28

Trayne, dessen Augen jünger waren als die von Falcon – und wahrscheinlich erst in jüngerer Zeit ein neues Upgrade verpasst bekommen hatten –, erspähte die Medusen als Erster auf einem Weitwinkel-Bildschirm. »Da!« Aufgeregt zeigte er hin, zuckte dabei aber zusammen, als sein Arm sich hob und mit surrenden Servomotoren gegen die Schwerkraft ankämpfte.

Falcon schaute genauer hin. Vor der braunen Tünche von Jupiters tieferen Wolkenschichten sah er eine gekrümmte Linie blasser, ovaler Gebilde, wie eine fliegende Perlenkette. Die Sonne ging nach einem weiteren kurzen Jupitertag unter, und die Perlen warfen lange Schatten. Medusen, kein Zweifel.

Aber sie waren nicht allein. Lichtfunken schwirrten wie Glühwürmchen um sie herum, hell im schwindenden Licht. Sie waren nichts Natürliches; für Falcon sahen sie wie Fusionsfackelschiffe aus. Und am vorderen Ende der Linie machte er ein dunkleres Knäuel aus, eine schwebende Fabrik, die von einem dichten Wald von Ballons getragen wurde.

»Was zum Teufel sehen wir da?«

Trayne starrte nach vorn. »Das sind doch Medusen, oder? Welche ist Ceto?«

Falcon warf einen Blick auf einen Scanner; mittlerweile war Ceto anhand ihres charakteristischen Radiosignals präzise angepeilt worden. »Die dritte in der Schlange – die dritte von diesem schwebenden Komplex aus.« Er funkelte Trayne an. »Sie waren ja ungeheuer scharf darauf hierherzukommen. War das mehr als reine Neugier? Wissen Sie etwas darüber?«

Trayne erwiderte trotzig seinen Blick. »Ich … bin nicht sicher. Das ist die Wahrheit.«

Nach einem kurzen Moment wandte Falcon sich ab. »Okay. Für den Augenblick akzeptiere ich das. Also finden wir’s selber heraus.« Er zeigte auf den Bildschirm. »So verhalten sich Medusen in freier Wildbahn nicht. Wenn man ein Beutetier ist, reiht man sich nicht hintereinander auf und wartet darauf, dass man herausgepickt wird. Man drängt sich in drei Dimensionen zusammen, denn in diesem Ozean kann ein Angriff aus jeder Richtung kommen. Zweitens sind wir weit von ihren üblichen Nahrungs- und Fortpflanzungsgründen entfernt …«

An der Flanke einer Meduse in der Schlange blitzte ein Licht auf. Es sah wie eine Fusionsflamme aus – blendend hell, trotz der Filter des Bildschirms.

»Und was war das? Es sah aus, als hätten sie eine Meduse absichtlich mit einem Plasmastrahl verbrannt.«

Jetzt war ein Geräusch zu hören, ein tiefes Trommeln, eher wie lauter einzelne Schläge, die den Rumpf erzittern ließen.

Trayne sah Falcon erschrocken an. »Irgendeine Funktionsstörung? Ein Unwetter?«

»Nein. Warten Sie ab und hören Sie zu.«

Das Getrommel wurde immer schneller, bis die einzelnen Schläge schließlich zu einem tiefen Lärmteppich verschmolzen, der an Lautstärke zunahm, ohne dabei jedoch in der Tonhöhe anzusteigen, bis er zu so etwas wie einem hämmernden Brüllen wurde, das Trayne zwang, sich die Ohren zuzuhalten – bevor es mit brutaler Plötzlichkeit abbrach.

Die Gondel schien zu klappern. Trayne ließ vorsichtig die Hände sinken.

»Das war eine Meduse. Können Sie sich vorstellen, dass die Akustiker das als ›Zirpen‹ bezeichnen? Entschuldigung, ich hätte Sie warnen sollen. Das war der Schmerzensschrei einer Meduse.«

Plötzlich ertönte ein Alarm, ein weiteres nervtötendes Geräusch. Falcon schaltete ihn mit geballter Faust aus. »Und das war ein Annäherungsalarm. Ein anderes Fahrzeug kommt auf uns zu.«

Trayne überprüfte die Sensoren. »Es hat uns schon erreicht, es hält Schritt mit uns.« Zum ersten Mal, seit sie Amalthea verlassen hatten, sah er so aus, als hätte er Angst.

