Sich selbst erfüllende Prophezeiung
(engl. self-fulfilling prophecy) Wenn jemand eine Zukunft voraussagt, dann muss man immer mit der Möglichkeit rechnen, dass er das zukünftige Geschehen durch seine Äußerung tatsächlich eintreten lässt. Das ist die Macht des Propheten! Zum Beispiel schreibt jemand in der Zeitung: «Die Aktie xy wird voraussichtlich dramatisch abstürzen.» Daraufhin verkaufen die Leser panisch diese Aktien. Folge: Die Aktie stürzt dramatisch ab, wie vorausgesagt!
Solche «sich selbst erfüllenden Prophezeiungen» gibt es auch im menschlichen und zwischenmenschlichen Bereich. Wenn ein Kind oft genug den Satz hört «Aus dir wird nie was!», dann dürfte es irgendwann derart demoralisiert sein, dass es nicht mehr an sich glaubt und innerlich aufgibt. Folge: Aus ihm wird tatsächlich nichts (genau wie vorausgesagt). Das → Selbstkonzept spielt dabei eine Schlüsselrolle. Es ist der Motor, der das Rad der sich selbst erfüllenden Prophezeiung immer wieder am Laufen hält. Wenn ich erst mal die Überzeugung «Ich bin technisch unbegabt» verinnerlicht habe, wird sie auf die Zukunft Einfluss nehmen. Denn sobald eine technische Herausforderung auf mich zukommt, werde ich sie (in Erwartung des Scheiterns) vermeiden und auf diese Weise nach und nach einen Übungsrückstand aufbauen, mit der Folge, dass ich in technischer Hinsicht wirklich bald «zurückgeblieben» bin – und mich in meinem Selbstkonzept empirisch bestätigt sehe. Ein → Teufelskreis.
Ein weiteres Beispiel: Bea hat Zweifel an ihrer Beziehungsfähigkeit. Aus Angst vor einer möglichen Trennung lässt sie sich gar nicht wirklich auf ihre neue Partnerin Christiane ein; diese trennt sich nach einigen Wochen von ihr, weil eine derart halbe Sache keine Beziehungsgrundlage für sie darstellt. Beas Selbstkonzept hat auch Einfluss auf ihre Wahrnehmung: Wenn sie davon ausgeht, dass Christiane sie sowieso bald verlassen wird, wird sie jegliches Verhalten ihrerseits schnell als erstes Anzeichen einer Trennungsabsicht deuten. Entsprechend verhält sie sich selbstschützend, eventuell verschlossen und abweisend.
Paradoxerweise provoziert die Art, wie wir uns schützen, oft genau das, was wir vermeiden wollten. Deshalb ist es für die Seele ein bedeutsamer Schritt, sich selbst als Auslöser des Geschehens zu erkennen, schafft dies doch die Voraussetzungen dafür, Einfluss zu nehmen und Veränderungen zu bewirken.