Rom. Questura, Via San Vitale 15
27
Kurz nach halb zehn betrat Matthias den Einsatzraum der »Sonderkommission Judas« im ersten Stock des Polizeipräsidiums, wo hektische Betriebsamkeit herrschte. Die meisten der Arbeitstische waren mit telefonierenden oder tippenden Beamten besetzt. Matthias sah sich in dem Büro um, konnte Varotto aber nirgends entdecken. Sein Kollege Tissone kam jedoch sofort auf Matthias zu.
»Buongiorno, Signore Matthias«, sagte er, und der Deutsche spürte, dass der Commissario sich bemühte, ruhig zu wirken. »Ich nehme an, Sie haben schon von der neuesten Entwicklung gehört?«
Matthias nickte. »Wenn Sie die Sache mit dem Muttermal meinen, ja. Können Sie mir sagen, wo ich Commissario Varotto finde?«
»Er ist heute Morgen gleich nach dem Anruf um kurz nach sieben mit zwei Kollegen nach Avezzano gefahren. Das liegt knapp hundert Kilometer von hier entfernt. Dort wohnt der Mann, der glaubt, das Muttermal seines Sohnes wiedererkannt zu haben. Vor wenigen Minuten hat Daniele angerufen. Er macht sich nun mit einer Haarprobe des Mannes wieder auf den Rückweg.«
»Könnte ich …?«, setzte Matthias an, wurde jedoch von einem der Beamten unterbrochen, die an dem Konferenztisch in der Mitte Berge von Papieren durchgingen.
»Ich werd verrückt!«, rief der Mittdreißiger mit den dunklen Haaren, die fast so lang waren wie die des Deutschen. »Franco, komm her und sieh dir das an!«
Sowohl Tissone als auch Matthias stürzten zu ihm hin, starrten dann auf das Blatt, das er ihnen hinschob. Es handelte sich um eine Art Steckbrief. Mit einem gelben Textmarker hatte er ein Datum gekennzeichnet: den 4. März 1981. Ein Datum, das Matthias überhaupt nichts sagte.
Auch Commissario Tissone schien damit nicht viel anfangen zu können; er sah den Polizisten fragend an.
»Das ist das Geburtsdatum von Stefano Costali, dem Toten, der bei seiner Mutter gefunden wurde. Was ist damit?«
Langsam legte der Mann nun einen zweiten handgeschriebenen Zettel neben das erste Blatt Papier. Auch dort war eine Stelle gelb markiert.
»Das sind die Daten, die Daniele uns eben durchgegeben hat«, erklärte er, und man sah seinem Gesicht deutlich an, dass sein Fund wie eine Bombe einschlagen würde. »Schau dir das Geburtsdatum an.«
Das Geburtsdatum, das mit krakeliger Handschrift aufgeschrieben worden war, lautete: 4. März 1981.