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Leitung

Die Leitung innezuhaben bedeutet, eine besondere  Rolle zu übernehmen. Zu den Aufgaben einer Gruppenleitung gehört das Begleiten und Anleiten anderer Menschen mit bestimmten Methoden und Inhalten sowie mit einem bestimmten Ziel. Der Leiter eines  Kommunikationstrainings vermittelt Erklärungs- und Anwendungswissen über die Kommunikation zwischen Menschen mit Hilfe von Vorträgen, Demonstrationen, Praxisbeispielen und Übungen. Im Unterschied zur  Führung gehört zur Leitungsrolle keine disziplinarische Verantwortung.

Die Leitungsrolle beinhaltet zwei Herausforderungen, die es immer neu auszubalancieren gilt: Neben dem Ziel, hier die Vermittlung kommunikationspsychologischer Grundlagen, sollte der Leiter stets auch den Prozess und die  Gruppe im Blick haben. Jedenfalls dann, wenn er aufmerksame Teilnehmer erwartet und den Anspruch hat, ein gutes Lern- oder Arbeitsklima zu unterstützen. Wenn sich am Morgen des zweiten Seminartages zeigt, dass ein Großteil der Teilnehmer einige Inhalte des ersten Tages noch nicht verstanden hat und diese noch einmal aufgreifen möchte, macht es Sinn, das Seminarprogramm zu verändern und Inhalte erneut aufzugreifen. Der hierfür notwendige Abstimmungsprozess mit der Gruppe fordert den Leiter als Prozessbegleiter! Aus der Balance von Ziel- und Prozessorientierung heraus muss der Leiter entscheiden, was in der aktuellen Situation angemessen ist. Schulz von Thun schreibt: «Der Trainer muss auch ein professioneller Gruppenleiter sein, ein kundiger und bewusster Anstifter, Diagnostiker und Moderator des Prozesses; und einer, der den unweigerlichen Komplikationen auch menschlich gewachsen ist.» (2009, S. 168)

Leitet man nicht alleine, sondern zu zweit oder dritt, wird von Co-Leitung gesprochen. Dieser Begriff lässt noch offen, ob es sich um ein gleichberechtigtes Nebeneinander zweier oder mehrerer Leiter handelt oder ob der Co-Leiter dem Leiter, der die Hauptverantwortung trägt, nachgeordnet ist. Co-Leitung bietet viele Vorteile: Sie erweitert nicht nur die didaktischen Möglichkeiten etwa um die Halbgruppenarbeit, sondern zwei Leiter gemeinsam verfügen auch über mehr Kompetenz und Sachverstand, sie können sich in schwierigen Seminarsituationen gegenseitig unterstützen, und die Teilnehmer erleben unterschiedliche Leitungsstile.

Mit der Co-Leitung sind jedoch auch Gefahren verbunden, zum Beispiel unterschiedliche Vorstellungen über die Leitungsrolle, Konkurrenz um Anerkennung von den Teilnehmern, interne Hierarchie durch unterschiedliche Leitungserfahrung etc. Damit aus den bestehenden Unterschieden kein Fallstrick, sondern ein fruchtbares Ergänzungsverhältnis wird, ist es unerlässlich, dass die Leiter ihr jeweiliges Rollenverständnis und ihre Erwartungen aneinander klären. Zum Beispiel schlagen Heiland und Stratmann (2009) für die «ungeschriebenen Gesetze der Co-Leitung» vier «Paragraphen» vor:

  • § 1

    Co-Leiter sollten sich gegenseitig über den Seminarverlauf in größtmöglicher Offenheit informieren, gerade auch über schwierige Entwicklungen.

  • § 2

    Ist ein Co-Leiter in Not, sollte der andere die Leitungsverantwortung übernehmen.

  • § 3

    Nach jeder schwierigen Seminarsituation haben in der nächsten Pause der Austausch und die Absprachen der Leitung Vorrang vor der Interaktion mit der Gruppe.

  • § 4

    Keine Veränderung des Seminarplans ohne Zustimmung des Co-Leiters!

Der Leiter hat qua seiner Rolle die Aufgabe, das Gruppengeschehen anzuleiten und prozessbezogen zu intervenieren ( Intervention). Gleichzeitig nimmt er aber auch selbst Anteil am Gruppengeschehen und beeinflusst dieses mit seinem Verhalten, denn die Übernahme der Leitungsrolle und der damit verbundenen Funktionen bedeutet nicht, dass der Leiter von dem Beziehungsgeschehen nicht selbst auch betroffen wäre! Er ist ebenso Teil davon wie die Teilnehmer.

Diese beiden Aspekte – Distanz und Teilhabe – werden im Prinzip der partizipierenden Leitung ( Themenzentrierte Interaktion) aufgegriffen: Es gilt die Balance zu halten! Manche Leiter betonen die Leitungsrolle zu stark und werden dadurch «abgehoben». Andere wiederum überbetonen die Gleichbetroffenheit mit den Teilnehmern und vergessen dabei, das Zepter in der Hand zu halten. In unseren Seminaren ist ein Ort für die Partizipation die Morgenrunde ( Metakommunikation). Leitung und Teilnehmer berichten dabei, was das Seminargeschehen bei ihnen auslöst, was in ihrem Kopf und Herzen vorgeht. Indem die Einzelnen ihre persönlichen Reaktionen veröffentlichen, kann in der Gruppe bewusst und besprechbar werden, was sonst aus dem Verborgenen wirkt.

Literatur

Heiland, R./Stratmann, R.: Die Kunst der Co-Leitung, in: Schulz von Thun, F./Kumbier, D.: Impulse für Führung und Training, S. 205ff.

Schulz von Thun, F.: Bin ich ein Trainer? In: Schulz von Thun, F./Kumbier, D.: Impulse für Führung und Training, S. 165ff.

Miteinander reden von A bis Z
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