ÄGYPTEN – DAS ALTE REICH
Ägypten ist »das schwarze Land«. Das griechische Wort aigyptos für »dunkel« bezieht sich auf die »schwarze Erde« des Nilschlamms, der alljährlich den Boden überschwemmte und damit die Lebensgrundlage der antiken Hochkultur schuf. Die pharaonischen Ägypter selbst nannten ihr Land genauso, nur eben in ihrer Sprache: chem oder keme. Unser Wort »Chemie« geht übrigens darauf zurück. Anders als in Mesopotamien gab es keine »Stadtkultur«. Ägypten blieb immer ländlich. Quasi-städtische Zentren entwickelten sich nur um die Pharaonenresidenzen und einige bedeutende Tempel (Memphis, Theben, Heliopolis).
vor 3000 v. Chr.
SONNENKALENDER Man kann die Entstehung oder »Erfindung« des ägyptischen Kalenders nicht genau festlegen, doch vermutlich geschah dies am Beginn der ägyptischen Kultur, noch vor den Hieroglyphen. Auch unser heutiges System geht auf den ägyptischen Kalender zurück, weil Julius Cäsar ihn für das Römische Reich übernahm. Im Gegensatz zu fast allen anderen alten Kulturen, die Mondkalender hatten, richteten sich die Ägypter nach einem Sonnenkalender. Die eigentlich »ägyptische« Erfindung ist das Prinzip der Monatseinteilung zu rund 30 Tagen und der Schalttage, die die Ägypter am Jahresende einfügten. Aufgrund der kulturellen Dominanz der Europäer in der Kolonialzeit wurde der über 5000 Jahre alte ägyptische Kalender der »Weltkalender.«
um 3000 v. Chr.
HIEROGLYPHEN entstanden schon vor der 1. Dynastie, also vor 3000 v. Chr. Das Wort dafür kommt aus dem Griechischen, denn die Griechen übersetzten den pharaonischen Ausdruck »Schrift der Gottesworte« mit »heilige Zeichen« aus hieros (»heilig«) und glypho (»in Stein ritzen«). Die Entzifferung der Hieroglyphen gelang 1822 dem Franzosen François Champollion nach mehr als zehnjähriger Arbeit dank des 1799 von napoleonischen Soldaten gefundenen »Steins von Rosette«. Durch diese bahnbrechende Entdeckung erschloss sich die ägyptische Kultur in einzigartiger Weise.
2900 v. Chr.
PAPYRUS Auch »Papier« und »Karte« gehen auf altägyptische Wörter zurück. Per-aa war der altägyptische Vorläufer des griechischen Wortes für »Papyrus«. Es ist eine Zusammensetzung und bedeutet »Besitz des Pharao«, was die enorme praktische und wirtschaftliche Bedeutung des Beschreibmaterials unterstreicht, nicht zuletzt als begehrtes Exportgut in die gesamte Mittelmeerwelt. Alle antiken Schriftrollen waren auf Papyrus geschrieben, das man aus dem Stängelmark der Papyrusstaude gewann.
Per-aa war bei den Ägyptern nur das Wort für die Pflanze, nicht für das Schreibmaterial. Das uns unbekannte ägyptische Originalwort dafür nahmen die Griechen als chártos in ihren Wortschatz auf. Daraus wurde zum Beispiel im Deutschen »Karte« und in weiteren Abwandlungen: »Karton«, »Charta«, »chartern«, »Kartell« (eine Vereinbarung, die auf eine Karte geschrieben wird) oder »Skat«. Die erste Papyrusbeschriftung gab es schon am Anfang der ägyptischen Kultur. Wegen der Ähnlichkeit von Aussehen und Funktion ging das Wort »Papyrus« später auf das ganz anders (nämlich aus Hadern) hergestellte »Papier« über.
um 2900 v. Chr.
PHARAO In Ägyptens Frühzeit gab es im Niltal nur eine große Anzahl kleiner Stämme, die in den Jahrhunderten um das Jahr 3000 v. Chr. zu einem Reich zusammenwuchsen. Der Legende nach unter dem ebenso legendären Pharao Menes. Ihr König galt den Ägyptern als heilige Person, als Verkörperung von Gottheiten. Sein Name war tabu, auch ein Wort wie »König« durfte nicht ausgesprochen werden. Deswegen wich man auf einen unverfänglichen Namen aus: Altägyptisch per-o (»großes Haus«) meinte den Königspalast. Dessen Hauptbewohner war der: Pharao.
um 2600 v. Chr.
DIE ERSTE PYRAMIDE Erfinder des ägyptischen Pyramidenbaus ist der Arzt, Architekt, Universalgelehrte und Pharao-Berater Imhotep. Das verbürgen Inschriften auf der Stufenpyramide Sakkara, die Imhotep um 2650 v. Chr. für Pharao Djoser baute. Sakkara ist der erste Steinbau Altägyptens und etwas über 60 Meter hoch, gerade mal die Hälfte der Cheops-Pyramide. Djoser war der erste Pharao der 3. Dynastie, mit der die Phase des sogenannten Alten Reiches begann. Imhotep wurde in Ägypten nie vergessen und später sogar als Gott der Heilkunst verehrt. Die Erbauer der großen Pyramiden Snofru, Cheops, Chefren und Mykerinos gehören der nachfolgenden 4. Dynastie von etwa 2590 bis 2470 v. Chr. an.
Übrigens: Tempel bauten die Ägypter im Alten Reich noch nicht aus Stein, allenfalls kleine Kulthäuser aus Ziegeln, Lehm und Matten. Erst ab etwa 1550 v. Chr. entstanden steinerne Tempel für die Götter – allen voran die riesige Anlage für Amun in Karnak.
PYRAMIDENTEXTE – TOTENBÜCHER In Analogie zur »Nachtfahrt« der Sonne durch die Unterwelt und zum Wachsen und Vergehen des Mondes, was sich täglich und monatlich wiederholt, glaubten die alten Ägypter an eine Wiederauferstehung im Jenseits. Damit verbanden sie die Vorstellung von einem Totengericht: Das Herz, nach ägyptischer Vorstellung Sitz der Lebens- und Willenskraft, wurde auf einer Waage mit der Ma’at, dem Inbegriff der kosmischen Ordnung, abgewogen. Waren sie im Gleichgewicht, hatte der Mensch ein »gottgefälliges« Leben geführt. Dann konnte der Verstorbene in der Unterwelt in Gesellschaft der Götter verweilen und wurde selbst vergöttlicht. Die Ägypter stellten sich das Dasein im Jenseits wie ein angenehmes Leben im Diesseits vor, vermehrt um den Vorteil, dass man die Götter schauen konnte und um ihr Geheimnis wusste. Darauf bezogen sich die Zaubersprüche und Beschwörungsformeln an den Innenwänden der Grabkammern. Seit dem Neuen Reich wurden sie auch auf Papyrus geschrieben und den Mumien beigegeben; das sind die sogenannten Totenbücher. War das Leben verfehlt, durfte der Mensch nicht die erstrebte Unsterblichkeit erlangen, sondern verfiel der Auslöschung, der Verdammnis in qualvollen Höllenfeuern.