10.

Ehrwürdiger Padrone,

soeben bin ich in meine Kammer zurück und schreib Euch jetzt sofort diese Zeilen damit ich sicher sein kann dass ich nichts vergesse, und hoff ich dass Lionardo mich nicht gleich wieder stört weil immer wenn ich Euch grad was Interessantes berichten muss unterbricht er mich um mir einen Auftrag zu geben oder mir irgendeinen neuen Apparat zu erklären wo ihm in den Kopf gekommen, und jedesmal sag ich, Ser Lionardo, den müsst Ihr verbessern, Ihr müsst dies machen und das machen denn sonst funktionirt das Ganze gewiss nicht, und da sagt er verflucht, du hast Recht, und dann schließt er sich wieder für zwei drei Stunden in sein Zimmer und denkt nach, und erst zum Abendessen kommt er zurück mit einem langen Gesicht weil er erkannt hat dass seine Idee nichts taugt und meine Idee, die von Salaì der ich ein Tölpel bin aber ein gesundes Hirn hab wie die normalen Leute, meine Idee funktionirt wahrscheinlich besser als seine obwohl er ein Genius ist, wenigstens sagen das alle, pah, wer weiß.

Jedenfalls die Sache ist so gelaufen. Weil ich Ser Lionardo nach der Geschichte mit dem Diebstahl und dem Mörder etcetera gewiss tausend Fragen gestellt hätte wollt er sich diese Fragen lieber selbst stellen und antwortet auch gleich selbst, was meiner Meinung nach eben genau die Art der oberschlauen Leute ist die einem immer das Wort aus dem Mund nehmen, dann kann ihnen nemlich niemand sagen, guck mal einer an, manchmal redest auch du dummes Zeug grad als wie ein normaler Mensch, und so war das auch wann Lionardo mir Lectiones in Lectura Scriptum Historia Politik Matematik etcetera erteilt weil wenn ich ihn was gefragt und er hat die Antwort nicht gewusst, dann hat er mich angeschrien, Salaì, was stellst du bloß für dämliche Fragen? Denn in Wahrheit ist er selbst ein ebensolch ignioranter Hinterwäldler wie alle die aus Vinci kommen, seinem Dorf, und darum werden sie in Fiorenza ja auch von allen verarscht.

Von dem Reden von Lionardo hab ich jedenfalls den Eindruck, Padrone, dass Eure Idee sehr gut ist zu überwachen was er hier in Rom tut und sagt, denn Ser Lionardo hat sich in eine sehr gefehrliche Angelegenheit eingemischt die könnte viel Böses bringen für unser Fiorenza Gott segne es immerdar Amen.

Ser Lionardo hat mir nemlich gebeichtet, sein Aufenthalt in Rom ist gar nicht für das Studium der Antiken bestimmt, das ist bloß ein Ammenmärchen für die Dummen, denn in Wahrheit ist er hier im Auftrag von Personen die er mir bald nennen will und die Seiner Heiligkeit dem Papst sehr nahe stehen.

Dann zieht er mich am Arm so dass mein Ohr ganz nah an seinem Mund ist und sagt dass jemand, man weiß nicht genau wer, schreckliche Dinge über den Papst verbreitet um Seinen Ruf als guter und heiliger Mann zu besudeln. Der Zweck von diesen Ränken, sagt Lionardo, ist dass die Absichten vom Papst Borgia vereitelt werden sollen. Denn der versucht grade den kleinen italienischen Staaten ordentlich was aufs Dach zu geben damit sie sich nicht immer gegenseitig bekriegen und miteinander einig werden, und da hat er Recht, wo sie doch nur dran denken sich zu befehden und sogar gegen den Papst wettern der ihnen immer sagt, sie müssen zusammenstehen um Italien gegen Frantzosen und Teutsche zu verteidigen, doch der Nachbar geht ihnen viel mehr auf den Senkel als der Fremde. Ich versteh nicht viel von Politik, Padrone, aber eins hab ich kapirt, nemlich dass dieser Papst Borgia wo aus Spanien kommt im Grund viel mehr Italiener ist als die Mailänder, die Fiorentiner, die Sienesen und die Römer etcetera, also als wir Italiener allesamt, weil uns Italien völlig schnurz ist und wir lieber unsrem Nachbarn die Hucke vollhauen, und wenn ich’s recht bedenke dann gehn auch mir der ich aus Fiorenza bin die Leute aus Siena viel mehr auf den Sack, Gott verfluche sie tausendmal, als wie die Frantzosen oder die Teutschen wo ich doch nicht mal verstehe was sie sagen.

Ser Lionardo erzählt mir, um zu erreichen dass die italienischen Staaten endlich tun was er sagt, verlässt sich der Papst auf die militärischen Operationen von Cesare Borgia, der Valentino genannt wird, und dieser Cesare ist sein Neffe und ein tüchtiger General. Aber der Krieg ist komplizirt, nemlich wie auch Ihr wisst, Signior Padrone, Italien ist seit jeher schon allein für sich ein Sauhaufen, doch jetzt herscht allergrößte Confusion seit vor sieben Jahren der Herrscher von Mailand, Ludovico der Moro, die Frantzosen als seine Verbündete nach Italien geholt hat um sein Anrecht aufs Königreich Neapel durchzusetzen.

