68.
Nach zwei Stunden wurde die Suche abgebrochen.
Mehr als zwanzig Fahrzeuge und hundert Soldaten durchkämmten den Flughafen. Alle in dieser Zeit angesetzten Flüge wurden verschoben und die Passagierlisten gründlich überprüft. Eine Personenbeschreibung von Haq wurde an die Flughafenpolizei übermittelt und an jeden diensthabenden Beamten weitergeleitet. Jeder Hangar wurde durchsucht. Aber nirgends fand sich eine Spur von Sultan Haq, dem Jeep oder der Bombe. Alle Indizien sprachen dafür, dass er im Flammenmeer des Hangars ums Leben gekommen war und seine zu Asche verkohlten Überreste zusammen mit der Bombe irgendwo unter dem tonnenschweren Wellblechdach begraben lagen. Im Laufe der Zeit würde man sie dort finden, davon war Oberst Pascha felsenfest überzeugt. Bis dahin war das Gebiet um den noch immer schwelenden Brand im Hangar zur Sperrzone erklärt worden. Um acht Uhr morgens sollte mit den Aufräumarbeiten begonnen werden.
»Wir dürfen die Suche noch nicht abbrechen«, sagte Jonathan, als er zusammen mit Danni und Major Nichols wieder an der Sammelstelle ankam, von der aus sie die Suche begonnen hatten. »Haq sitzt wahrscheinlich in einem der Flugzeuge. Wir müssen alle Passagiere aus den startklaren Flugzeugen holen.«
»Dazu habe ich nicht die Befugnis«, erwiderte Major Nichols. »Für eine solche Maßnahme ist die zivile Flughafenverwaltung zuständig. Oberst Pascha ist nach wie vor der Meinung, dass niemand den Hangar durch den Hinterausgang verlassen hat. Vielleicht hatte er doch recht.«
»Ich habe Haq gesehen«, wiederholte Jonathan.
»Das war eine Extremsituation. Sie sind nur knapp mit dem Leben davongekommen, Sie waren verletzt und bluteten … Vielleicht war es gar nicht Haq, den Sie gesehen haben. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass jemand in so einer Situation sich getäuscht hat.«
»Verflucht noch mal«, schimpfte Jonathan. »Können oder wollen Sie mich nicht verstehen?«
»Ich verstehe Sie sehr wohl«, entgegnete Nichols. »Einen Flughafen zu durchsuchen ist alles andere als ein Kinderspiel. Hier gibt es unendlich viele Orte, an denen er mit der Bombe untergetaucht sein könnte. Bislang haben wir keine Spur von Haq oder dem Jeep finden können. Das ist natürlich kein optimales Ergebnis, aber mehr können wir heute nun einmal nicht tun.«
»Haq lebt und hat eine Atombombe bei sich, die er um jeden Preis auch einsetzen wird. Wir können jetzt nicht einfach so aufgeben. Irgendetwas müssen wir doch tun können.«
Nichols kletterte aus dem Humvee. »Um ehrlich zu sein, Ransom, ich weiß nicht, ob ich Ihnen glauben soll oder nicht. Doch für den Augenblick haben wir alles Menschenmögliche getan. Wenn Sie damit nicht zufrieden sind, wenden Sie sich an Ihre Vorgesetzten in Langley oder wer auch immer Sie hierher geschickt hat. Aber vorher werden Sie mich erst einmal begleiten. Ich habe den Befehl, Sie den zuständigen Behörden zu übergeben.«
Jonathan folgte Major Nichols auf dem Fuß. »Sie sind der Einzige hier, an den ich mich wenden kann …«
»Genug jetzt«, unterbrach ihn Nichols und fuhr herum, um Jonathan direkt ins Gesicht zu blicken. »Also, hat einer von Ihnen beiden vor, mir das Leben schwerzumachen?«
»Nein, Major Nichols, wir werden Ihnen keine Schwierigkeiten machen«, sagte Danni und schob sich zwischen die beiden Männer. »Wir sind Ihnen sehr dankbar für alles, was Sie für uns getan haben. Sie haben getan, was in Ihrer Macht stand, um Haq zu finden. Nicht jeder hätte uns so bereitwillig geglaubt wie Sie. Es war für uns alle ein harter Tag.«
»Ganz recht, Mrs. Pine, es war ein harter Tag.«
Danni lächelte ihm verständnisvoll zu. »Haben Sie eine Ahnung, wo man uns hinbringen wird?«
»Zur Botschaft. Das hier ist eine Geheimdienstangelegenheit, die Ihr Agenten unter Euch ausmachen müsst.«