Ein Kommunikationsbildschirm füllte sich mit einem menschlichen Gesicht, eine streng dreinblickende ältere Frau. »Ich bin Bürgerin Zweiten Grades Nicola Pandit. Ich habe mich in Ihre Systeme eingeklinkt und besitze die Fähigkeit, Ihnen die Kontrolle über Ihr Schiff zu entziehen.«

Eine Marsianerin also. Falcon war wütend. Er drehte sich zu seinen Konsolen um, schaltete rasch jede Kamera und jeden Sensor, den er besaß, auf Aufzeichnung und initiierte einen Upload-Datenstrom nach Amalthea und Ganymed. Sie sollten das alles sehen.

Dann donnerte er: »Wer hat Ihnen die Befugnis erteilt, sich mir in den Weg zu stellen? Dies ist die Ra, ein Forschungsfahrzeug, das beim Brenner-Institut und beim Sekretariat für die Erschließung des Weltraums, Amt für Planetenforschung, registriert ist. Und mein Name ist Howard Falcon. Sie wollen mir die Kontrolle über mein Schiff entziehen? Das möchte ich sehen.«

»Sie werden sich der Anlage nicht weiter nähern. Sie werden umkehren, Howard Falcon, und zu Ihrem Standort im Rahmen der Orpheus-Mission zurückkehren …«

»Einen Teufel werde ich. Erst will ich wissen …«

»Ratsherrin Pandit?« Trayne bückte sich, um sie besser sehen zu können. »Sind Sie das? Was machen Sie hier?«

»Ach du grüne Neune. Kennt ihr verdammten Marsianer euch alle persönlich?«

Pandit schürzte die Lippen. »Bürger Dritten Grades Springer, es ist besser, wenn Sie nicht involviert sind.«

»Ich bin bereits involviert, Ratsherrin.«

»Dann werden auch Sie die Folgen aller Handlungen Howard Falcons zu tragen haben.«

»Das ist mein Kampf«, sagte Falcon. »Meine Welt. Sie brauchen das nicht zu tun, Trayne.«

»Ich glaube doch«, sagte Trayne beinahe traurig.

»Ich sage es noch einmal, Howard Falcon«, blaffte Pandit. »Kehren Sie um. Wenn nicht …«

»Was dann? Was wollen Sie machen? Bürgerin, ich habe schon Schleifen um die Jupiterwolken gedreht, bevor Ihr Großpapa auf eine Sträflingsschute verfrachtet und nach Port Lowell gebracht wurde. Versuchen Sie doch, mich zu kriegen; ich werde mir ansehen, was Sie hier treiben.«

Er bediente seine Steuerelemente, und die Gondel schoss mit erneuter Beschleunigung nach vorn.

»Commander Falcon …!«

Falcon tippte auf eine Konsole, um Pandits zornige Stimme zum Schweigen zu bringen.

Trayne sah ihn verwundert an. »Man hat noch nie Sträflinge nach Port Lowell geschickt, Commander, das wissen Sie doch.«

»Ich wollte der Frau keine Geschichtslektion erteilen, sondern sie beleidigen. Okay – wir nähern uns diesem Komplex. Da summen noch mehr Schiffe um uns herum, aber sie können uns nichts anhaben, nicht aus dieser Nähe. Ein Raketenangriff auf unser Fusor-Aggregat würde eine Detonation auslösen, bei der die Hälfte dieser Anlage mit draufgehen würde. Also, mal sehen, was hier wirklich vorgeht …«

Er stoppte die Ra abrupt, aktivierte Korrekturtriebwerke, um ihre Position zu halten, und schaltete die Hülle auf ihre pseudo-transparente Einstellung.

Und dann schauten sie Seite an Seite auf ein Horrorszenario hinunter.

Die Medusen wurden in eine lange Schlange bugsiert, die sich durch die Luft erstreckte. Die Meduse an der Spitze, selbst zwei Kilometer breit, hing vor einem Käfig mit klaffend offenen Maul, der noch größer war als sie. Kleine Flieger schossen mit grellem Fusionsfeuer flink um das Tier herum und griffen die Meduse mit kleinen Pfeilen an, wie es schien.

Trayne zeigte hin. »Schauen Sie sich diese Narbe an ihrer Seite an.« Es war ein meterbreiter Krater aus verbranntem Fleisch.

