Mond in Steinbock
Menschen mit Mond im
Zeichen Steinbock haben ein inneres Mutterbild, für das das Bild
der alten weisen Frau, der Großmutter, am besten zutrifft. Die
helle Seite ist hier eine Mutter, die ihr Kind lebenstüchtig macht,
eine Mischung aus verantwortungsvoller Erdmutter, maternaler Frau
und lebenstüchtiger Amazone. Man kann sie sich wie eine alte,
wettergegerbte Bergbäuerin vorstellen, die schon viele harte Winter
erlebt hat. Sie ist im guten Sinne illusionslos und kann ihre
Kinder auch nach dieser Devise erziehen. Die dunkle Seite dieser
Mütterlichkeit hat mit Härte, Kälte und Strenge zu tun – der kalte
Bauch, der einen frieren lässt, seelische Trockenmilch, eine
Mütterlichkeit, die keine Lebensfreude vermittelt, sondern Härte
und Leistung: »Du musst« und »Du darfst nicht«.
Wer mit Steinbock-Mond
auf die Welt kommt, hat ein ernstes Kind in sich, das schon weiß,
dass Leben nicht nur Tanz auf der Blumenwiese bedeutet. Solche
Kinder wirken oft wie kleine Erwachsene. Sie sind von frühester
Kindheit an für Leistungsbotschaften empfänglich, übernehmen früh
schon Verantwortung in der Familie. Ein kleines Beispiel: Eine
Mutter, die ich kenne, hat drei Kinder, eines mit Widder-Mond,
eines mit Waage-Mond, eines mit Steinbock-Mond. Wenn es um den
Abwasch nach dem Essen geht, sagt das Widder-Mond-Kind: »Ich bin
doch nicht blöd, ich mach das nicht.« Das Waage-Mond-Kind lächelt
und sagt: »Ich mach’s«, und verschwindet. Wer es dann wirklich tut,
ist das Steinbock-Mond-Kind. Diese Kinder sind oft sehr stolz auf
das, was sie beitragen können, sie lieben die Verantwortung, die
Pflichterfüllung, denn sie sind überzeugt, dass Liebe etwas mit
Leistung zu tun hat: »Es ist nicht selbstverständlich, dass mir
etwas zusteht im Leben, auch nicht von Seiten der Mutter: Ich muss
mir Liebe verdienen.« Es fällt schwer, etwas zu nehmen, zu
beanspruchen oder auch anzunehmen, was man sich vermeintlich nicht
erarbeitet hat. Das kann zu enormer Belastung und Stress führen –
oft wird allerdings Belastung hier als angenehm empfunden: Man will
es sich gar nicht leicht machen. Leichte Siege zählen nicht! Hier
finden sich die Menschen, die mit leuchtenden Augen erzählen: »Ich
habe sooo viel zu tun!«
Ich erinnere mich an
eine Frau mit Steinbock-Mond, die vor vielen Jahren zu mir zur
Beratung kam. Eines Tages kam sie ganz unglücklich ins
Sprechzimmer, und ich fragte sie, was passiert sei. Sie meinte:
»Also, es ist mir unglaublich peinlich, aber mir geht’s heute gut.«
Dann stellte sich heraus, dass sie das Gefühl hatte, sie dürfe
keine Beratungsstunde in Anspruch nehmen, wenn es ihr gut ging. Sie
hatte ohnehin Schwierigkeiten, sich die Beratung zu »gönnen«, weil
sie immer das Gefühl hatte, es gebe so viele Menschen, denen es
schlechter gehe als ihr und denen die »therapeutische Badewanne«
mehr zustehe.
Die Frage »Wie
freundlich darf ich zu mir sein? Was darf ich mir gönnen?« ist auf
der Mond-Ebene, auf der Kind-Ich-Ebene, hier sehr wichtig. Oft
haben Steinbock-Mond-Menschen eine so genannte kaptative
Gehemmtheit. Sie können nicht zugreifen, gehen mit vollem
Geldbeutel ins Kaufhaus und stellen fest, eigentlich brauchen sie
diese Dinge gar nicht. Dann kommen sie heraus, ohne etwas gekauft
zu haben. Das kann sehr weise sein, weil ja gerade der Reichtum des
Steinbock-Prinzips darin besteht, dass er sich aufs Notwendige
besinnt: Reich ist, wer wenig braucht, wer auf viel verzichten
kann. Aber dieses Verzichten hat hier oft auch den Charakter von
Versagung, es ist ein Nein zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen
und Wünschen. Diese werden mit Schuldgefühlen erlebt. Der Vorwurf,
gierig zu sein, trifft ein Steinbock-Mond-Kind besonders schwer.
