Il Castello
14
Sie hatten sich im großen Innenhof versammelt, wie er es befohlen hatte. Der Regen in der vergangenen Nacht hatte den Boden unter ihren Knien in kalten Schlamm verwandelt, und am Himmel über ihnen ballten sich schon wieder dunkelgraue Wolken zusammen, aus denen bereits erste Tropfen fielen. Die jungen Männer fröstelten. Zwar waren sie nun schon einige Wochen hier, aber an das Klima hatten sie sich noch immer nicht gewöhnt; es war deutlich unangenehmer als in dem heißen Land, wo sie fast ihr gesamtes bisheriges Leben verbracht hatten. Stumm sahen sie hinüber zum einstigen Haupthaus. Nicht alle waren anwesend; einige von ihnen waren schon vorausgegangen. Bald würden sie alle in der Ewigen Stadt sein. Bald, sehr bald …
Die große Tür des Hauptgebäudes öffnete sich nun, und heraus trat der Mann, den sie von Anfang an Monsignore genannt hatten, weil er ihr abbas war, das Oberhaupt ihrer Gemeinschaft. Mit schnellen Schritten ging er auf sie zu und blieb dann gütig lächelnd vor ihnen stehen.
»Unsere Mission strebt ihrem Ende entgegen«, sagte er so laut, dass er auch in der hintersten Reihe noch verstanden wurde. »Ein paar Mitbrüder habe ich schon vor Tagen ausgeschickt, um den großen Tag vorzubereiten. Sie sind die ersten Glücklichen, die ihr Lebensziel erreicht haben.«
Wenn seine Worte die jungen Männer in irgendeiner Weise berührten, so zeigten sie es nicht. Ohne die geringste Veränderung in den ernsten Gesichtern blickten sie weiter zu ihm auf.
Eindringlich sah der Monsignore nun einen nach dem anderen an.
»Und auch euer Leben geht seiner Erfüllung entgegen. Haltet euch bereit!«
Mit diesen Worten drehte er sich um. Die Männer in den braunen Mönchskutten rührten sich nicht, bis er wieder in dem Haupthaus verschwunden war. Der Regen war inzwischen stärker geworden, und ihre langen blonden Haare klebten ihnen im Gesicht, aber das nahmen sie nicht wahr. Erst als ihre Führer, die hinter ihnen gestanden hatten, sich in Bewegung setzten, erhoben sie sich vom Boden und marschierten im Gleichschritt zurück zu den ehemaligen Stallungen, die Treppe hinunter in die Kellerräume.