GRIECHEN UND PERSER
Wie im »Menetekel« vorausgesagt, überwanden die Perser die babylonischen Kaldäer Nebukadnezars und Belsazars. Die Perserarmee war besonders gut im Pfeil- und Bogenschießen gedrillt, den wichtigsten Fernwaffen der Zeit. Die Gegner gingen im Pfeilhagel unter.
520 v. Chr.
SATRAPEN Der Herrscher des persischen Großreiches konnte nicht überall gleichzeitig sein. Daher setzte Dareios I. (ca. 550–486 v. Chr.) in einer Reichsreform die Satrapen ein.
Satrapen waren, mittelalterlich gesprochen, Vögte oder, modern gesprochen, Präfekten: oberste Verwaltungsbeamte eines bestimmten Distrikts mit relativ großer Selbstständigkeit. Wie Landesherren waren sie mit eigenen Truppen und eigenem Münzrecht ausgestattet, doch letztlich dem Perserkönig unterworfen. Bei den riesigen Entfernungen des Weltreichs – und weil es damals noch kein Handy gab – mussten die Satrapen zwangsläufig einigermaßen unabhängig sein.
490/480 v. Chr.
MARATHON UND SALAMIS Die griechischen Städte empfanden die persische Herrschaft zunehmend als unerträglich und lehnten sich schließlich dagegen auf. 499 v. Chr. wurde der Satrapensitz Sardes, die alte lydische Hauptstadt von Krösus, kurzfristig von den Ioniern erobert. Das wiederum konnten sich die Perser nicht gefallen lassen. Sie mussten auf diesen – aus ihrer Sicht – »Zwergenaufstand« reagieren.
Weil die Athener die ionischen Städte gegen die Perser unterstützten, wollte ihnen der persische Großkönig Dareios eine Lektion erteilen und schickte ein Expeditionsheer. Mithilfe des von Kleisthenes vertriebenen Hippias sollte Athen zu einer persischen Satrapie werden. Das wurde durch den als epochal bewerteten Sieg bei Marathon verhindert.
Zehn Jahre später leitete Xerxes, der Sohn des inzwischen verstorbenen Dareios, die persischen Operationen. Dieses Mal sollte es ein Großangriff des gesamten Reichsheeres sein. Der griechische Feldherr Themistokles erkannte, dass die Athener dieser Übermacht nicht gewachsen waren. Den delphischen Orakelspruch »Sucht Schutz hinter hölzernen Mauern« interpretierte er so, dass die Entscheidung diesmal auf dem Wasser fallen musste. Themistokles verstand unter den »hölzernen Mauern« Schiffswände und ließ eine Flotte bauen, auf der alle Männer Athens als Ruderer dienen mussten – eine wesentliche Voraussetzung für das spätere demokratische »Wir-Gefühl« in Athen. Athen und Attika wurden den Persern preisgegeben, Frauen und Kinder auf die vorgelagerte Insel Salamis evakuiert. Als die persische Flotte in die enge Bucht von Salamis einfahren wollte, konnten sich deren Schiffe wegen Platzmangels nicht richtig entfalten. Sie wurden von den Griechen an den Flanken angegriffen und versenkt. Der Großangriff auf ganz Griechenland war gescheitert. Die Perser versuchten es nie wieder.
WANDERER, KOMMST DU NACH SPARTA Die Perser waren auch mit einem gewaltigen Landheer über eigens gebaute Brücken über den Bosporus gezogen und Richtung Attika vorgerückt. Ein winziger Trupp von Spartanern nebst Hilfstruppen unter König Leonidas konnte sie an der engsten Stelle, dem Thermopylen-Pass, nur kurz aufhalten. Die Stellung der Spartaner wurde durch Verrat hintergangen, fast alle fielen – und der spartanische Militärruhm, niemals von der Stelle zu weichen, war begründet. Eine Gedenktafel erinnert daran (in Friedrich Schillers Übersetzung): »Wanderer, kommst du nach Sparta, so verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.«
Die Spartaner verschafften den Athenern die nötige Atempause, um ihre Stadt zu evakuieren. Das persische Landheer zerstörte die Stadt und die Akropolis, die gleich nach den Kriegen im Stil der griechischen Hochklassik wiederaufgebaut wurde. Die Perserkriege bedeuteten einen tiefen Einschnitt in der athenischen Geschichte. Und weil in diesen Jahrzehnten in Athen so ungeheuer viel Neues entstand, was die abendländische Geschichte beeinflusste, ist diese Entwicklung auch welthistorisch bedeutsam.
Durch die übermächtige persische Bedrohung und ihre erfolgreiche Abwehr entwickelten die ewig uneinigen Griechen erstmals eine Art panhellenisches Bewusstsein und, was noch folgenreicher war, das Bewusstsein eines Unterschiedes zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien und Europa, zwischen Ost und West.
478 v. Chr.
DELISCH-ATTISCHER SEEBUND Ziel des unmittelbar nach Salamis zwischen Athen und einer Vielzahl von Poleis in der Ägäis 478 v. Chr. geschaffenen Bundes war es, die Perser fern, die Spartaner mit ihrem peloponnesischen Festlandsbund in Schach und Athen mit zahlreichen Handelsvorteilen an der Spitze zu halten.