Kommunikation
Wenn einer etwas kundtut, sei es durch Worte oder Taten oder Mimik/Gestik, und diese → Äußerung kommt bei einem anderen an und dieser kann mehr oder minder gut entschlüsseln, wie die Äußerung gemeint ist und welche Botschaften in ihr enthalten sind, dann ist eine Mitteilung gelungen und Kommunikation hat stattgefunden. Kommunikation ist also, wenn einer einem anderen etwas kundtut. Dies setzt voraus oder stiftet einen → Kontakt. Nicht unbedingt, aber häufig ist dieser Kontakt in eine → Interaktion eingefügt, in eine wechselseitige Bezogenheit und gegenseitige Einflussnahme. Kommunikations-, Interaktions- und Kontaktfähigkeit sind daher nicht identisch, aber eng benachbart und werden unter dem Begriff der sozialen Kompetenz zusammengefasst.
Charakteristisch für menschliche Kommunikation ist, dass so vieles gleichzeitig passiert: sich zeigen (verbergen) und erkannt (verkannt) werden; einen Sachverhalt (→ Sache) darstellen und verstanden (missverstanden) werden; eine → Beziehung stiften und eine Beziehungsdefinition anbieten (die akzeptiert oder verworfen werden kann); der Versuch einer Einflussnahme (→ Appell), der befolgt, ignoriert oder reaktant verweigert werden kann.
Diese Gleichzeitigkeit, die sich implizit und explizit, verbal und nonverbal realisiert, stellt für den Wissenschaftler, mehr noch für den Kommunikator selbst (→ Empfangsvorgang) eine große Herausforderung dar, weil die Simultaneität bewältigt werden muss und auf jeder dieser vier Ebenen etwas schief gehen kann.
Das → Kommunikationsquadrat soll dafür das Bewusstsein schärfen. Auf dem Wege zu einer authentischen und situationsgerechten Kommunikation (→ Stimmigkeit) haben sich außerdem folgende Modelle als aussichtsreich erwiesen:
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das → Innere Team als entscheidende Hilfe zur Selbstklärung
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das → Riemann-Thomann-Modell zur Erklärung von menschlichen Unterschieden
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das → Werte- und Entwicklungsquadrat zur Verdeutlichung der dialektischen Struktur von Werten, menschlichen Qualitäten und Herausforderungen
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das → Teufelskreis-Modell zur Veranschaulichung typischer zwischenmenschlicher Dynamiken
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das → Situationsmodell zum Verständnis der «Wahrheit der Situation» und ihrer innewohnenden Logik.
Kommunikation bedeutet im existenziellen Sinne: Nicht nur «Miteinander reden», sondern «Mit sich selbst und miteinander gut klarkommen». Ausgehend von der Tatsache, dass menschliches Miteinander im privaten, im beruflichen, im politischen Bereich mehr oder minder gut gelingen und im Extremfall völlig scheitern kann, verbindet sich mit dem Begriff der Kommunikation das Credo, dass es lohnend und menschenmöglich sei, zu lernen, so miteinander umzugehen, dass eine Verständigungsbrücke von Mensch zu Mensch entsteht, dass wir auf der Welt miteinander koexistieren und einander gelten lassen, dass das Liebevolle und Kooperative unter den Menschen wo immer möglich die Oberhand gewinnt, dass – besonders im Konfliktfall – ein gutes Miteinander-Reden vieles heilsam regeln kann, was sonst in Gefahr steht, in einer Tragödie zu münden – sowohl im privaten Mikrokosmos wie auch im Makrokosmos dieses Planeten.