31. JOHN MACBETH. BOSTON.

Als Casey nach Hause kam, berichtete ihm Macbeth von seinem Treffen mit Bundy und dem, was er über die Namen, die der FBI-Mann erwähnt hatte, herausgefunden hatte. Er erzählte seinem Bruder von Melissas Verbindung zu den beiden Männern und von Bundys Interesse an John Astor und die Simulisten.

»Er schien mehr über sie wissen zu wollen als über den Blinden Glauben, dabei hätte ich gedacht, dass der für das FBI eine größere Bedeutung hat«, erklärte Macbeth. »Hast du schon mal von den Simulisten gehört?«

»Klar«, antwortete Casey. »Mir ist nicht klar, wieso sich das FBI überhaupt für die interessieren sollte. Sie sind eine seltsame Untergruppe der wissenschaftlichen Gemeinde. Ziemlich komisch, aber definitiv harmlos.«

»Und John Astor?«

»Ihre Galionsfigur. Vielleicht ein realer Mensch, vielleicht auch nicht. Dasselbe könnte man von dem sagen, an das sie glauben.«

»Ich kann dir nicht folgen.«

»Religion und Wissenschaft passen nicht zusammen. Wie schon betont: Ersteres existiert nur in Abwesenheit von Letzterem. Aber die Simulisten sind Wissenschaftler, die glauben, dass wir die Religion brauchen – dass es ein grundlegendes menschliches Bedürfnis nach einem Glauben gibt, ob dieser nun totaler Blödsinn ist oder nicht. Also haben sie die Wissenschaft zu ihrer Religion gemacht. Sie glauben, dass Gott noch nicht existiert, aber bald existieren wird. Weil wir ihn erschaffen werden. Die Wissenschaft wird uns zum Gott machen.«

»Wir werden …«, sagte Macbeth. »Das Graffiti, das überall zu sehen ist.«

»Das sind sie. Für die Simulisten gibt es keinen Tag des Jüngsten Gerichts, nur die Singularität, wenn Mensch und Technologie kombiniert werden und der Mensch ins Zeitalter des Posthumanismus eintritt. Hast du von Arthur C. Clarkes Drittem Gesetz gehört?«

»Ja«, entgegnete Macbeth, »das habe ich allerdings: Jede ausreichend weit fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.«

»Warum überrascht es mich nicht, dass du das weißt?« Casey grinste schief. »Jedenfalls gehen die Simulisten noch einen Schritt weiter und behaupten, jede ausreichend weit fortgeschrittene Art der menschlichen Intelligenz ist von Gott nicht zu unterscheiden. Sie glauben, es sei unser Schicksal, aus der kommenden Singularität zunächst als postmenschlich, dann als übermenschlich, später als halbgöttlich und schlussendlich als göttlich hervorzugehen.«

»Und Astor?«

»Der ist ihr Prophet. Angeblich hat er dieses super-verschlüsselte Buch geschrieben, das in der virtuellen Welt verborgen ist und nur den Auserwählten enthüllt wird. Das ist alles Wissenschaft, aber gleichzeitig auch Mystik. Wie die angebliche Dreieinigkeit Gottes soll Astors Natur dual sein, virtuell und körperlich. Der Simulistenanteil daran entspringt ihrem Glauben daran, dass wir als superintelligente Postmenschen Supersimulationen von Menschen, Welten und Universen erschaffen werden, die von der Realität nicht zu unterscheiden sind. Simulationen, bei denen die Menschen, die darin leben, gar nicht wissen, dass sie nicht real sind. Wir werden zu Göttern unserer eigenen Realität.«

»Das klingt für mich wie ein Kult. Und für ausgemachten Blödsinn.«

»Nicht mehr und nicht weniger als bei existenten Religionen. Ich habe bei meiner Arbeit mit vielen bewusstseinsverändernden Dingen zu tun, unendlichen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten; Dinge, die wie Magie erscheinen, aber keine sind. Letztlich gibt es nämlich immer eine Gleichung oder ein Prinzip, womit sie sich doch erklären lassen. Ich glaube, der Simulismus hat als Witz oder als Gedankenexperiment begonnen, um die Irrtümer der Religion aufzuzeigen. Aber Astors Buch soll eine Art Enthüllung enthalten. Eine wissenschaftliche Enthüllung, keine religiöse. Was immer es auch ist, es bringt einige Simulisten dazu, ihren Glauben sehr ernst zu nehmen.«