Lionardo erklärt mir, Papst Borgia hat es nur den militärischen Künsten des Valentino zu verdanken der als General wahrhaftig Mumm in den Knochen hat, dass er Mittelitalien langsam in den Griff kriegt und Fiorenza und Venezia zum Schweigen bringt, und auch die andren kleinen Staaten wie Imola Forlì Faenza Cesena Rimini und Piombino sind schon zerquetscht als wie die Ameisen oder werden’s bald sein. In dem Moment schaut Lionardo mir achtsam in die Augen und sieht aus als hätt er ein schlechtes Gewissen, nemlich er weiß ja genau dass man ihn anklagen könnt unser Fiorenza zu verraten weil er in den Dienst des Papstes getreten, denn das sind harte Zeiten für uns aus Fiorenza, und wer nicht für uns ist der ist gegen uns, und ich muss Euch gewiss nicht dran erinnern, Padrone, dass vor nur drei Jahren niemand andres als dieser Papst den Fra Gerolamo, genannt Savonarola und Anführer der Republik Fiorenza, hat exkommunziren und hinrichten lassen und dass der vorige Papst Sixtus IV. Krieg gegen unser ruhmreiches Geschlecht der Medici geführt und die Verschwörer unterstützt hat die Ser Giuliano de Medici kaltgemacht haben. Und seinen eigenen Bruder Lorenzo, genannt il Magnifico, den hat er auch noch exkommunizirt, und hat erst aufgehört Fiorenza Böses anzutun als in Kalabrien das türckische Heer angekommen ist das allen miteinander, also den Italienern und dem Papst und den Frantzosen eine Scheißangst eingejagt hat so dass sie endlich untereinander Frieden schließen wollten.

Dann versucht Lionardo sich zu entschuldigen und sagt dass jeder gute Christenmensch die Pflicht hat den Heiligen Vater vor Bedrohungen und falschen Anklagen zu schützen, und wenn einer das tut dann bedeutet das noch lange nicht dass er in die Dienste des Papstes getreten ist.

Lionardo hat schon vorhergesehn was ich einwenden könnt, nemlich das wisst auch Ihr, Signior Padrone, dass die Studien von Mastro Lionardo über die Natur, über den Himmel und die Bewegung der Gestirne ihn vom rechten Weg abgebracht haben. Er hat viele Grillen im Kopf und will durch das Filosofiren über die Dinge der Natur verstehen lernen was die Eigenschaften der Gräser sind, und hört gar nicht mehr auf die Bewegungen des Himmels zu beobachten, den Lauf des Mondes und den Gang der Sonne. Über all dem hat er sich in der Seele eine so ketzerische Idee zurechtgemacht dass sie zu keiner einzigen Religion passen will, und dünkt ihm zuletzt dass es viel mehr wert ist ein Filosof zu sein als ein guter Christ.

Danach erklärt er mir endlich was das für Gemeinheiten und üble Nachreden sind die manche gegen den Papst verbreiten, und ich bitt Euch schon vorher um Vergebung, Signior Padrone, weil diese Dinge wisst Ihr vielleicht sowieso.

Vor allem sagen sie dass Roderico Borgia bei der Regierung der Kirche in unglaublich frecher Weise seine Verwandten begünstigt und unterstützt, nemlich er hat drei Leute seiner Familie zu Hauptmännern der Palastwache gemacht und einen andren zum Vizekastellan von Tivoli, dann hat er weitere fünf Verwandte zu Kardinälen ernannt, und ein sechster ist jetzt Verwalter seiner Güter. Ganz zu schweigen von den unzähligen Begünstigungen die seine Neffen Lucretia und Cesare haben, angefangen bei Ämtern wo sie regiren und befehlen können, sodann Ehren und Geld und Ländereien und Kastelle. Weiter sagen die bösen Zungen dass er auch den andren Kardinälen riesige Geschenke gemacht, zum Beispiel hat er Ascanio Sforza den Palazzo de la Cancelleria überlassen also den großen und herrlichen Palazzo nebst unserer Herberge.

Aber Vater, sag ich zu Lionardo, ich hab geglaubt dieser Palazzo wär für den Vizekanzler und darum wohnt der Sforza darin, und nicht weil es sein eigner ist. Was weiß ich, antwortet Lionardo, das dacht ich auch, aber bei all dem üblen Gerede hier kapirt man ja gar nichts mehr, denk nur, die bösen Zungen sagen sogar dass Cesare Borgia nicht der Neffe des Papstes ist sondern sein Sohn, also ein Bastard, und dass auch Lucretia, die Schwester von Cesare, aus den Liebschaften des Pontifex geboren ist.

