Kapitel 51

Sophie hatte Corrisande angezogen wie eine Puppe. Sie hatte ihr die Arme hochgehalten und ihr das Nachthemd übergestreift, erst einen Arm in den Ärmel gesteckt, dann den zweiten. Dann hatte sie das gestärkte Gewebe über den zarten Körper gezogen. Sie zwang sich, diesen genau zu mustern, erwartete fast irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung oder Andersartigkeit. Doch da war nichts. Corrisande sah sehr menschlich aus, schmal, jugendfrisch, grazil und unverletzt.

Jetzt saß sie neben ihr und hielt ihre Hand. Die junge Frau war zutiefst erschüttert, wurde von Weinkrämpfen geschüttelt, zitterte am ganzen Leib. Gesagt hatte sie noch nichts, nur geweint und geseufzt.

„Corrisande! Was ist denn los? Sind Sie verletzt?“

Das Weinen klang ab, wandelte sich in erschöpftes Greinen. Corrisande lag auf dem Bauch und hatte ihr Gesicht ins Kissen gedrückt.

„Corrisande! Nun seien Sie doch nicht so verzagt! Das kann nicht gut sein. Bitte fassen Sie sich!“

Ein Beben lief durch den Mädchenkörper. Cérise trat ans Bett.

„Corrisande, reißen Sie sich zusammen! Sie leben. Sie haben Udolf gerettet, und den Kerlen sind Sie auch entkommen. Was wollen Sie noch?“

„Philip!“ Die Antwort wurde in die Kissen gepreßt.

„Natürlich, und ich will Arpad, und jetzt machen Sie dem hysterischen Anfall ein Ende. Philip lebt und erfreut sich bester Gesundheit. Udolf hat ihn gesehen.“ Sie fügte nicht hinzu, daß er in einem Berg feststeckte, aus dem er nicht heraus konnte, Arpad auch, und daß es Leute gab, die ihn jagten.

„Sie verstehen nicht!“ flüsterte Corrisande verzagt. „Sie können es gar nicht verstehen.“

„Wir verstehen sie“, tröstete Frau Treynstern freundlich. „Das Wasser war kalt, dunkel und beängstigend, und Sie hätten jetzt gerne Ihren Ehemann bei sich. Natürlich verstehe ich das.“

Dünne Finger krallten sich ins Kissen, und das Gesicht sank noch tiefer in die Federn – falls das überhaupt möglich war. Das Weinen hörte auf, das Beben nicht.

„Hat er Ihnen wehgetan?“ fragte Cérise. „Wenn er Ihnen was getan hat, dann bekommt er es mit mir …“

„Nein“, antwortete sie. „Er hat mir nicht wehgetan. Er hat mir die Erinnerung genommen.“

„Von Görenczy hat Ihnen die Erinnerung genommen?“ Cérise klang überrascht.

Corrisande drehte sich langsam um und sah die Sängerin neben ihrem Bett ebenso überrascht an.

„Von Görenczy? Was ist mit ihm?“

„Sie haben ihn gerettet. Erinnern Sie sich nicht?“

Die zierliche Frau starrte sie lange an und riß sich dann mit sichtbarer Mühe zusammen. Sie schwang ihre Beine vom Bett und setzte sich auf. Sie zog ihr Nachthemd bis zu den Knöcheln, überprüfte, ob alle Knöpfe geschlossen waren, und wischte sich das Gesicht ab. Ihre Augen glitzerten, doch sie nahm sich zusammen.

„Ich erinnere mich“, sagte sie, „jetzt an alles. Ich wünschte, ich täte es nicht.“

„Wer hat Ihnen die Erinnerung genommen?“ fragte Sophie.

Corrisande schenkte ihr einen verlorenen Blick.

„War ich lange fort?“ fragte sie. „Es müssen Stunden gewesen sein.“

„Etwa eine Viertelstunde“, gab Cérise zurück. „Vielleicht etwas länger. Die Frau Wirtin hat diese Kerle auf eine falsche Fährte geschickt. Was für eine abstruse Angelegenheit! Ich werde sicher nicht mehr ohne Waffe ausgehen. Ich hätte meine Pistole dabeihaben sollen.“

„Was hätten Sie damit gemacht?“ fragte Frau Treynstern. „Sie hätten sie kaum alle erschießen können. Jedenfalls nicht besonders unauffällig.“

„Was wollten sie?“ fragte Corrisande und rieb sich das Gesicht mit einem Taschentuch ab.