»Sie treiben sie«, sagte Falcon ungläubig. »Zwingen sie mit den Pfeilen, den Plasmastrahlen, in diesen Käfig hinein. Und die Fackelflieger mit ihren engen Kurven – die können nicht von Menschen gesteuert werden, nicht einmal von Erdgeborenen, geschweige denn von Marsianern. Maschinen also. Marsianer und Maschinen arbeiten bei dieser Operation zusammen. Aber was machen sie da?«

Jetzt schwebte die Meduse in den Käfig hinein, schob sich so sanft und behutsam ins Innere wie ein riesiges Passagierschiff, das ins Dock einlief, dachte Falcon für einen kurzen Moment.

Doch dieser Hafen hatte nichts Einladendes an sich. Sobald die Meduse vollständig im Käfig war, wurde ein Sperrfeuer kleiner Raketen in ihren Körper gejagt, von oben, von unten, in die Flanken – ein plötzlicher, schockierender Angriff. Die Meduse schien fast sofort zu erstarren: Das natürliche Pulsieren ihres Körpers beim Schwimmen, das synchronisierte Wedeln ihres invertierten Tentakelwaldes, alles wurde zum Stillstand gebracht. Aus der Käfigkonstruktion schossen Leinen auf sie zu, und Enterhaken gruben sich in ihr Fleisch. Aus diesem Blickwinkel sah Falcon, dass sie durch den Käfig gezerrt werden würde, statt selbst zu schwimmen.

Und dann begann die wirkliche Arbeit.

An der Unterseite der Meduse spuckten Laser hartes Licht – die Strahlen waren in der trüben Jupiterluft deutlich sichtbar –, und primitive mechanische Klingen surrten. Diese Waffen schnitten wie Sicheln durch den anmutigen Wald der Tentakel, die vom Rumpf wegtrieben und in riesigen Netzen unter dem Käfig aufgefangen wurden. Bräunliche Flüssigkeit sickerte aus der Meduse.

Als Nächstes durchschnitten weitere Laser und teils riesengroße Messer die Haut des Tieres. Anschließend rissen Klauen das dünne, ledrige Material in großen Bahnen weg. Falcon beobachtete mit fast schon distanzierter Neugier, wie die Schwebeblasen des Tieres freigelegt wurden, riesige Zellen voller Wasserstoff und Helium, fast wie diejenigen im Auftriebskörper seiner Ra. Er wusste einiges über die Anatomie der Medusen; die Tiere waren von Zoologen mithilfe von Sonar, Radar und nicht-invasiven Sonden erforscht worden. Er hatte jedoch noch nie gesehen, wie eine seziert wurde. Natürlich waren die Gaszellen zart und zerbrechlich, eben nur so fest, wie sie sein mussten – trotz ihrer gewaltigen Körpermasse waren die Medusen von der Evolution auf Leichtigkeit getrimmt worden. Die Zellen platzten bei der Berührung der Laser sofort auf und kollabierten zu hauchdünnen Falten, die energisch weggeschnitten wurden.

Nun wurden die Transäcke der Meduse freigelegt, eine dicke Schicht unter den Schwebezellen. Sie enthielten einen aus der Atmosphäre destillierten, hochdichten petrochemischen Schlamm, mit dessen Hilfe die Meduse Luft aus den Schwebezellen pumpte, wenn sie nach unten sinken musste. Spezialisierte Fahrzeuge – sie ähnelten fliegenden Tankern, dachte Falcon – umzingelten die Meduse, stießen Pipelines in ihre Transäcke und leerten sie rasch.

Trayne schauderte zurück. »Die sind ja wie Vampire«, sagte er.

»Darauf haben sie’s also abgesehen«, sagte Falcon grimmig. »Auf den Tran …«

Nur Minuten nachdem die Meduse in den Käfig hineingeschwebt war, wurden die Überreste ihres Kadavers am anderen Ende ausgestoßen. Falcon sah eine glänzende Masse innerer Organe und knorpelartige Rippen – ein solches Geschöpf der Leichtigkeit konnte nichts derart Festes und Dichtes gebrauchen wie menschliche Knochen. Die verschiedenen Bestandteile trieben voneinander weg. Einige sahen aus, als könnte noch immer ein wenig Leben in ihnen stecken. Medusen waren schließlich Koloniewesen; viele dieser »Organe« hatten ihre eigenen unabhängigen Fortpflanzungszyklen. Carl Brenner hatte vor langer Zeit die Ansicht vertreten, dass selbst die Schwebesäcke in der Frühphase ihrer Entstehungsgeschichte einmal unabhängige Fluggeschöpfe gewesen sein könnten, nicht viel anders als die Kon-Tiki.

