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Mittwoch, 23. 7., ca. 6.00 Uhr
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, den 23.
Juli, schlief David schlecht, wie so oft. Die ständigen
Nachtdienste hatten seinen Organismus durcheinander gebracht, was
zur Folge hatte, dass er immer müde war, ohne sich je richtig
erholen zu können. Aber das war diesmal nicht der einzige Grund,
weshalb er sich stundenlang wie im Fieber herumwälzte, bis ihn
Sandy auf die unbequeme Wohnzimmercouch verbannte, wo er sich
Stunde um Stunde durch die verschiedenen Nachrichten- und
Musikkanäle zappte.
Als es schließlich hell wurde, fiel er dann doch in
einen unruhigen Schlaf. Er träumte von einem Mädchen mit dunklen,
lockigen Haaren. Sie ging vor ihm her, ihre Mähne fiel ihr weit den
Rücken hinab und leuchtete im unwirklich hellen Sonnenschein. David
fühlte sich, als wäre er auf einem verblichenen Foto gefangen, aber
er war nicht gefangen, denn er konnte sich bewegen, er lief hinter
dem Mädchen her. Er streckte die Hand aus, um sie zu berühren, aber
so nah er ihr auch kam, es gelang ihm nicht. Es war, als sei sie
umgeben von einer unsichtbaren Schutzschicht, die er nicht
durchdringen konnte. Vielleicht wollte er es auch gar nicht.
Dieser Gedanke ließ ihn mitten im Traum innehalten:
Vielleicht war es richtig so. Er blieb stehen, und das Mädchen
entfernte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit von ihm, als hätte
sie Siebenmeilenstiefel an den Füßen. Er sah ihr nach und wusste
plötzlich, wer sie war. Eine starke Erregung erfasste seinen
Körper, das Verlangen begann ihn zu schütteln, er glaubte, nicht
mehr weiterleben zu können, wenn er sie nicht sofort haben konnte.
Aber sie war verschwunden, außerhalb seiner Reichweite. Er rief
ihren Namen, aber er hatte seine Stimme verloren.
Danae. Er wachte auf, mit dem Namen auf seinen
Lippen. Die Morgensonne schien hell in den Raum, seine Erektion
erinnerte ihn auf fatale Weise an seinen Traum, der nicht sein
konnte, nicht sein durfte.