„Sie suchten nach einem Feyon“, gab Cérise zurück. „Nach Ihnen wahrscheinlich. Von Görenczy sagt, sie jagen die Fey. Sie versuchen, Arpad zu fangen, und Delacroix will, daß Sie sofort nach Ischl zurückfahren und dort bleiben.“

„Er hat mit ihm geredet?“ Hoffnung erhellte ihr Gesicht.

„Ja. Er ist im Berg eingeschlossen, doch es ging ihm gut, als Udolf ihn verließ. Eventuell sollten Sie umkehren. Wenn sie wirklich Sí jagen …“

„Ich bin ein Mensch“, protestierte Corrisande. „Zumindest zum größten Teil.“

„Sie haben genug von einer Sí, daß diese Burschen Sie suchten – übrigens, Marie-Jeannette weiß sehr wohl, was Sie sind.“

Corrisande erhob sich und holte ihren Morgenmantel. Sie nickte beschämt.

„Ich möchte mich entschuldigen, daß ich mich so habe gehen lassen“, sagte sie und seufzte. Ihre Stimme war belegt vom Weinen. „Ich hätte mich nie so aufführen dürfen. Niemals. Doch Sie können sich nicht vorstellen … und ich kann es auch nicht sagen.“ Sie unterbrach sich. „Wir müssen reden. Man sagte mir, wir sollen uns morgen bei einem Schrein für drei Heilige einfinden, St. Barbara, St. Katharina und St. Margarethe. Man wird uns prüfen.“

„Wer?“ fragte Cérise, die sich auf ihrem Bett niedergelassen hatte und ein wenig ungehalten klang. Sie wurde nicht gerne geprüft. Bewundert zu werden lag ihr mehr.

„Ich weiß nicht. Sie sagte, sie würde unsere Tapferkeit und die Kraft unserer Liebe prüfen und daß wir den Test besser bestehen sollten. Viel mehr hat sie nicht gesagt, nur daß schreckliche Dinge in dem Berg vorgehen und es unsere Aufgabe ist, sie zu beenden. Sie sagte, sie würde …“ Corrisande schluckte, als ob ihr das nächste Wort Schwierigkeiten bereitete, „…Philip helfen, wenn wir ihm helfen.“

„Wer ist sie?“ fragte Sophie.

„Sie ließ sich von mir Mutter nennen. Sie klang auch wie eine Mutter, eine strenge, aber gütige Mutter.“

„Wie sah sie aus?“

„Ich habe sie nicht gesehen, nur ihre Stimme gehört. Sie war sehr überzeugend.“

„Warum sollten wir tun, was sie sagt?“ unterbrach Cérise. „Eine Stimme im Wasser. Liebe Corrisande, Sie waren nicht einmal bei Bewußtsein, als wir sie mit von Görenczy am See fanden, und wo wir schon dabei sind: Was um Himmels Willen hat Sie dazu gebracht, ihr Badekostüm auszuziehen? War es diese ‚Mutter‘?“

Schweigen legte sich über die Anwesenden, und Corrisande begann wieder zu zittern. Sie starrte zu Boden, ihre Lippen waren zusammengepreßt, ihr Atem ging in vorsichtigen Zügen, die verrieten, daß sie um ihre Fassung rang.

Einen Moment lang sagte keiner etwas. Dann schaltete sich Sophie ein.

„Es geht mich nichts an, und der Anstand sollte mir verbieten nachzufragen, aber im Hinblick auf das, was hier geschieht, werde ich meine Hemmungen über Bord werfen. Was ist im See geschehen? Die Stimme einer Mutter, die Hilfe verspricht, kann Sie nicht so verwirrt haben!“

Corrisande saß verkrampft und aufrecht da, das Kinn abwehrend hochgereckt, ihre Augen geschlossen. Sie schwieg.

„Außerdem – wer hat Ihnen die Erinnerung genommen? Welche Erinnerung?“ fragte Sophie stur weiter.

