Empathie

Das Konzept der Empathie stammt aus der Psychotherapie (besonders Rogers 1973) und bedeutet Einfühlung: Alles steht und fällt damit, ob es dem Therapeuten gelingt, sich in die innere Welt des Klienten einzufinden. In den letzten Jahrzehnten hat der Begriff eine große Karriere gemacht: Auch in Politik und Wirtschaft ist die Einsicht gewachsen, dass Erfolg wahrscheinlicher wird, wenn man die Dinge auch mit den Augen des Wählers, des Kunden oder des Mitarbeiters anschaut und sich vergegenwärtigt, wie ihm ums Herz sein mag. Der sich einfühlende Mensch richtet seine Aufmerksamkeit auf die Wirklichkeit seines Gegenübers mit dem Ziel, den anderen in seinem Erleben zu verstehen. Dieses  Verstehen geht über den Wortsinn dessen, was das Gegenüber sagt, hinaus und nimmt auch Fühlung auf mit dem, was «zwischen den Zeilen» hindurchklingt.

Saskia leidet unter Liebeskummer und hat ihre Freundin Maja zu sich eingeladen: «Ich verstehe Christian einfach nicht! Wie kann der so egoistisch sein und seinen Urlaub alleine planen?!» Empathisches Zuhören verlangt von Maja in dieser Situation, eigene Gedanken, Gefühle und Meinungen zwar wahrzunehmen, aber erst einmal nicht in den Kontakt einzubringen. Vielleicht findet sie selbst es selbstverständlich, dass Partner auch einmal getrennt in den Urlaub fahren, vielleicht ist sie ebenfalls empört oder aber der Meinung, Männer seien sowieso Egoisten. Wie auch immer ihre persönliche Reaktion auf dieses Thema ist: Empathie hieße in dieser Situation, zu verstehen, welche Bedeutung das Verhalten von Christian für ihre Freundin Saskia hat. Gelingt es Maja, sich in Saskias Situation einzufühlen, fühlt sie vielleicht zwischen den Zeilen die Kränkung, die die Freundin empfinden mag. Diese Einfühlung könnte Maja vorsichtig und mit einem inneren Fragezeichen so ausdrücken: «Du bist ziemlich enttäuscht und verletzt, dass Christian sein eigenes Ding macht, und fühlst dich ausgeschlossen?»

Wenn wir versuchen, jemand anderen wirklich zu verstehen und dabei vom eigenen Erleben zu abstrahieren, ist das gelebte Wertschätzung. Die Erfahrung, von jemandem verstanden zu werden, enthält für uns Menschen etwas sehr Heilsames und Förderliches. Empathie ist eine wichtige Fähigkeit in der  Beratung und eine Grundvoraussetzung für  Aktives Zuhören. Beim empathischen Zuhören ist von den  Vier Ohren besonders das Selbstkundgabe-Ohr auf Empfang geschaltet.

Miteinander reden von A bis Z
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