Das Tagebuch von Infessura und andere Fälschungen

Ein anderer, in der Forschungsliteratur ausgiebig zitierter Text ist das Tagebuch von Stefano Infessura, Skribent beim Senat von Rom in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Aus seiner Feder stammen zahllose Verleumdungen des Borgia-Papstes, die in Biographien, Lehrbücher und Enzyklopädien aufgenommen wurden, um dann in Fernsehserien, Novellen und Romanen und sogar in Hollywoodfilmen weiterzuleben.

Auch in diesem Fall gibt es keinen Originaltext, auf den man sich beziehen könnte (aber dieser Umstand wird von den Historikern im Allgemeinen verschwiegen, wenn sie sich nicht an ein Fachpublikum wenden). Von Infessuras Tagebuch sind zahlreiche Kopien im Umlauf, und sie unterscheiden sich so stark, die Editionslage ist so chaotisch, dass sogar die Ausgaben aus neuerer Zeit den Text halb auf Latein, halb auf Italienisch abdrucken. Ausführlich wurde nachgewiesen, dass der Text unendlich viele Interpolationen, Zusätze und Streichungen enthält, darum wäre es unmöglich, all die Hände zu zählen, die teilweise sehr weitgehende Veränderungen vornahmen, und noch schwieriger wäre es, die Urheber dieser «Korrekturen» ausfindig zu machen. Die mangelnde Glaubwürdigkeit des römischen Schreibers und des Textes, der seinen Namen trägt, ist von mehreren Seiten festgestellt worden (Pastor, der Autor der berühmten Storia dei Papi; außerdem Schröck, Brück, die Zeitschrift Civiltà Cattolica und andere, vgl. De Roo, Bd. V, S. 320f.). Trotzdem benutzen (manchmal auch ohne dies anzugeben) Historiker und populärwissenschaftliche Autoren das Tagebuch Infessuras weiterhin seelenruhig als Quelle schlüpfriger Anekdoten über die Papstherrschaft Rodrigo Borgias.

Salai und Leonardo da Vinci 01 - Die Zweifel des Salai
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