Rolle

Die «Rolle» wird gemeinhin definiert als Summe der erwarteten Verhaltensweisen, die sich an den Inhaber einer Position richten. Diese Erwartungen betreffen die Beziehungen, die sich aus der Rolle ableiten (z.B. hierarchisch), sowie ihre Funktionalität (z.B. das Aufgabenprofil innerhalb einer Führungsrolle). Rollen regeln das soziale Miteinander auf eine sinnvolle Weise, indem sie Verhaltensnormen festlegen, die den Kommunikationspartnern Sicherheit geben.

Die Klärung der eigenen Rolle ist das A und O in der Kommunikation, besonders dann, wenn es schwierig wird. Der Abteilungsleiter Herr Trennscharf ist disziplinarischer Vorgesetzter von Herrn Stiehl und als solcher ihm gegenüber weisungsbefugt. Wenn Stiehl und Trennscharf jedoch im Rahmen der Projektgruppe «Innovatives Produktdesign» unter der Leitung von Herrn Retro gleichberechtigt zusammenarbeiten, bedeutet dies einen Rollenwechsel. Wichtig ist, dass dieser Wechsel auch von Stiehl und Trennscharf vollzogen wird, denn sonst kommt es schnell zu Irritationen. Beispielsweise wäre es unstimmig, wenn Herr Trennscharf auch in der Projektgruppe den gewohnten Ton anschlägt und Herrn Stiehl Anweisungen erteilt.

Wenn in der Kommunikationsberatung die Frage aufkommt «Wie soll ich hier am besten reagieren?», dann hängt die Antwort nicht zuletzt davon ab, welche Rolle der Fragesteller innehat und wie er selbst sie definiert (Rollen-Selbstverständnis). Bist du der Chef? Oder bist du externer Berater? Bist du der leibliche Vater oder der Stiefvater? Bist du die Mutter oder eine gute Freundin? Je nachdem wird eine stimmige Kommunikation anders ausfallen müssen. Darum ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle in einem gegebenen Feld die Voraussetzung für Sicherheit und eine «klare Linie» in der Kommunikation. «Was macht die Rolle mit mir, und was mache ich aus der Rolle?» gehört zu den Schlüsselfragen der Selbstreflexion.

Wer eine Rolle übernimmt, muss für Konflikte nicht sorgen. Sie kommen von selbst, da die unterschiedlichen Rollenpartner (z.B. Kunden, Kollegen, Lieferanten) durchaus nicht nur und nicht immer dieselben Erwartungen an den Rolleninhaber hegen. Die Mitarbeiter von Frau Scheff erhoffen, dass sie sich für sie stark macht und bessere Arbeitsbedingungen durchsetzt. Der Vorgesetzte von Frau Scheff erwartet, dass sie ihre Mitarbeiter zu verstärkter Einsatzbereitschaft motiviert. Wenn sie nun konfliktscheu nach der Devise «allen wohl und niemand weh!» agiert und kommuniziert, kommt sie bald in Teufels Küche. Notwendig ist die Erarbeitung eines Eigenstandpunktes, der dann nach beiden Seiten hin, notfalls auch mit Nachdruck, zu vertreten ist. Solche Konflikte, die innerhalb einer Rolle angelegt sind, werden Intra-Rollenkonflikte genannt.

Dagegen entstehen Inter-Rollenkonflikte, wenn jemand zwei oder mehr Rollen innehat und diese in einen Widerstreit geraten. In der Klasse von Lehrer Schimmelcent sitzt auch seine eigene Tochter. Wenn sie ihn zu Hause bittet, ihr bei der Vorbereitung auf die bevorstehende Klassenarbeit zu helfen, sind spätestens dann der Vater (der für seine Tochter das Beste will) und der Lehrer (der weiß, was drankommt) nur schwer voneinander zu trennen. Es kommt gar nicht so selten vor, dass jemand in einer gegebenen Situation «zwei Hüte» gleichzeitig auf dem Kopfe trägt. In dem Fall ist es günstig, wenn er klarmacht, aus welcher Rolle heraus er jeweils spricht (z.B. «Das sage ich jetzt nicht als Moderator, sondern als betroffener Abteilungsleiter»).

Literatur

Miteinander reden 3, S. 190ff. (S. 163ff.)

Miteinander reden von A bis Z
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