Il Castello
55
»Umdrehen! Und schön die Hände über den Kopf. Wenn einer von Ihnen eine komische Bewegung macht, schieße ich.«
Sowohl Matthias als auch der Commissario drehten sich langsam um. Die beiden Männer standen so, dass der gelbliche Schein des Castello seitlich auf ihre Gesichter fiel.
Matthias wusste selbst nicht, was er erwartet hatte, aber die kurzen schwarzen Jacken und Jeans überraschten ihn. Der Mann mit der Waffe im Anschlag mochte Anfang dreißig sein. Er war sehr muskulös und hatte ein kantiges Gesicht, das ihm mit den millimeterkurzen dunklen Haaren das Aussehen eines Söldners verlieh. Störend war nur der dicke auffällige Ring, den er im rechten Ohr trug. Der andere hingegen hatte ein Durchschnittsgesicht und mochte wohl zwanzig Kilo zu viel auf die Waage bringen, wie die rundlich ausgebeulte Jacke vermuten ließ. Auf den Jacken stand in weißer Schrift »Guardia Di Sicurezza«.
Ein Sicherheitsdienst?, dachte Matthias verwundert, und gleichzeitig schwand sein Glaube daran, dass in dem Castello tatsächlich etwas zu finden war, das ihnen bei der Aufklärung der Kreuzwegmorde weiterhelfen konnte. Serienmörder, die einen Sicherheitsdienst engagierten, konnte er sich jedenfalls nicht vorstellen. Ein kurzer Blick zur Seite zeigte ihm, dass Varotto offensichtlich die gleichen Gedanken beschäftigten.
»Wer sind Sie und was wollen Sie hier?«, fragte der Muskelprotz, dessen Gewehrlauf Matthias kurz zuvor im Nacken gespürt hatte.
Der zweite, offenbar unbewaffnete Mann war ein paar Schritte zurückgetreten und sprach in ein Walkie-Talkie.
»Commissario Daniele Varotto, von der Questura in Rom. Sie werden eine Menge Ärger bekommen, wenn Sie noch länger Ihre Waffe auf uns richten«, knurrte Varotto.
»Was Sie nicht sagen!« Der Sicherheitsmann grinste. »Tut mir leid, aber die Masche zieht nicht. Man hat uns schon vorgewarnt, dass diejenigen, die hier einzubrechen versuchen, sich als Polizisten ausgeben. Also noch einmal: Wer sind Sie?«
Man hatte sie vorgewarnt? Wieder sahen Matthias und der Commissario sich an, bevor Varotto sich an den Sicherheitsmann wandte.
»Ich habe meinen Ausweis in der Hosentasche. Wenn ich die Hände runternehmen darf …«
»Aber ganz langsam, verstanden?«
»Finden Sie es nicht auch seltsam, dass man Sie vorgewarnt hat?«, fragte Varotto, während er in Zeitlupentempo seinen Ausweis erst in der linken, dann in der rechten Gesäßtasche suchte. »Könnte es nicht vielleicht sein, dass Ihre Auftraggeber wussten, dass die Polizei ihnen auf der Spur ist, und man Sie dazu benutzt, uns aufzuhalten?«
»Aber klar, die Polizei ist hinter ein paar Mönchen her«, antwortete der Mann. »Was haben sie verbrochen? Den Opferstock im Petersdom geklaut? So ein Blödsinn!«
Erst als seine Fingerspitzen auch in der zweiten Hosentasche nichts ertasteten, fiel Varotto siedendheiß ein, dass er Barberi seinen Ausweis übergeben hatte. Schweiß trat ihm auf die Stirn. Langsam zog er die Hand wieder zurück.
»Ich habe meinen Ausweis nicht eingesteckt, weil wir mitten in der Nacht losgefahren sind. Aber Sie können mir glauben …«
»Schnauze!«, herrschte der Mann ihn an. »Ausweis vergessen. Ha! Und dann noch ein paar tattrigen Mönchen auf der Spur! Ein besseres Lügenmärchen fällt Ihnen wohl nicht ein? Sagen Sie mir endlich, wer Sie wirklich sind und was Sie hier verloren haben!«
»Warum rufen Sie nicht die Polizei?«, mischte sich nun Matthias ein. »Wenn Sie uns für Einbrecher halten, ist es doch Ihre Pflicht, sie zu verständigen.«
»Wir sollen sie reinbringen«, erklärte in diesem Moment der zweite Sicherheitsmann, der mit dem Walkie-Talkie wieder näher trat.
