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Donnerstag, 9. August
Als Sofi nach langem Schlaf erwachte, sprang sie
gleich auf und ging zur Balkontür, um in der frischen Luft das
klebrige Gefühl loszuwerden, das sich in der schwülen Nacht über
ihren Körper gelegt hatte. Draußen war es, als hätte es die
Unterbrechung des Sommers nie gegeben. Der Himmel war blau, und die
Luft duftete nach Maigras. Auf frischen Wind hatte sie vergeblich
gehofft. Im Kühlschrank fand sie eine Tüte Dickmilch, die man noch
trinken konnte. Sie duschte lange und kalt, bevor sie Kjell
anrief.
»Der ist draußen und schwimmt«, berichtete Linda
nach einem Blick aus dem Küchenfenster. »Soll ich dich
runterwerfen?«
»Es eilt nicht. Aber sag ihm doch, dass ich jetzt
losziehe und später im Büro bin.«
Sofi hängte ihre Tasche über die Schulter und
verließ die Wohnung in der Tengdahlsgatan 18. Auf der Wiese
sprangen Kinder umher. Die Mütter der Nachbarschaft hatten sich zum
Kinderwagenkorso eingefunden. Sofi schlenderte die Straße hinauf
zur Skånegatan. Beim Sofia-Kiosk kaufte sie drei Zeitungen und
deckte sich mit Schokolade ein, denn Kjell hatte ihr prophezeit,
dass der heutige Tag starke Nerven und Geduld von ihr verlangen
würde.
Eine Stunde später trat sie mit ihrer neuen
Sonnenbrille im Haar vor eine Gruppe von dreißig jungen
Polizeianwärtern, die zur Sommervertretung an die Kriminalpolizei
abkommandiert waren und wie eine brave Schulklasse in den Bänken
des Schulungsraumes warteten. Es war elf Uhr. Jeder der dreißig
Polizisten erhielt eine Mappe mit Kopien von Lindas Zeichnungen der
beiden Toten und einem Foto von Josefin. Für jeden gab es zudem
noch eine Fotokopie des Büchleins.
»Wir möchten zweierlei wissen«, erklärte Sofi.
»Wurde eine dieser drei Personen in einem Geschäft gesehen? Das
wäre für uns besonders wichtig. Zweitens möchten wir wissen, ob ein
Geschäft dieses Buch geführt hat oder noch führt. Wann wurde es
verkauft und an wen?«
Henning und Barbro hatten für jeden eine Route
ausgearbeitet. Die Befragung reichte bis zu den kleinen Geschäften
in den Vororten. Die Einweisung dauerte keine Viertelstunde.
Nachdem die Polizisten ausgeschwärmt waren, setzte sich Sofi an
ihren Schreibtisch. Herr Mäusler aus München hatte ihr geraten, es
auch im Internet zu probieren, wo alte Bücher in Deutschland
inzwischen gerne verkauft wurden. Aber auch schwedische
Antiquariate waren im Internet sehr aktiv.