene Ohren hat,
und fragt ihn, was passiert ist. Der Mann antwortet: »Das kam so:
Ich bügelte gerade, und während ich das Bügeleisen in der Hand
hatte, klingelte das Telefon, und da habe ich aus Versehen anstelle
des Telefonhörers das Bügeleisen ans Ohr gehalten.« »Aber warum
hast du dann das andere Ohr auch verbunden?« Sagt der Mann: »Weil
der blöde Kerl noch mal angerufen hat.« Da sagt Konfuzius einen
schönen Jungfrau-Satz: »Einen Fehler zu machen ist nicht schlimm.
Denselben Fehler zweimal zu machen ist allerdings
dumm.«
Die Bereitschaft,
Fehler zu machen, muss da sein, sonst kann keine Entwicklung
stattfinden. Entwicklung führt immer ins Unbekannte, und die Regeln
der unbekannten Welt sind nun mal ebenso unbekannt wie diese Welt.
Ohne die Bereitschaft, Fehler zu machen, erstarren wir, versteinern
wir, bewachen wir unser Leben lang einen steinernen Turm im Auftrag
irgendeines Zaren.
Ich hörte einmal einen
Vortrag von Wolf Büntig, einem bekannten Arzt und Therapeuten,
dessen Sonnenstand Jungfrau ist. Er sprach über seine Arbeit mit
Krebskranken und Sterbenden, und als hinterher eine Diskussion
entstand, fragte ihn ein Pfarrer: »Herr Büntig, ich begleitete
neulich eine sterbende krebskranke Frau, und sie fragte: Herr
Pfarrer, was habe ich falsch gemacht, dass ich so krank geworden
bin? Ich wusste keine Antwort auf diese Frage. Was hätten Sie denn
gesagt?« Büntig meinte: »Meine Antwort wäre gewesen: Der einzige
Fehler, den du gemacht hast, war, dass du versucht hast, alles
richtig zu machen.«
Bei der Frage nach
richtig und falsch muss sich Jungfrau auch auf den Gegenpol Fische
beziehen. Fische-Weisheit verkörpert jenen Aspekt des Universums,
der sagt, dass Ordnung grundsätzlich vorhanden ist. Die Dinge sind,
wie sie sind. Wenn wir das nicht akzeptieren, wollen wir klüger
sein als Gott. Das, was wir als Fehler bezeichnen, was wir als
richtig, falsch, gut oder nicht gut bezeichnen, sind Wertungen, die
in unserem Kopf existieren. Die Realität ist, wie sie ist, und sie
ist in Ordnung, weil sie so ist, wie sie ist: Das wäre die
Fische-Einstellung zu diesem Thema. Der Widerspruch zwischen den
Positionen von Jungfrau und Fische sagt aus, dass Ordnung
einerseits geschaffen werden muss, andererseits grundsätzlich
vorhanden ist. Die Sonne geht auch auf, wenn du im Bett liegen
bleibst, du musst sie nicht den Horizont hochwuchten!