»Wenn man eine Meduse tötet«, sagte Falcon leise, »tötet man tausendmal.« Eine plötzliche, wilde Verzweiflung befiel ihn, dass er an einem Tag, an dem es um wundersame Entdeckungen hätte gehen sollen, auf dieses Gemetzel gestoßen war. »Das also ist New Nantucket, genau wie Dhoni angedeutet hat. Und es geht nur um den Medusentran.« Er sah Trayne verbittert an. »Wussten Sie nun darüber Bescheid oder nicht?«

Trayne sah schuldbewusst drein. »Ich habe wohl so etwas vermutet … Der Mars ist klein, Commander. Kürzlich hat es neue Importe flüchtiger Stoffe gegeben, komplexe Kohlenwasserstoffverbindungen. Umfangreiche Lieferungen. Man konnte ihre Existenz nicht verbergen, aber die Quelle war ein großes Geheimnis – jeder weiß, dass die Erde ein Embargo für solche Importe verhängt hat. Die Leute haben angefangen, über Pläne für den Bau weiterer Kuppeln, ja sogar über eine Beschleunigung des Eos-Programms zu sprechen. Und nachdem ich dann hierhergekommen bin, zum Jupiter, und von den Medusen erfahren habe … vorher hatte ich nichts als vage Vermutungen … ich schätze, da habe ich’s mir zusammengereimt.«

»Er sagt die Wahrheit, Falcon«, erklärte Nicola Pandit. Ihr Gesicht nahm noch immer den ganzen Bildschirm ein.

»Oh, gut, Sie haben die Lautstärkeregelung wieder unter Kontrolle bekommen.«

»Trayne hat nichts damit zu tun. Aber er ist intelligent, wie viele Marsianer – wir leben in einer Umgebung, in der Intelligenz ein Selektionsmerkmal ist.«

»Gewissen aber nicht?«

Pandit schluckte das. »Und Sie würden vermutlich sagen, dass unsere Partner überhaupt kein Gewissen haben.« Sie trat ein wenig zurück, und ein steifes künstliches Gesicht gesellte sich zu ihrem.

»Ich kenne dich nicht, Maschine«, sagte Falcon.

»Mein Name ist Ahab. So haben mich meine menschlichen Kollegen genannt.«

»Wie geistreich«, sagte Falcon verbittert. »Dies ist also eine Operation der Maschinen und der Marsianer.«

»Wir sind Partner«, erklärte Ahab in neutralem Ton.

»Und es geht nur um den Tran?«

Pandit nickte. »Sie haben es in Ihrem Bericht über den Flug der Kon-Tiki vor all dieser Zeit doch selbst vorhergesagt, Falcon: ›Tief unten in der Jupiteratmosphäre muss es genügend Petrochemikalien geben, um die Erde für eine Million Jahre zu versorgen.‹ Den Satz habe ich mir gemerkt, wissen Sie. Wir haben ihn sogar in unserem Prospekt für potenzielle Investoren zitiert. Danke für Ihre Hilfe. Aber Sie waren ein lausiger Prophet; die Erde braucht Jupiters Petrochemikalien heutzutage nicht mehr.«

»Richtig«, sagte Falcon. »Aber der arme, unter dem Mangel an flüchtigen Stoffen leidende Mars …«

»Mangel leiden wir nur wegen der repressiven Politik der Weltregierung.«

»Und nun betreibt ihr also Walfang, um eure politischen Ziele zu verfolgen.«

Pandit lächelte dünn. »Wir sind wohl kaum so wie die Ökobanditen des zwanzigsten Jahrhunderts, Falcon. Wir dünnen die Herden selektiv aus, wir nehmen nur ältere Tiere und auch davon nicht so viele, dass wir die planetarische Population – die übrigens enorm groß ist – merklich reduzieren würden. Und wir nutzen auch andere Produkte der Medusen, nicht nur den Tran. Die Heliumfarmen, wie zum Beispiel diejenige, die Sie im Nördlichen Gemäßigten Band besucht haben – deren Ballonhüllen bestehen aus dem Material der Medusen-Schwebesäcke. Ich hätte gedacht, das wäre Ihnen aufgefallen. Und nach dem Flensen wird der Abfall zur Thermalisierungsschicht zurückgebracht, sodass der Ökologie nur wenig verloren geht.«

»Auch nach industriellen Maßstäben ist der Vorgang effizient«, ergänzte Ahab. »Die Rohstoffe, die wir brauchen, die Petrochemikalien, sind in der Jupiterumgebung dünn gesät. Aber die Medusen sind natürliche Sammlerinnen. Wenn wir sie also ernten …«