Langsam öffnete Corrisande die Augen. Eine Träne entschlüpfte ihrer Contenance. Ihr Blick ging zur gegenüberliegenden Wand.

„Alles. Er hat mich alles vergessen lassen. Wer ich bin und wen ich liebe, meinen Namen und den Philips, meine Vergangenheit, meinen Anstand, die Tatsache, daß ich ein Mensch bin und keine Nereide. Er hatte mein Gedächtnis leergewischt, und ich habe alles verloren. Ein Zustand vollkommenen Vergessens. Meinen Verstand zu verlieren war qualvoll. Ihn wiederzuerlangen war unerträglich.“

Keine der Frauen sprach. Sie versuchten beide, dem Gesagten einen Sinn zu entnehmen.

„Sind Sie einem Feyon begegnet?“ fragte Sophie schließlich.

Corrisande nickte errötend.

„Sah er gut aus?“ fragte Cérise mit einem seltsamen Lächeln.

Corrisande zögerte, dann wandte sie sich der Sängerin zu und blickte ihr in die Augen.

„Er sah sehr gut aus. Er hätte Ihnen gefallen. Er hat mich an Arpad erinnert. Attraktiv, anziehend, Herr seines Reiches, und ich war in seinem Reich.“

„Hat er Zauber gegen Sie gewirkt?“ fragte Sophie. „Hat er Ihr Bewußtsein vernebelt und Sie vergessen lassen?“

„Hat er Ihnen Ihre Hemmungen gestohlen?“ fragte Cérise. „Ich weiß, wie das ist.“

„Ich auch“, sagte Frau Treynstern. „Doch er hat wohl mehr getan als das. Das ist unverzeihlich.“

„Unverzeihlich, ich weiß“, sagte Corrisande und vergrub ihr Gesicht in den Händen. „Er wird mir nie verzeihen. Er wird mich nicht mehr lieben, und ich kann es nicht ertragen, seine Liebe zu verlieren. Er wird mich für diese Treulosigkeit aus seinem Leben entfernen, wie er auch Sie …“ Sie beendete ihren Satz nicht, hörte jedoch die Sängerin, die eben begriff, wer „er“ war, wütend zischen.

Wieder wurde es still. Dann sprach Sophie wieder.

„Das habe ich nicht gemeint. Ich weiß nicht, was Sie getan haben, Kind, aber was immer es war, die Kreatur hat Ihnen offenbar keine Wahl gelassen.“

„Ich hätte mich wehren müssen. Ich habe es versucht. Ich habe es so sehr versucht, großer Gott. Aber von mir war nichts übrig.“

Ein säuerliches Lächeln glitt über das Gesicht der Sängerin.

„Sie haben sich also mit einem anziehenden Feyon auf ein Techtelmechtel eingelassen – in den tiefen, tiefen Wassern des Grundlsees. Wie unterhaltsam. Ich dachte, man könnte Sie nicht bezaubern? Ich meine mich zu erinnern, daß Arpads Versuch, Ihren Sinn zu manipulieren, bei Ihnen Migräne ausgelöst hat. Von dem, was ich mir zusammenreime, hatten Sie wohl bei diesem Zusammentreffen gerade keine.“

„Mademoiselle Denglot!“ fuhr Frau Treynstern ärgerlich auf. „Sie mögen die Situation ja witzig finden, doch ich bin ziemlich sicher, daß Mrs. Fairchild Ihren Humor nicht teilt.“

„War es schön?“ fragte Cérise süßlich.

Corrisande errötete bis an die Haarwurzeln. Dann sprach sie: „Was habe ich Ihnen nur getan, daß Sie mich so verhöhnen? Was ich tat, hat mich alles gekostet, was mir in meinem Leben lieb und teuer ist. Was ist daran so belustigend? Wenn Sie unter Wasser atmen könnten, so wie ich, dann wüßten Sie Iascyns Aufmerksamkeiten wohl zu schätzen. Da bin ich sicher. Er ist ein prächtiges Wesen – in jeder Hinsicht –, und sein Reich ist von überwältigender Schönheit. Doch ich habe in meinem ganzen Leben nur einen Mann geliebt und gewollt. Was ich getan habe, zerreißt mir die Seele, auch wenn es nicht bewußt und mit Absicht geschah. Es zerreißt mir das Herz, daß der Mann, den ich liebe, sich von mir abwenden und aus meinem Leben gehen wird. Sie kennen Philip. Wie viel Nachsicht trauen Sie ihm bei einer solchen Entgleisung zu?“

Cérise antwortete nicht.

