9 Uhr 25. Vatikan

61

Während der Fahrt zum Petersplatz hatte Matthias mehrfach versucht, Bertoni zu erreichen, aber weder in seinem Büro noch bei ihm zu Hause oder auf dem Handy ging jemand ans Telefon.

Matthias ging die paar Meter bis zu den äußeren Säulen der Bernini-Kolonnaden und lehnte sich mit dem Rücken gegen die erste. Er dachte an den Papst und wurde von dem Gefühl der Sorge in diesem Moment geradezu übermannt. Nicht allein aus dem Grund, weil er diesen alten Mann in den persönlichen Gesprächen der letzten Tage sehr schätzen gelernt hatte. Der Papst war es auch gewesen, der ihn durch sein Vergeben vor der lebenslangen Gefängnisstrafe bewahrt hatte. Er musste ihn retten! Entschlossen stieß er sich von der Säule ab und machte sich auf den Weg zum Eingang des Apostolischen Palastes.

Die beiden Schweizergardisten sahen ihm mit unbewegten Gesichtern entgegen. Anders als sonst hatten sie nicht die goldbespitzten Hellebarden in der Hand, sondern Maschinenpistolen. Als Matthias die Stufen zum Portone di Bronzo hinaufstieg, versperrten sie ihm den Weg. Er konnte ihre Anspannung förmlich spüren. Einer der beiden gebot ihm mit der Hand Einhalt.

»Halt! Wo möchten Sie hin?«

»Mein Name ist Matthias. Ich habe einen Passierschein von Seiner Eminenz Kardinal Voigt.«

Matthias zog das Papier aus seinem Portemonnaie und hielt es dem Schweizergardisten entgegen, der jedoch keine Anstalten machte, sich den Schein näher anzusehen.

»Tut mir leid, aber diese Passierscheine gelten im Moment nicht.«

»Aber ich muss unbedingt mit dem Kardinalstaatssekretär sprechen. Es ist wirklich wichtig.«

Die Schweizergardisten sahen ihn mit unveränderter Miene an.

»Bedaure«, schaltete der andere sich jetzt ein, »doch wir haben Befehl, absolut niemanden durchzulassen.«

»Aber ich bin hier im Auftrag der römischen Polizei«, versuchte Matthias seinen letzten Trumpf auszuspielen.

Die beiden Männer zeigten sich davon jedoch wenig beeindruckt.

»Gehen Sie jetzt bitte.«

Der Ton des Gardisten war nun deutlich schärfer geworden. Offensichtlich glaubten sie ihm kein Wort, und der Lauf seiner Maschinenpistole bewegte sich ein wenig in Matthias’ Richtung, wie um seiner Aufforderung Nachdruck zu verleihen. Matthias sah ein, dass er nicht weiterkam, und wandte sich ab. Während er zurück zu dem wartenden Polizeiwagen ging, ärgerte er sich, dass er nicht vorher versucht hatte, den Kardinalstaatssekretär ans Telefon zu bekommen, und so wertvolle Zeit vertan hatte. Der Schlafmangel wirkte sich offensichtlich auf seinen sonst so scharfen Verstand aus.

 

Castello Cristo
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