»Du weißt ziemlich viel darüber.«

»Für eine Weile waren sie am MIT ziemlich angesagt. Vor allem bei den Quantenphysikern. Aber als es nicht mehr lustig war, sprach bald keiner mehr davon.«

»Weißt du, ob Gabriel Rees mit ihnen zu tun hatte?«

Casey zuckte mit den Achseln. »Keine Ahnung. Aber ich bezweifle es.«

Diese letzten Tage in Boston waren eine schwierige und verwirrende Zeit für Macbeth.

Wie jeder andere schaute auch er sich häufiger als sonst die Nachrichten an. Es gab weitere Berichte über bizarre Vorfälle auf der ganzen Welt, aber objektive Berichte über subjektive Erfahrungen waren so gut wie unmöglich, außerdem konnte man sich nie sicher sein, welche Halluzinationen tatsächlich stattgefunden hatten und welche nur erfunden worden waren, um sich fünfzehn Minuten Ruhm zu sichern.

Aber es gab noch andere, fassbarere Gefahren, über die berichtet wurde. Ein Effekt der Visionen war ein sprunghafter Anstieg religiösen Wahns: Fundamentalisten aller Glaubensrichtungen wurden noch fundamentaler, Radikale noch radikaler, Extremisten noch extremer. Jeder Prediger sah in den Geschehnissen eine Rechtfertigung für seine eigene Art des Aberglaubens und der Bigotterie. In den ganzen Vereinigten Staaten verkündeten hitzköpfige Priester den Beginn der Entrückung, während sie Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Misstrauen predigten. In Europa und dem Mittleren Osten riefen analog dazu Mullahs und Ayatollahs die Gläubigen zum Dschihad.

Nicht ganz so weit entfernt betrat ein unscheinbarer, weißer, geschiedener Autoverkäufer, der, soweit man später feststellen konnte, die USA nie verlassen hatte, das überfüllte Foyer eines Computersoftwareunternehmens in der Innenstadt von Washington DC. Er rief »Allahu Akbar« und zündete eine Bombe, die er in seinem Rucksack hatte, und mit der er sich und acht Menschen in seiner Nähe tötete. Am gleichen Tag eröffnete ein nicht identifizierter Schütze arabischer Herkunft das Feuer auf die Kunden eines Apple-Stores in Oregon und tötete sieben von ihnen, bevor er von der Polizei niedergestreckt wurde.

In der Zwischenzeit verbrachte Macbeth viel Zeit damit, mit Professor Poulsen zu telefonieren und zu mailen und ihm zu versichern, dass er Brian Newcombes Bitte nicht nachkommen und sich dem Untersuchungsteam der Weltgesundheitsorganisation somit nicht anschließen werde. Immer, wenn Macbeth mit Poulsen über die seltsamen Ereignisse auf der ganzen Welt sprechen wollte, schien dieser das als Small Talk und bloße triviale Ablenkung abzutun.

Während Casey und der Rest von Boston versuchten, mit dem unerklärlichen Erlebnis des »Geistererdbebens« klarzukommen, wollte Macbeth auf seine eigene Art mit Melissas Tod und dessen ebenso unerklärlichen Umständen fertigwerden. Er rief drei Mal bei der California Highway Patrol an, bis der Zeitunterschied von drei Stunden, Macbeths Zeitplan und Ramirez’ Dienstplan endlich zusammenpassten.

»Was kann ich für Sie tun, Dr. Macbeth?« Ramirez’ Stimme war tief und ruhig, sein Tonfall klang völlig anders, als Macbeth es bei einem Polizisten erwartet hatte.

Er erzählte Ramirez, wer er war, wo er sich aufhielt und warum. Dann berichtete er von seiner früheren Beziehung zu Melissa Collins und dass er einfach nicht an ihren Selbstmord glauben konnte.

