I
Imperativ
Imperativ (lat.) heißt Befehl, Aufforderung («Mach die Tür zu!»). Im Unterschied zur Bitte oder Empfehlung enthält diese Form des → Appells einen Machtanspruch und die unbedingte Erwartung, dass der Empfänger gehorcht. Wenn der Empfänger sich verweigert, kann dies ein Protest gegen den Inhalt des Appells sein («Nein, ich möchte die Tür offen lassen, um die Klingel zu hören») und/oder ein Protest gegen die implizite Beziehungsbotschaft («Du hast mir gar nichts zu befehlen!»).
Imperative gibt es aber nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch innerhalb des Menschen. Innere Teammitglieder (→ Inneres Team) werden als imperativisch aufgeladen bezeichnet, wenn von ihnen ein unabdingbarer Befehl, ein Gebot oder ein Verbot ausgeht, wie man unbedingt zu sein hat bzw. was man keinesfalls sein darf. Zum Beispiel «Ich darf nicht neidisch sein!» oder «Ich muss immer freundlich sein!» Solche verinnerlichten Glaubenssätze werden auch → Introjekte genannt. Wenn dieser Imperativ oder das Introjekt auf etwas zielt, was sich bereits anders ereignet hat (zum Beispiel ich bin neidisch, sollte aber laut Imperativ anderen stets Gutes gönnen und mich mit ihnen freuen), erzeugt dies innerlich einen → Konflikt, der häufig von Schuldgefühlen, Scham und Minderwertigkeit begleitet wird. Äußerlich geht damit meist eine Handlungsblockade einher.
Literatur
Miteinander reden 3, S. 164ff. (S. 142f.)
Wagner, A. u.a.: Bewusstseinskonflikte im Schulalltag.