Der bucklige König

Richard III. von England (1452-1485)

Shakespeare zeigt, wie weit man es als absoluter Bösewicht bringen kann: bis zum König von England. Sein Richard III. ist schlecht mit Absicht und vollem Bewusstsein. Hässlich, bucklig, hinkend, schon von Geburt an verkrüppelt, liebt ihn nämlich keiner, und so sucht er sich Ersatz in der Macht, die bei einem wie ihm nur in der Gestalt von Terror vorkommt. Er spinnt Intrigen, hetzt seine Verwandten aufeinander, mordet und lässt morden und hält niemand die Treue, schon gar nicht denen, die ihm beim Aufstieg geholfen haben. Generationen von Darstellern haben sich als Richard III. auf der Bühne und im Film versucht und schöne Studien von Bosheit und Heimtücke geliefert.

Die Frage, ob der historische Richard so war, wie ihn Shakespeare in seinem Drama porträtiert, hat die Forschung lange beschäftigt. Die Quellen, die seine Schandtaten überliefern, sind nicht unbedingt zuverlässig. Nicht alle Verbrechen, die ihm zugeschrieben werden, hat er auch begangen, Täter und Auftraggeber waren andere. Vollständig reinwaschen kann man ihn aber auch nicht. Hauptsächlich ist sein Handeln aus den politischen Bedingungen zu erklären, die er vorfand, und die waren blutig. In England tobten wilde Parteikämpfe. Mitglied des Hauses York, das mit seinem Bruder Eduard IV. seit 1461 den König stellte, fand sich Richard als Herzog von Gloucester in steten Auseinandersetzungen mit der angeheirateten Familie seines Bruders, den Wydevilles. Als Eduard IV. 1483 starb, übernahm Richard als Lord Protektor die Regentschaft für dessen Sohn, den zwölfjährigen Eduard V. Doch nicht nur ging der Machtkampf mit den Wydevilles weiter, es tauchte auch der Rivale Heinrich Tudor als Parteigänger der Lancaster-Familie auf, der alten Feinde der Yorks.

Die Rosenkriege

Das Ende Richards III. in der Schlacht von Bosworth gilt zugleich als Ende der sogenannten Rosenkriege, in denen sich der englische Adel zwischen 1455 und 1485 gegenseitig ausrottete. Die Voraussetzung dafür hatte der englische König Eduard III. (1327–1377) geschaffen, indem er für seine Söhne die Herzogtümer Lancaster, York, Gloucester und Clarence schuf, die eigentlich nur der königlichen Familie zugedacht waren, sich aber durch Heirat und Erbgang mit anderen Adelsfamilien vereinigten und der Krone Konkurrenz machten. Schließlich sammelten sich die Parteien unter dem Banner der York (weiße Rose) und der Lancaster (rote Rose) und stellten Privatarmeen auf, die einander unaufhörlich bekämpften, während das Königtum sich aus den blutigen Verstrickungen nicht zu lösen vermochte. Nach dem Tod Richards III. kam mit Heinrich VII. das Haus Tudor an die Macht, das mit Herrschern wie Heinrich VIII. (1509–1547) und Elisabeth I. (1558–1603) England auf den Weg zur Weltmacht führte.

Griff nach der Krone

Richard konnte nicht sicher sein, ob seine Regentschaft unangefochten bleiben würde. Deswegen ließ er den Thronfolger und dessen Bruder Richard von York im Tower von London einkerkern. Er erklärte die Jungen für Bastarde, die nicht berechtigt seien, auf dem englischen Thron zu sitzen, und bemächtigte sich im Juni 1483 als nächster Verwandter des verstorbenen Königs der Krone. Zwar ging Richard durchaus tatkräftig an die Regierungsarbeit, dennoch stand sein Königtum auf wackligen Füßen. Es dauerte dann auch nur zwei Jahre und Heinrich Tudor landete mit einem Heer, das er in Frankreich gesammelt hatte, und besiegte Richard in der Schlacht von Bosworth (1485). Richard, tapfer kämpfend, verlor dabei sein Leben. Noch auf dem Schlachtfeld wurde Heinrich die Krone Englands aufgesetzt.

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