»Daran besteht leider kein Zweifel«, meinte Ramirez. »Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sie und die anderen gesprungen sind. Es tut mir sehr leid.«

»Melissa war auf gar keinen Fall selbstmordgefährdet. Besteht denn die Möglichkeit, dass sie falsch identifiziert worden ist?«

»Auch das ist unmöglich. Wir haben sie anhand ihres Ausweises identifiziert, und außerdem habe ich Fotos von Miss Collins gesehen. Sie war es ganz eindeutig.«

»Wirkte sie verstört, als sie gesprungen ist? Oder könnte sie irgendetwas genommen haben?«

»Das hat mich am meisten verwirrt … Sie war völlig ruhig. Fast schon zufrieden. Was Drogen und Alkohol angeht, waren die Tests alle negativ. Haben Sie sie denn gut gekannt?«

»Wir haben eine Weile zusammengelebt, bevor sie an die Westküste gezogen ist. Seitdem ist der Kontakt eingeschlafen. Leider völlig eingeschlafen.«

»Und sie hat in der Zeit, in der Sie sie kannten, nie irgendwelche Anzeichen für eine mentale Unausgewogenheit gezeigt?«

»Nein. Nicht ein Mal.«

Ramirez schwieg. Macbeth hasste es, zu telefonieren, weil er das Schweigen und die Pausen nicht deuten konnte. Er vermutete, dass Ramirez über das nachdachte, was er ihm gesagt hatte.

»Wenn Sie mir die Frage erlauben«, brach Ramirez das Schweigen, »warum hat es so lange gedauert, bis Sie sich bei mir melden? Es ist über zwei Monate her, dass Miss Collins gestorben ist.«

»Ich habe es gerade erst erfahren. Gut, ich hatte natürlich von den Golden-Gate-Selbstmorden gehört und den anderen in Japan, aber ich kannte keine Details. Ich lebe und arbeite wie gesagt in Dänemark. Erst als mich das FBI, genauer gesagt Agent Bundy, darauf angesprochen hat, habe ich herausgefunden, dass Melissa tot ist.«

»Das FBI?« Irgendetwas schwang in Ramirez’ ruhiger, gleichmäßiger Stimme mit. Möglicherweise Misstrauen. »Es überrascht mich, dass wir nicht informiert wurden. Wie lange bleiben Sie in Boston, Dr. Macbeth?«

»Nur bis Ende der Woche. Meinem Boss in Kopenhagen wäre es lieber, wenn ich sogar noch früher zurückkomme.«

Wieder gab es eine Pause.

»Okay«, meinte Ramirez dann. »Ich wollte ohnehin in etwa einer Woche nach Boston kommen, um einem Hinweis in dieser Angelegenheit nachzugehen, aber ich werde versuchen, das Ganze vorzuziehen. Hätten Sie ein wenig Zeit für mich, falls es mir gelingen sollte hinzukommen, solange Sie noch da sind?«

»Natürlich«, antwortete Macbeth. »Aber ich dachte, dass Ihre Ermittlungen in Bezug auf Melissas Tod abgeschlossen wären, da es doch ganz offensichtlich Selbstmord gewesen ist.«

»Es war eindeutig Selbstmord, aber dieser Fall hat sehr viel Aufmerksamkeit erregt, und wir stehen unter Druck, unbedingt herauszufinden, warum die alle gesprungen sind. Daher komme ich nach Boston, um so viel wie möglich von Deborah Canning zu erfahren, der einzigen Mitarbeiterin dieses Unternehmens, die an jenem Morgen nicht dabei gewesen ist. Vielleicht kann sie ein wenig Licht in die Sache bringen.«

»Deborah Canning? Deborah Canning ist in Boston?« Macbeth war verblüfft. Warum hatte Bundy, der FBI-Mann, das nicht erwähnt?

»Zumindest hat man mir das so gesagt. Sie hatte wohl eine Art Zusammenbruch, und ich habe gerade erst die Erlaubnis bekommen, mit ihr zu sprechen. Sie ist im McLean-Krankenhaus …«

Macbeth war froh, dass er bei Casey eingezogen war. Es fiel ihm häufig schwer, eine Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen, und diese offensichtliche Frequenzdissonanz erschwerte es denen dann oft, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Doch Casey besaß zwar eine völlig andere Persönlichkeit, aber sie waren zumindest auf derselben Wellenlänge. Er verstand Macbeth.

