64. Kapitel

10.33 Uhr
Omaha Police Department

Pakula stellte die Frage noch einmal: »Und Sie glauben, Kramer spielt ein Spiel mit uns?«

»Falls er in diese Sache verstrickt ist«, erwiderte Grace.

»Immerhin scheint er auf einmal ein seltsames Interesse daran zu haben, dass wir Barnett kriegen.«

Pakula seufzte und lockerte seine Krawatte. »Ich weiß nicht. Das kommt mir doch ziemlich abenteuerlich vor. Was genau hat er Ihnen denn erzählt?«

»Nur, dass er einen Anruf von Barnett erhalten habe. Angeblich hat Barnett ihm erzählt, er hätte die Bank nur ausrauben wollen, aber dann sei irgendwie alles außer Kontrolle geraten. Und dass er sich nicht stellen werde.«

»Das soll Barnett gesagt haben? Dass er sich nicht stellt?«

»Ja. Dass er nicht wieder ins Gefängnis geht. Er wisse, dass Kramer ihn diesmal nicht wieder rausholen könne. Er brauche Geld, und Kramer sollte das angeblich anweisen – an den Triple-J-Truckstop am Interstate 80, westlich von Grand Island.«

»Wie viel Geld?«

»Fünfundzwanzigtausend. Kramer sagt, er sei bereit, es anzuweisen, wenn wir das wollen.«

»Und heute Morgen hat er zum ersten Mal von Barnett gehört?«

»Behauptet er jedenfalls.«

»Er weiß doch sicher, dass wir das überprüfen können.«

Pakula traute diesem Mistkerl Kramer genauso wenig wie Barnett. Machten die beiden etwa gemeinsame Sache? Ein Trick, um sie abzulenken, während Barnett sonst wo war?

»Also, wie schätzen Sie die Sache ein?«

Grace nahm einen Stapel Akten von dem Besuchersessel und suchte nach einem Platz, ihn abzulegen, damit sie sich setzen konnte. Pakula nahm ihr den Haufen ab. Offenbar war es ihm peinlich, dass er nicht selbst daran gedacht hatte, ihr Platz zu schaffen. Er legte die Akten auf einen anderen Stapel, der prompt umkippte. Er beließ es einfach dabei und setzte sich wieder.

»Zuerst hatte ich meine Zweifel. Aber Kramer weiß nicht, dass wir den Anhänger gefunden haben. Er kann von unserem Verdacht deshalb auch nichts ahnen. Da war etwas in seiner Stimme … Ich kann gar nicht genau sagen, was, aber er klang so, als könne er gar nicht anders, als Barnett ans Messer zu liefern. Ich meine, das ist doch wohl der Gipfel.«

»Wahrscheinlich versucht er, die Sache jetzt irgendwie zu seinem Vorteil zu drehen.«

»Gut möglich.«

Das Telefon klingelte. Pakula sprang auf, obwohl der Apparat gleich neben seinem Ellbogen stand. »Pakula.«

»Das Einsatzkommando ist auf dem Weg.« Sanchez brauchte seinen Namen nicht zu nennen. »Der Black Hawk ist in etwa zwanzig Minuten bereit.«

»Zwanzig Minuten?«

»Wir haben nicht viel Zeit. Schaffen Sie das?«

»Ich bin gleich da«, erwiderte Pakula und legte auf.

Er sah Grace an, wischte sich den Schweiß von der Stirn und schnappte sich seine Jacke von der Sessellehne. »Herrgott, wie ich diese verdammten Hubschrauber hasse!«