»Was ist mit der Polizei?«, versuchte Matthias es noch einmal.
»Mund halten und umdrehen. Und die Arme schön oben lassen!«
Sie gehorchten und wurden gleich darauf am ganzen Körper abgetastet.
»Sieh an, der vermeintliche Commissario hat gleich zwei Pistolen. Die römische Polizei scheint viel Geld zu haben.«
Beide Sicherheitsmänner lachten laut auf, und nachdem sie ihnen auch noch ihre Handys weggenommen hatten, bekamen Varotto und Matthias einen Stoß in den Rücken.
»Los jetzt, vorwärts.«
Die Männer dirigierten sie nach rechts um die Mauer herum zu dem massiven doppelflügeligen Holztor. Etwa auf Brusthöhe war eine Klappe eingelassen. Noch bevor sie sich bemerkbar machen konnten, wurde sie geöffnet. Ein bärtiges Gesicht tauchte auf, dann eine Hand mit einer Taschenlampe, mit der ihnen ins Gesicht geleuchtet wurde. Geblendet schlossen sie die Augen.
Sekunden später wurde das Tor mit einem lauten Knarren geöffnet, und die beiden Sicherheitsmänner trieben sie unsanft auf einen großen rechteckigen Sandplatz, der von mehreren Scheinwerfern an den drei Gebäuden beleuchtet wurde, die den Platz u-förmig umgaben. Direkt vor ihnen befand sich das größte Haus, dessen Dach sie von außen schon gesehen hatten, rechts davon ein niedriges Gebäude, in dem sich früher wahrscheinlich die Stallungen befunden hatten, und links eines, das ebenso wie das Haupthaus Wohnräume zu beherbergen schien.
»Los, nach rechts, da hinüber«, kommandierte der Muskelprotz hinter ihnen.
Zwei Minuten später betraten sie einen Raum, in dem ein langer Holztisch sowie mehrere Holzschemel standen. Drei weitere Männer des Sicherheitsdienstes lehnten an der Wand und musterten sie mit unbeweglicher Miene. Feindseligkeit war in ihren Blicken nicht zu entdecken, eher Neugier, was Varotto und Matthias mitten in der Nacht im Castello zu suchen hatten.
»Hinsetzen!«, sagte der Kerl mit dem Gewehr und deutete auf zwei der Schemel. Kaum saßen sie, trat einer der Männer näher, zog Kunststofffesseln aus der Tasche, wie sie auch die Polizei benutzte, und band ihnen die Hände auf den Rücken.
»Was soll das? Warum nehmen Sie uns gefangen?«, fragte Varotto verärgert, während der Mann hinter ihm sich vergewisserte, dass der Commissario die Fesseln nicht lösen konnte, dass sie ihm aber auch nicht zu sehr ins Fleisch schnitten.
»Viel interessanter ist doch die Frage, warum Sie sich um diese Uhrzeit hier herumtreiben.«
Der Mann mit der sonoren Stimme hatte den Raum gerade erst betreten und baute sich nun, die Daumen lässig in die Taschen seiner Jeans eingehängt, vor den beiden auf. Sein braungebranntes Gesicht unter dem mit silbernen Fäden durchzogenen schwarzen Haar strahlte Autorität aus. Er mochte um die vierzig sein. Mit Sicherheit ist das der Boss, dachte Matthias. Auf der Brust war ein Namensschild aus Stoff auf die Jacke aufgenäht: J. Gimbala. Ein Verbrecher mit Namensschild?, fragte er sich im Stillen. Die Geschichte wurde immer verrückter.
»Das habe ich Ihrem Kollegen schon zu erklären versucht«, blaffte Varotto den Mann an. »Aber vielleicht haben Sie ja mehr Hirn als er und begreifen, dass Sie sich gerade in enorme Schwierigkeiten bringen. Ich bin Commissario Daniele Varotto von der Questura und mit der Aufklärung einer Mordserie beschäftigt. Die Ermittlungen haben uns hierhergeführt.«
Der Mann dachte einen Moment nach, dann verzog sich sein Gesicht, als hätte er in eine Zitrone gebissen.
»Oh, natürlich. Wahrscheinlich sind Sie der Commissario Varotto, über den gestern dieser interessante Artikel in der Zeitung gestanden hat.«
»Genau der bin ich«, knurrte Varotto.
