Entwertungstendenz

Manche Menschen neigen dazu, andere herabzusetzen und als dumm, pathologisch und/oder bösartig hinzustellen, als Versager oder Schuldige. Alfred Adler sprach bei diesem Verhalten von einer «Entwertungstendenz»: Wer in seinem eigenen Selbstwertgefühl aufgrund entmutigender und demütigender Erfahrungen unsicher und verletzt ist, versucht dagegen etwas zu unternehmen, versucht sein Minderwertigkeitsgefühl zu «kompensieren». Das Bestreben geht in die Richtung, sich selbst als grandios herauszustellen. Dazu dient in der Kommunikation neben dem Imponiergehabe auf der Selbstkundgabeseite ( Selbstkundgabe) auch das Entwerten und Herabsetzen der Mitmenschen auf der Beziehungsseite ( Beziehung) des  Kommunikationsquadrates (s. Abb. 21).

Abb. 21:

Imponiergehabe und Entwertung als Kompensation eines Minderwertigkeitsgefühls

Der Mechanismus der  Projektion ermöglicht, die abgelehnten Teile seiner selbst überdeutlich dort wahrzunehmen und zu bekämpfen, wo es selbstwertschonend möglich ist: beim Gegenüber.

Ein möglicher Erklärungsansatz für dieses Verhalten ist eine tief empfundene persönliche Unzulänglichkeit, die dazu führen kann, dass ein Mensch sich im Kontakt mit anderen ständig in seinem Selbstwert bedroht sieht («Ich bin nichts wert! Wenn das jemand merkt, werde ich gnadenlos verachtet!»). Um der Angst zu begegnen, selbst (wieder) unterdrückt und ausgegrenzt zu werden, wird die eigene Überlegenheit zur Überlebensfrage: Der Andere wird quasi vorbeugend eingeschüchtert und unterworfen, damit man sich nicht selbst von ihm bedroht fühlen muss. Gleichzeitig vermeidet jemand mit diesem Kontaktverhalten innerlich jene Gefühle von Unterlegenheit, Wehrlosigkeit und Weichheit, mit denen die schmerzhaften Erinnerungen und Erfahrungen verknüpft sind.

Beim aggressiv-entwertenden  Kommunikationsstil hat die Entwertungstendenz eine bedeutende Rolle in der Kontakt- und Beziehungsgestaltung. Die Problematik der Entwertung, die im menschlichen Miteinander viel Unheil anrichtet, wird auch unter dem Begriff der «narzisstischen Störung» ( Narzissmus) diskutiert.

Literatur

Miteinander reden 2, S. 135ff. (S. 115ff.)

Miteinander reden von A bis Z
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