Integration
Integration im kommunikationspsychologischen Sinne hat zum Ziel, widerstreitende innere Anteile, Werte oder Impulse aus ihrer scheinbaren Ausschließlichkeit zu befreien und zusammenzuführen. Nicht «entweder oder», sondern «sowohl als auch» ist dabei der Leitgedanke.
Beispiel: Herr Maiser legt sehr viel Wert darauf, seinen Mitarbeitern ein offenes und ehrliches → Feedback zu geben. In dem Bemühen, mit Kritik nicht hinter dem Berg zu halten und dadurch auch Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, schießt Herr Maiser jedoch manchmal über das Ziel hinaus. Er hat den Ruf, in Mitarbeitergesprächen «knallhart und schonungslos» zu sein. Deshalb möchte er sein Feedbackverhalten verändern. Er möchte lernen, Feedback so zu geben, dass «bei meinem Gegenüber nicht gleich die Jalousie runtergeht», das heißt, dass die Botschaft nicht nur ehrlich und prägnant ist, sondern für den Empfänger auch so formuliert ist, dass er sie möglichst annehmen kann. Dafür ist es notwendig, dass Herr Maiser sensibler für die Wirkung seines Verhaltens wird, dass er lernt, sich diplomatischer und taktvoller auszudrücken. Wenn er jedoch im Zuge dieser Entwicklung seine offene und direkte Art gänzlich über Bord werfen würde, wäre das ebenso wenig wünschenswert. Denn ein ausschließlich diplomatisches und wirkungsorientiertes Verhalten birgt die Gefahr der → Manipulation. Ein Feedback soll für den Empfänger zwar annehmbar sein (also mit der Selbstachtung vereinbar), aber auch ehrlich und offen formuliert werden (sonst könnte man es sich ebenso gut sparen). Der Integrationsgedanke zielt nicht darauf ab, dass Herr Maiser seine Offenheit ausmerzt, sondern dass er sie um eine komplementäre Fähigkeit ergänzt, die es erst noch zu entwickeln gilt. Die Integration von Offenheit und Wirkungsbewusstsein, von Ehrlichkeit und taktvoller Sensibilität ermöglicht erst ein konstruktives Feedback.
Der Integrationsgedanke ist ein zentraler Aspekt des → Werte- und Entwicklungsquadrats. Darüber hinaus spielt er eine wichtige Rolle bei der Arbeit mit dem → Inneren Team (Integration der ungeliebten Mitglieder) oder mit dem → Kommunikationsquadrat (Integration der vier Ebenen, Entwicklung quadratischer Sensibilität).