In dieser Woche unterhielten sie sich viel und manchmal bis spät in die Nacht. Macbeth berichtete Casey, was er über Melissa und die seltsamen Verbindungen zwischen ihrem Tod und dem von Killberg und Tennant herausgefunden hatte. Außerdem teilte er ihm alles mit, was er von dem WHO-Team erfahren hatte.

»Und, willst du mit ihnen zusammenarbeiten?«, fragte Casey eines Abends, als sie ermattet und mit zusammengesackten Schultern in der Küche saßen und Tee tranken.

»Ich kann nicht. Mir ist klar, dass es eine Ehre und sehr wichtig ist, aber es gibt andere Personen, die besser dafür qualifiziert wären. Meine Arbeit in Kopenhagen ist ebenso bedeutend, und dort kann niemand meinen Platz einnehmen. Ich habe jedoch zugestimmt, dass ich Ihnen meine Meinung zu den Daten mitteilen werde, das ist aber auch schon alles.«

»Ich weiß nicht, John, irgendetwas Seltsames geht hier vor sich. Es ist wie eine Seuche oder so was. Eine Seuche des Verstands.« Casey verzog die Miene und malte bei diesen Worten Anführungszeichen in die Luft. »Die Menschen haben Angst. Ich fürchte mich selbst ein wenig. Heute bin ich auf dem Bürgersteig zusammengezuckt, weil ich einen Wagen übersehen habe. Hätte er nicht gehupt, wäre ich einfach davorgelaufen. Aber nachdem das Auto weg war, habe ich mich gefragt, ob es überhaupt jemals da gewesen ist. Wir drehen alle langsam durch. Keiner weiß mehr, was er noch glauben soll. Ich dachte eigentlich, es wäre die psychiatrische Herausforderung des Jahrhunderts, dieser Sache auf den Grund zu gehen.«

»Fliegst du noch immer zu dem Blackwell-Symposium nach Oxford?«

»Natürlich.«

»Dann müsstest du mich eigentlich verstehen. Das Projekt in Kopenhagen ist für mich ebenso wichtig wie Blackwells Prometheus für dich. Wir stehen kurz davor, den Verstand komplett zu entschlüsseln. Und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass man die Antwort auf das, was gerade geschieht, finden kann, indem man nach Mustern in epidemiologischen Statistiken sucht.«

»Vermutlich hast du recht.« Casey seufzte resigniert und lehnte sich auf dem Küchenstuhl zurück. »Übrigens habe ich mir deinen Laptop angesehen.«

»Super … Konntest du den Ordner öffnen?«

Casey schüttelte den Kopf. »Nein. Man kann nicht einmal das Symbol anklicken oder sich die Eigenschaften anzeigen lassen, um zu erkennen, wie groß er ist oder ob er vielleicht sogar leer ist.«

Macbeth zuckte mit den Achseln. »Dann werde ich ihn einfach ignorieren …«

»Das würde ich nicht tun. Irgendetwas daran gefällt mir ganz und gar nicht. Du hast sehr viele wichtige Daten auf deinem Computer, die mit deiner Arbeit zu tun haben. Ich habe das ungute Gefühl, dass dein Laptop vielleicht gehackt wurde und man auf diese Weise den Ordner dort angelegt hat.«

»Dann ist es eine Art Trojaner?«

»Trojanerviren verstecken sich normalerweise gut auf deiner Festplatte und sind meist nur mit einer Antivirensoftware zu erkennen. Nein …« Casey runzelte die Stirn. »Nein, das ist etwas anderes. Ich habe einen Virenscan gemacht und alle deine wichtigen Dateien auf eine externe Festplatte kopiert – aber keine Software, falls sie infiziert sein sollte. Ich habe noch einen Ersatzlaptop, den ich dir leihen kann.«

