Bordspaziergänge

Wenn Sie Ihre Reisehöhe erreicht haben, hat der Pilot wahrscheinlich das »Bitte anschnallen«-Signal ausgeschaltet, so dass Sie in der Kabine herumlaufen können. Bei Langstreckenflügen ist es ratsam, dies in regelmäßigen Abständen zu tun, um die Gefahr einer tiefen Venenthrombose zu verringern (siehe unten). Allerdings können die Möglichkeiten für den Spaziergang durch die Kabinencrew eingeschränkt werden, die mit Verpflegungs- und Verkaufswagen durch die Gänge geht. Doch machen Sie sich trotzdem auf den Weg, zum einen Ihrer Gesundheit zuliebe und zum anderen, um ein paar Dinge im Flugzeug anzusehen.


Experiment, das UNDURCHFÜHRBAR ist – Tor zur Katastrophe

Wenn Sie durch das Flugzeug laufen, ist es gut möglich, dass Sie vor einer der Türen zum Stehen kommen. Der Türgriff übt eine schaurig-schöne Faszination aus. Schließlich ist er das Einzige, was sich zwischen Ihnen und dem Draußen befindet. Da fällt es schwer, nicht zu denken: »Was passiert, wenn ich die Tür aufmache?«

Manche Leute glauben, die Türen würden ähnlich wie bei Zügen vor dem Start verriegelt. Oft hört man – wie immer auf Englisch – ein Kommando wie »Alle Türen in Flugposition«. Gelegentlich folgt ein »Gegenchecken« oder so ähnlich. Das klingt, als würden die Türen verriegelt. Tatsächlich bezieht sich die Anweisung aber darauf, dass die aufblasbaren Notrutschen auf Automatik geschaltet werden, so dass sie sofort herausfallen, wenn die Tür geöffnet wird. (Das Gegenchecken bedeutet nur, nach dem Vieraugenprinzip zu schauen, ob die gegenüberliegende Tür gleichfalls richtig geschaltet ist.) Eigentlich weiß niemand genau, warum das nicht einfach zentral kontrolliert wird.

Tatsächlich müssen Flugzeugtüren nicht verriegelt werden. Wenn Sie beobachten, wie eine Tür geöffnet wird, werden Sie feststellen, dass dies einen ungewöhnlichen Schwung erfordert. Die Tür muss erst nach innen gezogen werden, ehe man sie nach außen und aus dem Weg schieben kann. Nachdem das Flugzeug gestartet ist, entsteht bald ein signifikanter Druckunterschied zwischen innen und außen, weil der Kabinendruck höher ist als der schnell fallende Außendruck. Dieser Unterschied drückt die Tür in ihre Position. Um sie zu öffnen, müsste man gegen den Luftdruck angehen, und das ist weit jenseits des Vermögens menschlicher Muskeln.

Trotzdem ist es sehr wichtig, dass Sie das nicht ausprobieren. Zum einen wäre es sehr peinlich für mich, wenn ich nicht recht behalten sollte und Sie bekommen die Tür doch auf. Zum anderen und vor allem gilt das Herumfummeln am Türgriff – wie der Versuch, ein Fenster zu zertrümmern – als gefährlicher Akt. Die Crew würde Sie festsetzen, wahrscheinlich unter Zuhilfenahme von Kunststoffhandschellen nach dem Kabelbinderprinzip, und per Funk die Polizei informieren, so dass Sie direkt nach der Landung verhaftet würden. Lassen Sie es nicht darauf ankommen.


Selbst wenn die Servierwagen die Gänge nicht blockieren, hindert Sie oft genug das erneute Aufleuchten der »Bitte anschnallen«-Zeichen am weiteren Herumlaufen. Sie werden gebeten, sich wieder hinzusetzen, denn es warten Turbulenzen auf Sie – die Antwort der Luftfahrtindustrie auf die Freizeitparks und ihre Achterbahnen.

Warum Tee im Flugzeug nicht schmeckt und Wolken nicht vom Himmel fallen: Eine Flugreise in die Welt des Wissens
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