Äußerung

Eine Äußerung bezeichnet das, was jemand von sich gibt, verbal und nonverbal ( nonverbale Kommunikation). Zum Beispiel die verbale Äußerung unter Kollegen: «Ich habe gehört, du bist heute ausnahmsweise mal da!» oder die nonverbale Äußerung «Weinen» bei einem Streit. In der Kommunikationspsychologie von Schulz von Thun wird zwischen Äußerung und  Botschaft unterschieden. Die Äußerung ist das empirisch-faktisch wörtliche und/oder nonverbale Ereignis. Es wird in der Mitte des  Kommunikationsquadrates verortet. Die Botschaften kann man der Äußerung entnehmen, sie stecken explizit oder implizit in ihr drin und werden im Kommunikationsquadrat den vier Seiten zugeordnet. Ein und dieselbe Äußerung enthält mehrere Botschaften gleichzeitig: Sach-Botschaften, Selbstkundgabe-Botschaften, Beziehungs-Botschaften und Appell-Botschaften (s. Abb. 5 und Abb. 6).

Abb. 5:

Verbale Äußerung und ihre quadratischen Begleitbotschaften

Abb. 6:

Nonverbale Äußerung und mögliche Begleitbotschaften

Wenn eine Botschaft ausgesprochen wird, wenn sie also explizit wird, sprechen wir nicht mehr von einer Botschaft, sondern von einer Äußerung. Streng genommen müssten ausgesprochene Ich- und Du-Botschaften demnach Ich- und Du-Äußerungen heißen.

Die mit einer Äußerung einhergehenden nonverbalen Botschaften wie Tonfall, Mimik, Gestik und Körperhaltung geben ferner Hinweise darauf, wie die Äußerung zu verstehen ist. Dadurch wird sie zusätzlich qualifiziert. Stimmen die nonverbalen Signale mit der expliziten Äußerung überein, unterstreichen sie also deren Bedeutung, dann spricht man von Kongruenz ( Authentizität). Beispielsweise die mit erfreuter Mimik und Tonlage geäußerte Aussage: «Ich komme gern zu Eurem Fest!» Inkongruent hingegen sind die Begleitbotschaften, die der Äußerung in ihrer Bedeutung entgegenstehen. Beispielsweise die im kühlen Ton und mit verärgerten Gesichtszügen geäußerte Zusage: «Ja, ich bin einverstanden!»

Werden zwei sich widersprechende Botschaften gesendet, spricht man auch von inkongruenter Doppelbotschaft (engl. double-bind). Der Empfänger ( Empfangsvorgang) einer Doppelbotschaft gerät in ein Dilemma: Soll er der Äußerung («Ich bin einverstanden») oder der Begleitbotschaft («Es passt mir nicht!») Glauben schenken? Für den Sender liegt der Vorteil einer Doppelbotschaft darin, dass er sich nicht festlegt und sich gegebenenfalls der Verantwortung entziehen kann, indem er behauptet, es so nicht gemeint zu haben. Zum Beispiel: «Ich habe doch gesagt, ich bin einverstanden!» oder «Es war doch wohl klar, dass es mir nicht recht war!» Häufig liegt einer inkongruenten Doppelbotschaft eine innere  Ambivalenz zugrunde. Die Doppelbotschaft ist dann Ausdruck innerer Zerrissenheit und deutet auf einen inneren Widerstreit zwischen zwei Gegenspielern hin ( Inneres Team). (s. Abb. 7, S. 28)

Abb. 7:

Inkongruente Doppelbotschaften aufgrund innerer Gegenspieler

Beide inneren Zustände, beispielsweise Zustimmung einerseits und Ablehnung andererseits, führen zu dem Verschmelzungsprodukt der inkongruenten Doppelbotschaft. In diesem Fall ist die Selbstklärung und innere Wahrheitsfindung des Senders noch nicht abgeschlossen.

Literatur

Miteinander reden 1, S. 39ff., 72ff. (S. 35ff., 65ff.)

Miteinander reden 3, S. 26ff. (S. 22ff.)

Schulz von Thun, F.: Miteinander reden: Fragen und Antworten, S. 19ff.

Miteinander reden von A bis Z
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