Sonne in Schütze

Hier ist das innere Bild des Vaters von Zeus geprägt. Es ist der Richter, der Priester, der Vater als moralische Instanz, der gute, gerechte Himmelskönig, den man achten, lieben und ehren kann; auch ein lichter König, ein Heldentypus, der in seinem Leben Großes geschafft, das große Wasser durchquert, hochgesteckte Ziele verfolgt und vielleicht erreicht hat, ein würdevoller, souveräner König, der vorführen kann, wie man sinnvoll lebt. Die Schattenseite ist ein aufgeblasener, selbstgerechter innerer König, der meint, er besäße ein untrügliches moralisches Urteil, auf Grund dessen er andere bewerten und verurteilen darf (»Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so oft Recht hat wie ich«). Hier finden wir auch den Menschen, für den Fassade und äußerer Schein sehr wichtig sind, vor allem dann, wenn die Sinngebung fehlt.
Ein Schütze-Sonne-Kind wird zunächst im Vater den heiligen Vater, den Zeus-Vater, den großen Mann suchen. Auch hier wird die Frage entstehen: War dieser erste Guru im Leben für das Podest geeignet? Was waren seine Botschaften? Was musstest du tun, um den Segen dieses heiligen Vaters zu erlangen? Welche Werte hat er vermittelt? Im Idealfall geraten solche Kinder später im Leben an Vaterfiguren, Autoritäten, Gurus, die ihnen etwas vom Sinn des Lebens vermitteln, ihnen gute Führer sind, ein inneres Licht anzünden, den göttlichen Funken wecken und ihnen zeigen, wie man sein Leben sinnvoll gestaltet.
Das Hauptanliegen eines Menschen mit Schütze-Sonne ist es, seine Mission zu finden, das Ziel, auf das er seinen Pfeil richten kann, und im Einklang mit seinen Idealen und Wertvorstellungen zu leben. Das ist der Weg zum Thron, der Weg der Selbstfindung, die Pilgerfahrt, bei der alles gut ist, was der inneren Entwicklung, der Annäherung an das Göttliche dient. Der anspruchsvolle innere Vater, das hoch angesetzte Ideal-Ich ist nicht leicht zu ertragen, egal wie der leibliche Vater sein mag. Dieser innere Vater verlangt Meisterschaft oder zumindest das Streben nach Meisterschaft bei allem, und daraus resultiert oft eine große Ungeduld, die Ungeduld des Pilgers, der endlich ans Ziel kommen will. Die mühsame und wichtige Lektion ist hier, dass auch eine Reise von tausend Meilen mit einem Schritt beginnt und dass es wichtig ist, sich auch auf den nächsten Schritt zu konzentrieren, anstatt dauernd mit dem Fernglas auf den Gipfel des Himalaja zu schielen. Die Gefahr ist groß, dass Ideal-Ich und Real-Ich sich zu weit voneinander entfernen, und deswegen gilt es, sich als Pilger, als Reisenden zu begreifen, der im besten Fall begeistert unterwegs ist. Weltanschauung ist hier ein zentrales Thema, auch im wörtlichen Sinne als die weite Reise, die den Horizont erweitert. Schütze-Sonne bedeutet normalerweise einen großen Lebensentwurf. Auf der äußeren Ebene können das Reisen in andere Länder und Kulturen sein, Entwicklungsimpulse aus der Ferne, der großen weiten Welt. Zugleich ist es Weltanschauung im übertragenen Sinn, die persönliche Philosophie, Gottesbilder, Sinngebung.
Frauen mit Schütze-Sonne leben oft nach dem Motto »Fördernd ist es, den großen Mann zu sehen«. Im Patriarchat konnten sie ihre eigene Sonne, ihre Männlichkeit und ihre Geistigkeit nur sehr schwer entdecken: Das galt nicht als weiblich, genauso wenig wie es Männern erlaubt war, sich zu ihrer eigenen Weiblichkeit, ihrer Anima zu bekennen. Deshalb besteht die Gefahr, dass diese Frauen die Zeus-Sonne-Thematik nur in Männern suchen, Männer als Gurus verehren und vielleicht zeitlebens Vater-Töchter bleiben, die immer den Segen von äußeren Männern und Vätern brauchen und deswegen nie ihre eigenen Richter, ihre eigenen Gurus werden. In der zweiten Lebenshälfte ist es für diese Frauen wichtig, die äußeren Gurus und Männer zu entmachten und zu ihrer eigenen Schütze-Sonne zu finden, zu einer Mission, die aus ihnen selbst kommt, die ihrer inneren Führung entspricht, dem inneren Guru, dem inneren Zeus-Vater. Andernfalls kann es geschehen, dass sie die äußeren Männer mit dem unerfüllbaren Anspruch befrachten, große Männer ohne jede Schattenseite zu sein. Frauen mit Schütze-Sonne können Männern gegenüber eine extrem anspruchsvolle Haltung entwickeln und vom Partner verlangen, das Zeus-Motiv an ihrer Stelle zu verwirklichen. Hier gilt es, diese Projektion und Erwartung zurückzunehmen und den Mann einfach den sein zu lassen, der er ist.
Die Bereitschaft, im Vater den guten Vater zu sehen, ihn so zu würdigen, wie er ist, ist die Weisheit eines reifen Schützen. Der Familientherapeut Bert Hellinger, ein Schütze, betont, wie wichtig es ist, sich vor seinen Eltern zu verneigen, und das nicht nur, wenn sie gut zu einem waren, sondern aus der grundsätzlichen Haltung heraus: Meine Mutter ist die beste aller Mütter, mein Vater ist der beste aller Väter, einfach deshalb, weil sie meine Eltern sind und ich durch sie genau das bekommen habe, was mir hilft zu wachsen. Es ist keine Beschönigung, sondern eine sehr weise Haltung, wenn man die Eltern würdigen kann als die, die sie sind, in all ihrer Unvollkommenheit. Man akzeptiert damit, dass es einer sinnvollen Ordnung entspricht, diese Eltern zu haben und keine anderen. Später, wenn man mit Schütze-Sonne oder mit Schütze-Mond selbst Vater oder Mutter ist, wünscht man sich natürlich seinerseits den Segen der Kinder. Mit fortschreitendem Alter drehen die Dinge sich um: Als Kinder sehnen wir uns nach dem Segen der Eltern, und als Eltern nach dem Segen der Kinder. Für Schütze-Eltern ist es besonders wichtig, von ihren Kindern gewürdigt und respektiert zu werden.
Der tiefe Brunnen: Astrologie und Märchen
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