„Morgen werden wir zu diesem Schrein gehen und die Prüfung unserer Liebe bestehen müssen, und ich kann nur hoffen, daß Sie Ihren Arpad mit der gleichen Intensität lieben wie ich meinen Philip, und wenn Sie es nicht tun, werde ich allein weitergehen. Ich will, daß Philip in Sicherheit ist. Wenigstens das möchte ich erreichen. Auch wenn es das Letzte ist, was ich für ihn tun kann.“

Schweigen senkte sich über die Gruppe. Corrisande war nicht klar, warum sie plötzlich über das Geschehene geredet hatte. Sie hatte es nicht vorgehabt. Ihre Schmach hätte sie lieber für sich behalten.

Sophie hatte es die Sprache verschlagen. Sie setze sich auf den einzigen Stuhl im Zimmer und saß dort reglos, die Hände ordentlich gefaltet, ihr Gesicht neutral.

Cérise stand auf und ging zu Corrisande. Groll lag auf ihren Zügen, doch auch ein Hauch von Mitgefühl.

„Nun, das klingt ja alles sehr dramatisch, und ich will Ihnen gerne glauben, daß Sie tatsächlich nie einen anderen Mann wollten als Delacroix. Ein wenig kann ich das sogar verstehen. Wirklich. Er füllt einem die Seele bis zum Rand mit seiner ungeheuren Intensität – von seinen körperlichen Vorzügen ganz abgesehen. Aber Sie wären eine Närrin, ihm von Ihrem Abenteuer zu erzählen. Er wird glücklicher sein, wenn er es nicht weiß. Also tun Sie ihm den Gefallen und verschonen sie ihn mit einer theatralischen Beichte. Es ist ja nicht Ihre Schuld. Männer stellen uns Frauen auf Säulenpodeste und erwarten, daß wir von diesen nur nicht hinunterstürzen, und wenn wir dann doch auf dem Boden aufkommen, weil wir stolpern oder fallen – oder gegen unseren Willen gestoßen werden –, dann machen sie uns verantwortlich für ihre eigene Fehlsicht der Welt. Vergessen Sie, was passiert ist! Es ist nicht passiert. Ein Wassertraum, mehr nicht. Sie haben niemanden hintergangen, und es gibt auch keinen Grund, warum Sie darunter leiden sollten, daß Männer immer glauben, das ganze Universum drehe sich nur um sie. Tut mir leid, wenn ich hart klinge. Ich habe nichts gegen Männer. Mitnichten. Aber ich behalte immer im Auge, was sie wirklich sind, und die meisten sind berechnend, gierig, besitzergreifend und rachsüchtig, wenn sie sich gekränkt fühlen. Sie suchen fleischliche Befriedigung, wo immer sie sie finden, doch sie erwarten von uns Frauen – ganz besonders in Ihrem Land –, daß wir unantastbar sind wie Heilige, geradeso als empfänden wir nicht die gleiche Leidenschaft wie sie. Vielleicht würde Ihr starker Held ja sogar begreifen, daß es nicht Ihre Schuld war. Manchmal hatte er ja durchaus lichte Momente. Doch ich würde nicht drauf wetten. Sagen Sie es ihm nicht. Ich werde es ihm auch nicht sagen, und Frau Treynstern sicher auch nicht, und sollte von Görenczy auch nur andeuten, daß er Sie jemals anders als perfekt gekleidet gesehen hat, schieße ich ihm eigenhändig eine Kugel in den Kopf, und das werde ich ihm auch noch mitteilen.“

Die beiden Frauen starrten einander zornig an.