»Er faselte etwas von einem Dienstausweis, nur leider, leider habe er ihn zu Hause vergessen. So ein Zufall aber auch.« Der Mann mit dem Gewehr lachte wieder laut.
»Schnauze!«, herrschte Gimbala ihn an. »Habt ihr nachgesehen, ob er seinen Personalausweis dabeihat?«
»Äh, nein. Aber der macht uns doch was vor. Und außerdem hat uns Pater Guillesso ja gewarnt, dass die Kerle uns dieses Märchen auftischen würden.«
»Seht nach«, sagte Gimbala nur, ohne den Blick von den beiden Gefangenen abzuwenden.
»Mein Ausweis ist in der linken Jackentasche«, sagte Varotto, und seiner Stimme war deutlich anzuhören, dass er hoffte, nun könne sich alles aufklären.
Der Mann, der ihn kurz zuvor gefesselt hatte, zog Varottos Portemonnaie aus der Jacke und reichte es an Gimbala weiter. Der zog den Ausweis heraus und studierte ihn intensiv. Dann sah er Varotto an.
»Nun gut. Nehmen wir mal an, der Ausweis ist echt und Sie sind tatsächlich Commissario Varotto, der an der Aufklärung dieser Kreuzwegmorde arbeitet. Warum geistern Sie dann nur zu zweit in der Nacht hier herum? Ich war früher selbst Polizist. So etwas hätten wir nie ohne Unterstützung getan. Wo sind Ihre Kollegen?«
»Wegen dieses verdammten Zeitungsartikels, den Sie vorher erwähnten, leite ich den Fall nicht mehr offiziell. Aber meine Dienststelle weiß, dass ich hier bin, und wenn ich mich nicht bald bei den Kollegen melde, werden sie Verstärkung schicken.«
Gimbala sah dem Commissario tief in die Augen, und Matthias hatte das deutliche Gefühl, dass er einen inneren Kampf austrug. Schließlich wandte er sich an einen seiner Männer.
»Weck Pater Guillesso und bitte ihn, herzukommen. Jetzt gleich. Sag ihm, es ist dringend.«
Der Mann nickte und verließ den Raum. Gimbala ging um Matthias und den Commissario herum und befreite sie von ihren Fesseln.
«Auf diesen Pater Guillesso bin ich sehr gespannt«, murmelte Matthias und rieb sich die tauben Handgelenke.
»Er leitet dieses Kloster hier«, erklärte Gimbala, »und hat uns engagiert, weil er einen Einbruch befürchtete.« Er zog einen der Holzschemel heran und setzte sich.
»Das hier ist doch schon lange kein Kloster mehr«, widersprach Varotto.
»Natürlich ist es ein Kloster«, erwiderte Gimbala überrascht. »hier leben doch Mönche.«
»Wenn diese Kerle in Mönchskutten herumlaufen«, entgegnete Matthias, »heißt das noch lange nicht, dass es ein Kloster ist. Es wird sich wohl eher um eine Sekte handeln.«
»Eine Sekte? Aber …«
Vor der Tür waren plötzlich hektische Stimmen zu hören, dann wurde sie aufgestoßen.
»Chef, es gibt da ein Problem.«
Gimbala fuhr herum. »Was ist los?«
Der Mann warf einen unsicheren Blick auf die beiden Gefangenen.
»Nun sag schon«, herrschte Gimbala ihn an.
»Carabinieri. Von allen Seiten kommen sie aufs Kloster zu. Was sollen wir tun?«
Der Chef der Sicherheitstruppe sah Varotto an, der süffisant lächelnd die Schultern hochzog, sich insgeheim jedoch fragte, wo plötzlich dieses große Aufgebot von Polizisten herkam. Er war sicher, Francesco nicht erzählt zu haben, wohin sie fuhren. Was hatte das zu bedeuten?
»Macht das Tor auf und lasst sie rein«, befahl Gimbala und erhob sich. »Wir haben nichts zu verbergen.«
»Das wird sich gleich herausstellen«, sagte Varotto spöttisch. »Wo bleibt Pater Guillesso?«
Gimbala begann nervös auf und ab zu gehen. Alle Gelassenheit war gänzlich von ihm abgefallen. Offenbar war ihm klar geworden, dass mit ihrem Auftraggeber etwas nicht stimmte. Er wandte sich an Varotto und Matthias.
