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Sofi hatte die Fahrt im hinteren Teil des Kleinbusses verbracht und ihre Apparatur aufgebaut. Kjell fuhr von der 57 auf den Parkplatz hinter Möinbo und hielt dicht neben dem dunkelblauen Audi an. Vier Männer saßen darin. Sie hatten alle dunkles Haar und trugen ihren Scheitel an derselben Stelle. Der Fahrer stieg aus, öffnete die Schiebetür des Vans und kletterte mit einem knappen Nicken zu ihr herein. Kjell schilderte die Lage mit einer Offenheit, die Sofi verblüffte.
»Zeig ihm mal die Karte«, sagte Kjell.
Sofi drehte ihren Bildschirm. Der Mann brauchte nicht lange, um sich zu orientieren. Er nickte knapp und stieg aus. Kjell startete den Wagen und rollte vom Parkplatz. Der Audi folgte ihnen.
»Sind das irgendwelche Jugo-Freunde von dir und Henning?«, rief Sofi gegen den lauten Motor an. Zu allem Überfluss saß sie auch noch über dem Radkasten.
Kjell lachte. »Hennings Freunde vom Hammarby-Fanclub.«
»Okay«, sagte Sofi und lenkte sich ein wenig durch Scrollen mit der Pfeiltaste ab.
»Antiterroreinheit. Steht außerhalb des Polizeiapparats. Alle vier sind bosnische Muslime.«
Sofi hob die Augenbrauen.
»Wie weit soll ich fahren?«, fragte Kjell.
»Wir dürfen nicht zu nah bei der Stadt sein. Ich weiß nicht, wie stark ich aufdrehen muss. War das ernst gemeint mit der Karte? Ich wusste natürlich, dass du Karten magst, aber das du sie so liebhast!«
Sie hörte ihn vorne lachen und stellte noch zwei Fragen, bemerkte aber an Kjells einsilbigen Antworten, dass er lieber schweigen wollte. Wahrscheinlich dachte er an Linda. Sofi hatte nichts weiter zu tun, als auf den vorbeiziehenden Tannenwald zu schauen. Bald fielen ihr die Augen zu, und sie erwachte erst, als sich das Geräusch des Motors in ein tiefes Brummen verwandelte. Dem Monitor nach war Kjell bei Marieberg abgebogen.
»Wir sind jetzt hinter Brunnsvik«, sagte er.
Sofi rieb sich die Wangen. »Das ist gut. Hier ist es schön hoch.« Durch die Heckscheibe sah sie den Audi. Er stand dicht hinter ihnen. Die vier Männer saßen da und rührten sich nicht. Am Horizont sah man blaue Wasserflächen zwischen den Wäldern in der Nachmittagssonne aufblitzen. Kjell kletterte zu ihr nach hinten und öffnete die Schiebetür. Der Geruch von feuchtem Wald strömte herein.
»Sie sollen ihre Telefone ausschalten. Kannst du ihnen das sagen?«
Während Kjell die Nachricht überbrachte, startete Sofi den Catcher. Kjell beobachtete jeden Handgriff. Sofi begann mit einem halben Watt, aber sie wusste schon, dass nur ihr eigenes Telefon überspringen würde. Das lag ja gleich daneben.
»Wir expandieren jetzt zum größten Mobilfunkanbieter der Region«, erklärte Sofi grinsend und drehte am Rädchen. Als sie mit fünf Watt sendete, erschienen auf einmal neunzehn Nummern auf der Liste. Das mussten Elchjäger auf dieser Landzunge sein. Sofi prüfte die Höhenkarte. Der Standpunkt war eigentlich nicht schlecht. Sie drehte wieder am Rädchen und erhöhte auf fünfzehn Watt. Kjell deutete auf die gut dreißig neuen Abonnenten.
»Das sind wahrscheinlich Leute oben in Sofielund beim Naturreservat.« Sofi zeichnete einen Radius auf der Karte ein und errechnete eine Beziehung zwischen Sendestärke und Entfernung.
»Was machen wir, wenn von den Leuten jemand telefonieren will?«
Sofi gab keine Antwort und drehte mit unchristlicher Freude am Rädchen.
»Da!«, rief Kjell und deutete auf eine Teilnehmerkennung.
Eilig verglichen sie sie mit Amelies Daten. Sofi kicherte.
»Der Distanz nach muss es irgendwo am anderen Ufer sein. Da sind überall Erhebungen. Wenn wir warten, bis sie angerufen wird, können wir mithören. Allerdings hat sie seit vier Tagen nicht mehr telefoniert.«
»Nein, wir fahren hin.« Kjell kletterte nach vorn und startete den Wagen.
Sofi fuhr die Sendeleistung etwas herunter, bis Amelie wieder von ihrer Anzeige verschwand. Es war ihr nicht ganz geheuer, mit fast dreißig Watt zu senden. Damit strahlte sie bis kurz vor Gnesta. Nur ein Windhauch, und sie legte dort alles lahm. Wenn Amelies Kennung wieder erschien, hätten sie die Bestätigung, dass die Richtung stimmte.
Sie mussten in einem weiten südlichen Bogen fahren, um zur Landzunge zu gelangen, die westlich ihres Sendeplatzes lag. Sofi reduzierte die Sendeleistung noch mehr, um so wenig Schaden wie möglich anzurichten. Wessen Telefon auf Sofi übersprang, konnte eine halbe Stunde lang nicht einmal mehr den Notruf erreichen. Zwei Jahre lang hatten sie im Sicherheitsausschuss im Reichstag deshalb über den Einsatz des Gerätes diskutiert. Es war wunderbar, endlich damit durch die Gegend zu fahren.
Die Falsche Tote
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