„Ich kann Geheimnisse für mich behalten, Cérise, und niemand kann behaupten, ich sei keine erfahrene und gewiefte Lügnerin. Doch unsere Liebe ist auf Ehrlichkeit gegründet. Ich kann ihn nicht belügen, denn das wäre ein Vertrauensbruch, der genauso schlimm wäre wie – andere Dinge. Ich weiß ja nicht, wie Sie es mit der Wahrheit gegenüber Graf Arpad halten …“

„Ich lüge ihn nicht an!“ fuhr Cérise ärgerlich auf, und Frau Treynstern fügte sanft hinzu: „Sie könnten ihn gar nicht anlügen. Er wittert Unwahrheit. Sein Wahrnehmungsvermögen ist außergewöhnlich.“

„Philips auch“, sagte Corrisande. „Er würde merken, wenn ich lüge.“

„Nein, würde er nicht“, widersprach Cérise eindringlich. „Er käme gar nicht auf den Gedanken zu fragen, und so müßten Sie auch nichts sagen. Sagen Sie nichts. Es ist unwahrscheinlich, daß er plötzlich fragt: ‚Oh übrigens, als du am Grundlsee warst, hattest du da ein amouröses Abenteuer auf dem Seegrund?‘ oder was immer es war. Wenn Sie nicht für sich schweigen können, dann tun Sie es für ihn. Er braucht seinen Stolz.“

„Glauben Sie, das wüßte ich nicht?“

„Sie wollen doch nicht, daß er loszieht und mit einem Feyon kämpft – in einem verdammten See! Er würde ersaufen. Als der sture, stolze Vollidiot, der er nun mal ist, würde er trotzdem nicht auf den Kampf verzichten. Er würde seinen dämlichen Kalteisendolch nehmen, mit dem Boot auf den See hinausrudern und dort Ihren amant formidable herausfordern. Haben Sie daran gedacht? Was würde Ihr in jedem Sinn des Wortes schöner Wassermann mit einem Menschen machen, der ihn in seinem eigenen Reich herausfordert?“

„Ich weiß nicht“, flüsterte Corrisande.

„Doch. Sie wissen es genau. Delacroix wäre in weniger als einer Minute tot. Wollen Sie das?“

Frau Treynstern unterbrach: „Mademoiselle Denglot, das reicht jetzt. Sie haben alles Erforderliche gesagt. Mrs. Fairchild ist durcheinander und verängstigt. Lassen Sie ihr Zeit. Was immer geschehen ist, sollte unsere Pläne nicht beeinflussen. Wenn Corrisande übersinnliche Hilfe für uns rekrutieren konnte, um so besser. Wir sind gekommen, um drei Männer zu retten. Anscheinend werden es nun noch mehr. Wir sollten noch einmal mit Herrn Grossauer sprechen und herausfinden, was er weiß.“

„Er wird versuchen, uns zum Abreisen zu überreden“, gab Cérise zurück.

„Natürlich. Er ist ein Offizier und Gentleman. Der Gedanke, drei Damen könnten sich in Gefahr begeben, muß ihm widerwärtig sein. Es ist seine Pflicht, uns zur Umkehr zu überreden, und unsere, seinem Wunsch nicht nachzugeben. Wenn Corrisande Recht hat, haben wir morgen ein Treffen – mit einem Feyon oder mit drei Heiligen.“

„Margarethe, Katharina und Barbara“, murmelte Corrisande. „Ich bin nicht katholisch. Ich glaube nicht an Heilige.“

„Das macht nichts“, entgegnete Sophie. „Die meisten Menschen glauben auch nicht an die Sí. Wir werden jeden Beistand nehmen, die wir erhalten können.“

Es klopfte, und die Damen überprüften ihr Aussehen. Corrisande sah an ihrem eleganten Morgenmantel herunter, der fast wie ein Kleid wirkte. Ihre Zehen waren unter dem Saum sichtbar, und sie zog ihre Decke über sich und bedeckte Beine und Füße. Als sie wieder aufblickte, wurden ihre Augen weit vor Staunen. Cérise überprüfte ihre Pistole und bedeutete Sophie, zur Tür zu gehen.

Anscheinend war sie bereit und willens, auf jeden zu feuern, der nicht willkommen war. Corrisande schalt sich dafür, daß sie nicht ihre Messer griffbereit hatte. Doch dazu war es zu spät. Sophie öffnete die Tür.