»Verhalten Sie sich ruhig, bis ich zurück bin.« Und zu seinen Männern sagte er: »Die beiden bleiben hier, bis wir wissen, wer sie sind. Aber lasst sie in Ruhe.«
Es dauerte nur wenige Minuten, bis Gimbala zurückkam. Er wurde begleitet von zwei Carabinieri und einem Mann in Zivil, der dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen äußerst schlechte Laune hatte. Varotto schätzte ihn auf etwa fünfzig. Er musterte zuerst Matthias, kam aber offensichtlich zu dem Schluss, dass die schulterlangen blonden Haare nicht zu einem Commissario der römischen Polizei passten. Also wandte er sich an Varotto.
»Commissario Daniele Varotto, nehme ich an?«
Varotto nickte. »Ja, der bin ich. Gut, dass Sie gekommen sind.«
»Ich bin Maggiore Aldo Gaetani. Ihr Chef hat uns über Ihren ›Ausflug‹ hierher informiert. Er scheint der Meinung zu sein, dass Sie sich damit in große Gefahr begeben haben. Diese Meinung teile ich durchaus, denn hätten wir Sie erwischt, bevor Sie hier eingedrungen sind, es wäre mir eine große Freude gewesen, Sie persönlich daran zu hindern. Ich habe in der Zeitung den Artikel über Sie gelesen. Wenn ich das hier so sehe, komme ich zu dem Schluss, dass er wahrscheinlich sehr schmeichelnd geschrieben war.«
»Wir sind hier nicht ›eingedrungen‹«, widersprach Matthias, woraufhin der Maggiore ihn ansah wie ein lästiges Insekt, das er gleich mit der Schuhspitze zerdrücken würde.
»Ach, und wie nennen Sie es dann? Wer sind Sie überhaupt?«
»Jemand, der sich nicht von einem Carabiniere anschnauzen lassen muss«, zischte Matthias, und Varotto wunderte sich über den ungewohnt scharfen Ton des Deutschen. »Und ich werde nicht tatenlos dabei zusehen, wie ein verdienter Offizier der römischen Polizei öffentlich abgekanzelt wird. Ich bin ein Zivilist mit ausgesprochen guten Kontakten zur Presse. Sie haben den Artikel über Commissario Varotto gelesen? Dann warten Sie mal ab, wie der über Sie aussehen wird.«
Varotto betrachtete den Maggiore. Der Stabsoffiziersgrad der Carabinieri entsprach dem eines Commissario Capo der Polizia di Stato. Damit hatte er den gleichen Rang wie Barberi. Aber im Grunde genommen spielte das keine Rolle, denn er, Varotto, war sowieso vom Dienst suspendiert. Interessant war ja vielmehr, wieso Barberi diesen Typen angerufen hatte. Woher wusste er, dass sie hier waren? Aber das würden sie sicherlich gleich erfahren.
Dem Gesichtsausdruck nach wäre der Maggiore Matthias am liebsten an die Gurgel gesprungen, doch besann er sich offenbar. Er wandte sich an den Chef des Sicherheitsdienstes, der den Wortwechsel interessiert verfolgt hatte.
»Warum werden diese beiden Männer hier festgehalten?«
Gimbala hob bedauernd die Schultern. »Ein Irrtum. Wir sind vor zwei Tagen von Pater Guillesso, dem Abt dieses Klosters, engagiert worden, weil er einen Einbruch befürchtete. Offensichtlich besitzt die Klostergemeinschaft etwas, das so wertvoll ist, dass jemand auf die Idee kommen könnte. Es war alles ruhig, bis heute Nacht der Commissario und sein Begleiter um das Kloster herumschlichen. Wir haben sie festgenommen und dabei festgestellt, dass Commissario Varotto zwei Waffen bei sich trug, sich aber nicht als Polizist ausweisen konnte.«
»Und wo ist dieser Pater Guillesso, der Sie beauftragt hat? Das hier ist schon lange kein Kloster mehr.«
»Wir können ihn nicht finden.«
»Na, dann schaffen Sie mir jemand anderen herbei. Der Mann wird ja nicht alleine hier leben, oder?«
Gimbala trat von einem Bein aufs andere. »Nein, gestern Abend waren noch weitere Mönche da. Aber jetzt können wir leider keinen mehr finden.«
»Na so ein Zufall«, sagte Varotto spöttisch. »Maggiore, wie viele Männer haben Sie hier?«
»Achtzehn. Wie Ihr Chef mir sagte, hat man am letzten Tatort etwas gefunden, das darauf hindeutet, dass Sie in großer Gefahr sind. Deshalb habe ich die gesamte Nachtschicht aufgescheucht.«
»Man hat etwas gefunden, das mit mir in Zusammenhang steht?«, erklärte Varotto und schüttelte ungläubig den Kopf. »Aber ich danke Ihnen sehr. Wer weiß, was diese Bodyguards mit uns angestellt hätten, wenn Sie nicht gekommen wären.«
Dabei warf er Gimbala einen vielsagenden Blick zu.