»Was habt ihr Maschinen von alledem?«

»Dies ist eine rein kommerzielle Transaktion, die nach menschlichem – marsianischem – Recht durchgeführt wird. Als Gegenleistung für den Tran, den wir zum Mars bringen, bekommen wir ein Sortiment qualitativ hochwertiger Güter und Dienstleistungen, die …«

»Quatsch«, knurrte Falcon. »Wie die Konditionen dieser ›Transaktion‹ auch immer aussehen mögen, Pandit – ich kenne die Maschinen; sie arbeiten mit einem viel weiteren zeitlichen Horizont als wir – sie haben andere Ziele. Ihr werdet benutzt. Aber zu welchem Zweck?« Er sah Ahab finster an. »Mischt ihr euch jetzt in die menschliche Politik ein, Ahab? Versucht ihr, Konflikte zwischen der Erde und dem Mars zu schüren? Oder was für ein Spiel treibt ihr da?«

»Wir spielen nicht«, sagte Ahab schlicht.

»Und wir tun nichts Rechtswidriges«, sagte Pandit.

»Ach nein?«, fauchte Falcon. »Auch auf der Erde hat man die Wale wegen ihres Trans gejagt. Bis uns klar wurde, was für einen Schaden wir damit anrichteten. Dann haben wir damit aufgehört. Wie die Wale sind auch die Medusen intelligente Wesen.«

»Haben Sie Beweise dafür?«, fragte Pandit gelassen.

»Ich unterhalte mich seit zweihundert Jahren mit einer von ihnen. Ich zeige Ihnen gern die Abschriften …«

»Reiner Anthropomorphismus«, sagte Pandit. »Sie sind ein einsamer Mann, Falcon. Das ist eine Folge Ihres Unfalls, Ihres eigenen unglücklichen Wesens. Sie suchen Gesellschaft, wo es sonst keine gibt – Sie sehen eine Seele, wo keine ist.«

Falcon ballte eine mechanische Hand zur Faust. »Ich habe die Psychoanalyse schon immer verabscheut«, sagte er leise. »Erst recht, wenn sie als Waffe eingesetzt wird. Aber diesmal habe ich ausnahmsweise das Gesetz auf meiner Seite. Dank Zeugenaussagen wie meiner hat das Brenner-Institut schon vor Jahrzehnten beim Weltgericht beantragt, die Medusen als Rechtspersonen (nichtmenschlicher Art) mit den damit verbundenen Rechten zu akzeptieren …«

»Der Fall wurde ohne endgültige Entscheidung vertagt«, entgegnete Pandit leise.

Die Maschine surrte. »Die Intelligenz der Medusen – oder was auch immer – ist irrelevant.«

Das schien sogar Pandit zu schockieren. Sie drehte sich um und sah ihren Kompagnon an.

»Leben auf Kohlenstoffbasis ist nur eine andere Form eines Informationsverarbeitungssystems, und eine ineffiziente obendrein.« Ahab schien einen Moment lang zu überlegen. Dann sagte er: »Das Gespräch hat keinen Zweck mehr, es führt zu nichts.« Sein Gesicht verschwand vom Bildschirm.

Falcon starrte fröstelnd auf die leere Stelle. »Haben Sie gehört, was Ihr Verbündeter gesagt hat?«, wandte er sich an Pandit.

»Wir haben keine andere Wahl, als mit den Maschinen zusammenzuarbeiten«, sagte sie mit steinerner Miene. »Die WR lässt uns keine andere Wahl. Sie werden unseren Produktionsprozess nicht aufhalten, Falcon. Kehren Sie zu Ihrem Standort im Rahmen der Orpheus-Mission zurück oder stellen Sie sich darauf ein, uns Ihr Schiff zu übergeben …«

»Ceto ist als übernächste dran«, flüsterte Trayne.

Falcon wandte sich vom Kommunikationssystem ab und sah ihn an. »Jetzt müssen Sie sich entscheiden, Springer. Sind Sie auf meiner oder auf Pandits Seite? Erde oder Mars?«

»Mensch oder Maschine?«

»Vielleicht. Dieses Spiel wird lange dauern.«

Trayne schürzte sichtlich unglücklich die Lippen. »Ich sehe das nicht so. Warum sollte ich wählen müssen? Wenn ich auf irgendeiner Seite stehe, dann auf jener der Medusen.«

Falcon lächelte. »Gute Antwort. Dann wollen wir die Sache mal in Ordnung bringen.« Er betätigte seine Steuerelemente, und die Gondel schoss durch den Jupiterhimmel.

Die Medusa-Chroniken
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