»Hältst du das wirklich für notwendig?«

»Ich habe so etwas noch nie gesehen.« Casey lachte verwirrt auf. »Weißt du, eigentlich ist es eine fast perfekte Analogie zu dem, was gerade um uns herum passiert: Dein Ordner ist ein Geist – ein Phantom, das hast du selbst gesagt. Ich fing schon an, mich zu fragen, ob er wirklich da auf dem Bildschirm angezeigt ist oder ob wir ihn uns nur einbilden.«

»Du nimmst dir diese Sache zu sehr zu Herzen, Casey«, stellte Macbeth fest. »Die Dinge sind, wie sie sind. Diese Vorfälle sind noch immer isoliert und selten. Ich hätte gedacht, dass gerade du immun gegen diese Medienhysterie sein würdest.«

»Das bin ich anscheinend nicht …«

Sie hatten der Sache einen Namen gegeben: TNHS. Temporäres nicht-pathologisches halluzinatorisches Syndrom. Die American Psychiatric Association hatte dem Syndrom eine eigene DSM-Nummer zugewiesen, und die Weltgesundheitsorganisation übernahm die Bezeichnung für ihre Klassifikation.

Macbeth war nicht davon überzeugt, dass der Name das Erlebnis widerspiegelte oder dass es genug nicht anekdotische Daten gab, auf denen er basierte – ebenso wenig war er der Ansicht, dass es eine etablierte Etiologie gab –, aber er konnte nachvollziehen, warum man sich für diese Bezeichnung entschieden hatte. Die Medien – nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt – hatten begonnen, es das »Boston-Syndrom« zu nennen, daher war das Bedürfnis groß, dem Erlebnis einen offiziellen Namen zu geben, um vor der Öffentlichkeit den Anschein zu erwecken, dass die Mediziner etwas gefunden und isoliert hatten. Das Wort »temporär« war zweifellos hinzugefügt worden, um den Menschen, die ein solches Erlebnis gehabt hatten, zu versichern, dass es sich dabei um kein chronisches Problem handelte.

Auch wenn er Newcombes Bitte abgelehnt hatte, sich dem Untersuchungsteam anzuschließen, war Macbeth einverstanden, mit ihnen am Schilder Institute zusammenzuarbeiten, bis er zurück nach Kopenhagen flog. Er schlug auch erneut vor, sich mit Josh Hoberman in Verbindung zu setzen.

Daraufhin teilte man Macbeth mit, dass Hoberman offenbar aus seinem Haus in Virginia verschwunden sei und auch in seiner Klinik seit über einer Woche nicht mehr gesehen worden war. Angesichts der Gefahr, in der Wissenschaftler aufgrund des Blinden Glaubens und ähnlicher Gruppierungen schwebten, hatte man daraufhin die Polizei informiert.

Macbeth schlug außerdem vor, dass das Team Pete Corbin mit einbezog, der sich in Boston und somit vor Ort aufhielt und schließlich derjenige gewesen war, der das erste Auftreten des Syndroms festgestellt hatte. Doch dieser Vorschlag traf nicht unbedingt auf begeistertes Interesse.

Am Donnerstagmorgen rief Macbeth bei Corbin an.

»Steht unsere Verabredung für morgen 10.30 Uhr noch?«, erkundigte sich Corbin. »Ich möchte dir immer noch meine Patientin vorstellen. Irgendwie bin ich der Ansicht, dass dieser Fall mit all den anderen Dingen, die so passieren, zusammenhängt. Daher würde ich gern deine Meinung dazu hören.«

»Eigentlich rufe ich genau aus diesem Grund an, Pete. Es gibt da noch eine andere Patientin, mit der ich mich viel lieber unterhalten würde, falls das möglich ist. Man hat mir erzählt, dass sie im McLean behandelt wird. Ihr Name ist Deborah Canning.«

Corbin antwortete nicht sofort. Wieder einmal gelang es Macbeth nicht, das Schweigen in der Leitung zu deuten, und er überlegte, ob Pete enttäuscht war, dass Macbeth seine Patientin nicht sehen wollte.

»Scheiße …«, murmelte Corbin schließlich. »Das ist wirklich ein komischer Zufall, John. Deborah Canning ist meine Patientin und genau die Frau, die du dir ansehen sollst …«