Wasser, Wasser, nichts als Wasser
Wenn Sie eine weite Strecke fliegen, befinden Sie sich wahrscheinlich längere Zeit über dem Wasser. Gut 70 Prozent – mehr als zwei Drittel – der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Aus dem Weltall betrachtet ist der kennzeichnende Bestandteil unseres Planeten Wasser. Unsere Welt ist blau. Rund 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser gibt es auf der Erde. Das ist so eine ungeheure Menge, dass man sich kaum einen Begriff davon machen kann. Allein ein Kubikkilometer (stellen Sie sich einen Würfel vor, bei dem jede Seite einen Kilometer misst) enthält 1000000000000 Liter Wasser.
Wieso haben wir dann Wassermangel? Warum gibt es in großen Teilen Afrikas Missernten, weil Wasser fehlt? Teilt man die Wassermenge durch die Zahl der Weltbevölkerung, kommt man auf 212100000000 Liter pro Kopf.
Schichtete man die in Ein-Liter-Behältern übereinander, wäre der Stapel rund 10 Millionen Kilometer hoch – das Sechsundzwanzigfache der Entfernung zum Mond. Bei einem vernünftig erscheinenden Verbrauch von 5 Litern pro Kopf und Tag würde das Wasser auf der Erde 116219178 Jahre reichen – und das, wenn wir Wasser durch Konsum dem Kreislauf entziehen. In Wahrheit steht viel von dem Wasser, das wir »verbrauchen«, schon bald wieder für den künftigen Gebrauch zur Verfügung.
Die Dinge sind natürlich wesentlich komplizierter, als dieses einfache Bild vermuten lässt. Tatsächlich beschränken wir uns nicht auf 5 Liter pro Tag. Der typische westliche Konsument verbraucht zwischen 5000 und 10000 Litern. Einiges davon benutzt er zum Baden, zum Rasensprengen oder für die Toilettenspülung – aber die weitaus größte Menge wird für unsere Konsumgüter benötigt. Weitaus mehr Wasser als für den persönlichen Gebrauch wird zur Herstellung unserer Produkte und Nahrungsmittel eingesetzt. Allein die Produktion des Fleisches für einen Hamburger kann 3000 Liter verbrauchen, während für ein Kilogramm Kaffee sogar 20000 Liter nötig sind.
Doch selbst bei 10000 Litern pro Kopf und Tag haben wir genug Wasser für 57000 Jahre, ohne dass wir wieder Wasser dem Kreislauf zuführen. Woher kommt dann die Krise? Auch wenn es so viel Wasser gibt – das meiste steht nicht einfach zur Verfügung. Manches ist in Eis oder im Boden gebunden, doch die weitaus größte Menge – rund 97 Prozent des Wassers auf unserem Planeten – befindet sich im Meer, jener Form, von der Sie wahrscheinlich während Ihres Fluges am meisten sehen.
Dieses Wasser ist nicht sonderlich schwer erreichbar, insbesondere für ein Land, das ans Meer grenzt, aber seine Nutzung ist teuer. Die Tatsache, dass ein Inselstaat wie Großbritannien bereit ist, riesige Summen für Staubecken auszugeben, in denen eine relativ geringe Menge Süßwasser gespeichert wird, statt auf die Unmengen Meerwasser rundum zurückzugreifen, zeigt, wie teuer der Entsalzungsprozess ist, mit dem aus Meerwasser trinkbares Süßwasser gewonnen werden kann. Der Wassermangel ist in Wirklichkeit ein Energiemangel. Wenn wir genügend wirklich billige Energie hätten, könnten wir so viel Wasser, wie wir wollten, an die richtigen Stellen transportieren und Verunreinigungen wie Salz problemlos entfernen.
Wenn Sie über einen Ozean wie den Atlantik oder den Pazifik fliegen, wird es nur allzu augenfällig, wie viel Wasser auf der Erde vorhanden ist. Während Sie Stunde um Stunde mit mehr als 800 km/h fliegen, sehen Sie nichts als Meer. Doch dabei handelt es sich ganz und gar nicht um eine gleichförmige Wasserfläche. Selbst von der Reisehöhe eines Flugzeugs aus können Sie die weißen Kämme brechender Wellen und meist auch ganz unterschiedliche Farben erkennen, die vom leuchtenden Blau über Grüntöne bis hin zu Grau und sogar Gelb reichen. Die Ozeane mögen riesig sein, aber eintönige, langweilige Wasserflächen sind sie nicht.