Sonne in Löwe

Wenn der innere König und Vater Löwe ist, dann ist die helle Seite dieses Königs sein großes Herz, das Lebensfreude und Herzenswärme spendet. Dieser König ist jemand, der zu leben versteht, in dessen Gegenwart man sich fühlt, als läge man in der Sonne, der Freude und positive Energie ausstrahlt. Eine Person, die auch im guten Sinne machtvoll ist, jemand, den man achten kann, achten muss, der aus sich selbst heraus und selbstzentriert lebt, ein Mensch, der sich zunächst bedingungslos so annimmt, wie er ist, und dessen Weisheit darin besteht zu wissen: Wenn Gott mich anders gewollt hätte, hätte er mich anders gemacht.
Die Schattenseite davon ist der Diktator, der Tyrann, der sich selbst zum Maßstab aller Dinge macht. »Nur meine Wirklichkeit, mein Standpunkt zählt, und wer die nicht versteht, ist auf dem Holzweg. Wenn etwas schiefgeht, ist die Welt schuld, die anderen. An mir Lichtwesen kann es auf keinen Fall liegen.«
Kleine Mädchen oder Jungen mit Löwe-Sonne werden von ihrem Vater erwarten, dass er ein Heldenvater, ein starker Vater, ein Sonnenkönig ist, und ihn dafür lieben, wenn er das Leben feiern kann, wenn er ein großes Herz hat, wenn er die Botschaft vermittelt: Sei glücklich, freu dich des Lebens, lebe, liebe, lache. Ein großzügiger Vater. Im besten Fall lernen diese Kinder von so einem Vater Selbstachtung und wie man ein bedingungsloses Ja zu sich selbst und zum Leben überhaupt sagen kann. Wenn der Vater gebrochen ist, ein gekränkter König, ein depressiver Vater, ein schwacher Held, dann ist das für diese Kinder besonders schwer und die Enttäuschung, eventuell die Verachtung besonders groß. Einem Sohn wird die Identifikation mit dem Vater dann erschwert; für eine Frau wird die Beziehung zu Männern problematisch. Der Vater ist ja der erste Mann im Leben einer Frau, über den sie alle Männer kennen lernt. Erfüllt sich die enorme Erwartung an den Vater nicht, dann kann sich diese Enttäuschung wie bei einer Schallplatte mit Sprung in allen Männerbeziehungen wiederholen.
Eine Frau mit Löwe-Sonne hat einen Helden-Animus, ein Männerbild, das in die Richtung dieses Lichthelden, des Sonnenkönigs geht. Positiv gesehen kann dieser Helden-Animus sie zu wirklichen Helden führen, zu Männern, die Persönlichkeiten sind, die Kraft haben, Lebensfreude und Herzensenergie ausstrahlen, die etwas Südländisches haben. Er kann sie allerdings auch zu Männern führen, die Könige sind, indem sie die anderen zu Trabanten machen und als Spiegel für ihre eigene Königskrone benutzen. Manche Frauen verlieben sich immer in ihre Chefs und bleiben Trabanten von deren Sonne, gefangen in ihrem Königreich, ohne jemals ihre eigene Löwe-Macht zu erfahren. Die helle Seite dieses Königs, Vaters, Mannes, dem man in sich selbst begegnen kann oder im anderen, ist die Selbstzentriertheit, das »Ich bin«.
Spätestens am Übergang zur zweiten Lebenshälfte sollte Löwe-Sonne etwas vom Gegenpol Wassermann lernen. Ein Beispiel: Ein alter, weiser Freund, der Löwe-Sonne hat, erzählte mir, dass er sich als Junge vorgestellt hat, er sei der Mittelpunkt der Welt. Eines Tages flog ihn ein Gedanke an, der seine Lebensphilosophie erschütterte. Dieser war: »Was ist, wenn die anderen das auch von sich denken?« Dieser Gedanke gehört zum Gegenpol Wassermann. Löwe ist ein hierarchisches Prinzip, bei dem es um Herrscher und Untergebene geht. Die Sonne ist der Herrscher, um den die Planeten kreisen. Das Wassermann-Prinzip, bei dem es eher um Anarchie, um Gleichwertigkeit geht, ist insofern hilfreich, als es dem Löwen vermitteln kann: »Jeder Mensch hat eine unsichtbare Königskrone auf dem Kopf. Jeder Mensch trägt den göttlichen Funken in sich. Die Welt anderer Menschen, die Königreiche anderer sind genauso viel oder genauso wenig wert wie mein eigenes. Das schmälert nicht meine Königskrone, meine königliche Würde, sondern ist eine Ergänzung.« Fehlt diese Einsicht, läuft man Gefahr, die Welt nur durch die eigenen Augen zu sehen und die Welten anderer nicht nur nicht zu verstehen, sondern auch abzuwerten. Es entsteht die Überzeugung, alle Menschen müssten so denken und fühlen wie man selbst, und wer anders denkt oder fühlt, macht etwas falsch. Ich bin okay, der andere ist – im Zweifelsfall – nicht okay. Der reife Löwe würde das »Ich bin okay« behalten, es aber erweitern durch ein »Du bist auch okay in deiner eigenen Sichtweise, in deiner Welt, in der du lebst«. Das ist etwa dann wichtig, wenn ein Löwe Kinder hat. Er erwartet oft unausgesprochen, dass sie so sind wie er, dass er sich sozusagen in den Kindern reproduziert. Auffällig viele Löwen geben ihren Kinder den eigenen Vornamen. Sie sehen die Kinder als Verlängerung ihres eigenen Wesens, als ihre Geschöpfe – was zugleich stimmt und nicht stimmt.
Eine kleine Geschichte über diese Selbstzentriertheit: Ein Expeditionsteam in Südamerika kommt in ein einsames Bergdorf und wird dort von einem alten Mann sehr freundlich aufgenommen und bewirtet. Er erzählt, dass er sich, seit er denken kann, jeden Morgen übergeben muss. Als die Leute von der Expedition fragen: »Ja, warum gehst du denn nicht zum Arzt? Lass dich behandeln!«, erwidert er ganz erstaunt: »Ja wieso, macht das denn nicht jeder?«
Das ist ein Beispiel für die Tendenz, von sich auf andere zu schließen, und da bedarf Löwe des Gegenpols Wassermann. Er muss sich ja nicht gleich in einen Wassermann verwandeln, aber er sollte Respekt vor den Welten anderer Menschen bekommen, sie genauso achten wie sich selbst. »Ich bin okay, du bist okay.«
Ein guter Löwe-König oder Löwe-Vater wird diese Botschaft auch seinen Kindern vermitteln oder den Schutzbefohlenen in seinem Königreich: »Du bist in Ordnung, du hast alles, was du brauchst.« Dann kann der schöne Satz »Wenn Gott dich anders gewollt hätte, hätte er dich anders gemacht« nicht nur für die eigene Person gelten, sondern auch für alle anderen.
Ein Kind mit Löwe-Sonne hat große Sehnsucht nach solch einem positiven, herzensguten Vater, der an es glaubt, ihm diese selbstverständliche Anerkennung gibt, eine Anerkennung dafür, wie es ist. Aus der Löwe-Perspektive will jemand, der einen kritisiert oder nicht in Ordnung findet, klüger sein als Gott.
Der tiefe Brunnen: Astrologie und Märchen
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