Wenn seine Bescheidenheit echt ist, ist sie wie bei der Frau an der
Quelle in den Bergen: eine stimmige, schöne, reiche Einfachheit. Es
gibt allerdings auch die verbissene, verlogene, zähneknirschende
Bescheidenheit derer, die neidisch auf die blicken, die sich
trauen, mehr vom Leben zu nehmen. Falsche Bescheidenheit von echter
Bescheidenheit zu trennen ist in diesem Zusammenhang
wesentlich.
Kinder mit diesem
Mondstand lernen sehr früh, für sich selbst zu sorgen, Geld zu
verdienen, später auch Karriere zu machen; sie sind oft ehrgeizig
und der Gefahr der Überforderung ausgesetzt. Oskar Adler hat diese
Schattenseite des Steinbock-Prinzips einmal zugespitzt so
formuliert: Ein freudloser Fronarbeiter, der das Pech hat, in
seinen eigenen Diensten zu stehen. Der Gegenpol hierzu ist das
freudige Dienen. Tagore sagt: »Mir träumte, das Leben sei Freude.
Ich erwachte und sah: Das Leben war Pflicht. Ich arbeitete und sah:
Die Pflicht ward zur Freude.«
Bei Steinbock-Mond
geht es um Schuld und Verantwortung, eine Problematik, die schon
sehr früh lebensverneinend wirken kann. Ein alter Therapeutensatz
lautet: »Die Rückseite von Schuld ist Wut.« Manche Therapeuten
sagen auch: »Schuld ist kein echtes Gefühl, darunter verbirgt sich
etwas Tieferes.« Schuldgefühle entstehen, wenn ein Kind sich
unbefangen äußert und merkt, das ist nicht in Ordnung, es
enttäuscht dadurch jemanden, macht jemanden wütend. Dahinter steckt
in der Regel beim Kind sehr viel Wut: »Was habe ich denn Schlimmes
getan, was ist falsch an mir?« So mutig zu sein, hinter die
Schuldgefühle zu sehen, ist für den Heilungsprozess sehr wichtig.
Das hat auch mit dem Recht auf Wut, dem Recht auf Ansprüche an das
Leben, dem Recht auf die eigenen Gefühle zu tun. Aber gerade das
macht ja besonders viel Angst, und die Bereitschaft, eine Art
moralischen Masochismus zu entwickeln, ein strenges Über-Ich, wie
die Freudianer sagen würden, ist bei Steinbock-Konstellationen
generell groß.
Schuldgefühle können
auch sehr bequem sein. Ein befreundeter Therapeut sagt zum Beispiel
zu Klienten, die Schuldgefühle anführen als Grund für Dinge, die
sie nicht tun können: »Ach, Sie haben Schuldgefühle, das ist ja
prima, solange Sie sie behalten, müssen Sie nichts ändern.« Für
mein Gefühl ist Heilung damit verbunden, dass man Sätze wie »Ich
fühle mich schuldig, weil …« oder »Ich schäme mich für …«
verwandelt in: »Ich bekenne mich zu …«. Das ist leicht gesagt und
schwer getan, aber es ist ein Weg aus der Depression, aus der
überstrengen saturnischen Haltung, in der alte Schuldgefühlmonster
die Lebenskinder gefangen halten. Wer sich als Erwachsener zu den
Seiten des Lebens, die ihm früher versagt waren, bekennen und ihnen
einen Platz im Sinne des kosmischen Gesetzes geben kann, befindet
sich auf dem Heilungsweg. Sonst läuft er Gefahr, sein Leben lang in
der Haltung des schuldbewussten Sohnes, der schuldbewussten Tochter
zu verharren und nur einen Bruchteil seiner Möglichkeiten kennen zu
lernen.
Männer mit
Steinbock-Mond suchen auch in Beziehungen oft eine strenge Frau,
von der sie sich maßregeln lassen. Positiv gesehen zieht es diese
Männer zu Frauen hin, die etwas von der lebenstüchtigen Amazone
haben, aber auch von der verantwortungsbewussten, maternalen Frau,
mit der man eine traditionelle Familie gründen und sich in der
irdischen, materiellen Welt einen Platz suchen kann.
Einer Frau mit
Steinbock-Mond hat einmal ein Mann das Kompliment gemacht: »Du bist
eine Frau für schlechte Zeiten.« Das ist ein wunderbarer Satz, um
die Liebesenergie von Steinbock-Mond zu definieren: eine
winterfeste Liebe, die nicht nur im Sommer oder in den
Flitterwochen gilt. Eine Liebe, bei der man sich fragt: Bin ich
bereit, mit diesem Menschen durch harte Zeiten zu gehen, bin ich
bereit, mit diesem Menschen alt zu werden?