Il Castello

28

Der schwere Sessel, dessen dunkelbrauner Lederbezug an den Lehnen schon ganz abgenutzt war, füllte die Ecke des Raumes komplett aus.

Der Abbas hatte die Augen geschlossen, schlief aber nicht. Wie er es in letzter Zeit häufiger tat, ließ er seinen Gedanken freien Lauf, ließ sie nach der Zukunft tasten, nach dem, was sie erwartete. Er wusste, dass er sich jetzt, in der Schlussphase, am Ende ihres langen Weges, nicht den geringsten Fehler erlauben durfte. Der Oberste würde ihm nicht die kleinste Nachlässigkeit durchgehen lassen.

Erst vor wenigen Minuten war er in sein Zimmer zurückgekommen, das sich von denen der anderen dadurch unterschied, dass es etwa die dreifache Größe hatte. Ansonsten war es ebenso spartanisch ausgestattet, was ihn jedoch nicht weiter gestört hatte, da er hier ja nur wenige Wochen verbracht hatte. Er dachte zurück an die ersten Jahre in Afrika. Es war nicht einfach gewesen. Die Kinder hatten noch anerzogenen weltlichen Dingen nachgehangen. Zum Glück war es schnell immer besser geworden. Der Oberste hatte eine wirklich große Weitsicht gehabt. Er hatte es vorausgesagt: Sie hatten sich schnell in ihr Schicksal gefügt und akzeptiert, dass ihr künftiges Leben sich in den Mauern des Anwesens abspielen würde.

Die wenigen Menschen, die sich im Laufe der Jahre in die einsame Steppenlandschaft verirrt hatten, waren davon überzeugt gewesen, eine Art Kloster vor sich zu haben, wenn sie an die Pforte klopften. Ab und zu war ein afrikanischer Beamter bei ihnen aufgetaucht, hatte sich ein wenig umgesehen und furchtbar wichtig getan. Dann war er wieder verschwunden in der Gewissheit, dass diese Weißen in den einfachen Kutten zwar etwas verrückt, aber harmlos waren und nur weit weg von Europa zufrieden in ihrer Sekte leben wollten: Sie bauten ihr Gemüse selbst an, buken ihr eigenes Brot und stellten ihren eigenen Ziegenkäse her. Der Abbas lachte innerlich. Wenn man die Vorstellungskraft eines afrikanischen Verwaltungsbeamten zugrunde legte …

Vom Obersten hatte niemand etwas gewusst. Und auch nicht von dem seltsamen hageren Mann, der sie nur ein einziges Mal besucht hatte, gleich zu Anfang, kaum waren die letzten auserwählten Jungen aus Italien angekommen. Er glaubte damals herausgehört zu haben, dass der Mann Deutscher war. Sicher war er sich aber nicht. Jedenfalls war dieser Mann der einzige Mensch gewesen, vor dem sich augenscheinlich selbst der Oberste gefürchtet hatte. MAGUS hatte er den Mann genannt, den er unterwürfig über das Anwesen geführt und dem er die Zellen von einigen der Jungen gezeigt hatte. Wie lange das schon her war …

Nach einem Blick auf die Uhr griff er zum Handy und wählte die Nummer des Obersten. Als abgehoben wurde, sagte er den Code, an dem der Oberste erkannte, dass niemand anders sich für ihn ausgab. Dann lauschte er den neuen Anweisungen, die der Mann aus Rom ihm gab.

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