Bevor dieser sich verteidigen konnte, wandte Gaetani sich schon zur Tür und sagte im Hinausgehen: »Gimbala, rufen Sie Ihre Männer zusammen. Wir werden die Gebäude jetzt durchsuchen. Hier scheint etwas ganz und gar nicht in Ordnung zu sein.«
Als er draußen war, sagte Gimbala zu Varotto: »Das war nicht fair von Ihnen. Ich hatte Ihnen schon die Fesseln abgenommen, bevor der Maggiore hier aufgetaucht ist.«
»Ich weiß«, antwortete Varotto und erhob sich. »Das war dafür, dass Sie sich über den interessanten Artikel lustig gemacht haben.«
Er ließ den Mann stehen und ging, gefolgt von Matthias, ebenfalls nach draußen, wo Gaetani gerade zwei Gruppen zu je fünf Mann losschickte, die die anderen Gebäude durchsuchen sollten. Zwei Carabinieri postierte er am Eingangstor, bevor er gemeinsam mit den restlichen Uniformierten die Durchsuchung des Haupthauses in Angriff nahm.
Varotto und Matthias wollten sich anschließen, was der Maggiore ihnen jedoch verweigerte. Der Commissario erklärte, dass sie sich in der Zeit wenigstens das Gelände außerhalb der Mauern ansehen könnten. Dagegen hatte der Maggiore nichts einzuwenden.
»Was hältst du von dem Ganzen?«, fragte Matthias, kaum dass sie sich einige Meter vom Eingangstor entfernt hatten. Varotto hob die Schultern.
»Ich finde es, gelinde gesagt, sehr merkwürdig. Ein vermeintlicher Abt engagiert einen privaten Sicherheitsdienst zur Bewachung eines Klosters, das keines ist. Er warnt die Männer vor der Polizei und macht sich in dem Moment, als diese auftaucht, mitsamt seinen Mitbrüdern aus dem Staub. Gleichzeitig taucht ein Maggiore auf, der von meinem Chef benachrichtigt worden ist. Der wiederum kann aber eigentlich gar nicht wissen, dass wir hier sind. Das ist wirklich sehr, sehr merkwürdig.«
»Glaubst du, es gibt einen Zusammenhang zwischen den Morden und dem Ganzen hier?«
»Anfangs dachte ich noch, wir sind auf der falschen Fährte. Mittlerweile glaube ich allerdings, dass es doch eine Verbindung gibt. Aber warten wir ab, ob der Maggiore etwas findet.«
Wie zur Antwort hörten sie in diesem Moment aufgeregtes Geschrei aus dem Inneren des Gutshofes. Mit schnellen Schritten gingen sie zum Eingangstor zurück, wo einer der beiden Wachposten auf das rechte Gebäude deutete.
»Da entlang, Commissario.«
Vor den ehemaligen Stallungen stand ein Uniformierter. Er sah aus, als hätte er ein Gespenst gesehen, so kreidebleich war er.
»Da unten!… Gleich links, die Treppe hinunter.«
Ein schwacher Lichtschein drang aus einer Tür, zu der eine Sandsteintreppe hinabführte. Von dort waren Stimmen zu hören. Vorsichtig stiegen Varotto und Matthias die ausgetretenen Stufen hinab.
Unten angekommen, sahen sie am Ende eines etwa zehn Meter langen, schmalen Gangs Gaetani mit einigen Polizisten stehen. Sie alle starrten mit fassungslosen Gesichtern in einen Raum zu ihrer Linken. Der Maggiore wandte sich um, als er Matthias und Varotto näher kommen hörte. Sein Gesicht hatte eine graue Farbe angenommen. Als sie das Ende des Gangs erreicht hatten, verstanden sie, warum.