In Wahrheit, meint Lionardo zu der Sache, wär es nicht mal das Schlimmste wenn Cesare, genannt Valentino, und Lucretia Bastarde des Papstes sind wo doch ein früherer Papst, das war Innozenz VIII., tatsächlich zwei echte Kinder hatte bevor er die heiligen Weihen empfing. Aber man redet Sachen die sind noch viel schlimmer und widerwärtiger, nemlich dass der jetzige Papst nicht nur der Vater von Lucretia ist sondern dass er mit ihr sogar Schweinereien und Unzucht treibt, und das Gleiche sagt man von Cesare und Lucretia, und das bedeutet dass der Sohn des Papstes der Geliebte von seiner Schwester ist, stellt Euch das mal vor, Signior Padrone, da dreht sich einem ja der Magen um. Andre Schandmäuler behaupten auch dass der Papst sich bis zu fünfundzwanzig Weiber auf einen Schlag in seine Gemächer kommen lässt, um sie zusammen mit seinen Freunden, verzeiht, zu ficken und noch andre unanständige Sachen zu machen die sich für einen Papst nun wirklich nicht gehören.

Er gibt aber auch noch das andre Gerücht dass Papst Roderico Borgia eine heimliche sehr junge schöne Geliebte hat welches eine gewisse Giulia aus der adeligen Familie Farnese sein soll, und das Gerücht ist so hartnäckig dass man diese Giulia in Rom die Braut Christi nennt.

Die Lästermäuler sagen auch dass der Papst Borgia ein großer Verräter des katholischen Glaubens ist, denn er hat heimliche und infame Abkommen getroffen mit dem türckischen Sultan Baiazet (dies Gerücht habt auch Ihr, Signior Padrone, vor einiger Zeit in Fiorenza umgehen hören) weil er will die andren christlichen Staaten zu seinem und zum Vorteil von Cesare betrügen.

Und es heißt weiter dass Cesare Borgia nicht nur ein Sohn des Papstes ist sondern auch ein entsetzliches Verbrechen beging, nemlich den Mord an seinem Bruder Giovanni, dem Herzog von Gandia, der vor vier Jahren hier in Rom umgebracht wurde, von wem, weiß man nicht genau, doch auf jeden Fall mit der schändlichen Erlaubnis des Papsts selbst wie die bösen Zungen sagen, und sie sagen auch, ganz Rom weiß genau dass es Cesare war der den Herzog von Gandia kaltgemacht hat. Außerdem wird vermutet dass Cesare seinen Schwager getötet hat, den Ehemann von Lucretia, Alfonso, den Herzog von Bisceglie.

Wie auch immer, Padrone, wenn das alles wahr ist dann wär’s genug um zu sagen, da werd ich doch lieber gleich Türcke und geh zu Mohammed beten, denn wenigstens kann man sich dann sieben Frauen nehmen und die müssen still sein und gehorchen, denn dort befielt noch der Mann, nicht wie bei uns in Fiorenza, wo du mit manchen Weibern zwei bis drei Stunden reden musst bevor sie dich ranlassen und unterdessen ist dir die Lust schon vergangen.

Andrerseits hab ich an das propere Mägdlein aus der Herberge gedacht die sagt, dass dieser Papst unzweifelhaft heilig ist und die meint, das wissen in Rom alle, und sogleich ist mir ein Zweifel gekommen: Wie ist das bloß möglich dass es Leute gibt die sagen dieser Papst ist heilig und andre die im Gegenteil sagen er ist ein Ungeheuer und obendrein so blöd dass es alle in Rom sofort wissen wann er ein Weib geschwängert? Und selbst wenn es so wär, nemlich dass der Papst ein Schwein ist und dämlich zugleich, dann kommt’s mir doch wirklich seltsam vor, Signior Padrone, dass so ein Trottel Papst werden konnt, denn wenn das so ist dann könnt ich wohl Kaiser werden wo ich an Weibern schon zwei oder dreihundert flachgelegt und ihre Männer haben mich nie erwischt.

Dass der Papst an allen Ecken und Enden Kinder haben soll ist eine Lüge meint Lionardo die niemand ernsthaft glauben kann weil der Papst sehr rechtschaffen war als er noch Kardinal war, weshalb er ja auch fünfunddreißig Jahre lang unter fünf verschiednen Päpsten Vizekanzler war, also der wichtigste Kardinal nach dem Papst, und hat geschuftet wie ein Maulesel, und alle vom Heiligen Kollegium haben ihn bewundert und niemand wär im Traum drauf gekommen er könnt so gierig nach Weibern sein dass er sogar eine aus Versehen schwängert, was nemlich ein Feler ist den nur Dummköpfe machen, und das passiert nicht mal mir, Padrone, der ich mir in aller Bescheidenheit sei’s gesagt scharenweise Weiber auf den Spieß stecke, aber wenn ich sie schwängern tät dann würden ihre Eltern gewiss Hackfleisch aus mir machen.

Mamma mia, Padrone, mir dreht sich fast der Kopf von all den hässlichen Sachen die ich über den Papst gehört hab, und waren auch so viele dass mir unmöglich scheint sie können sämtlich falsch sein. Eine aber ist mir natürlich mehr im Kopf geblieben als wie die andren, nemlich dass der Papst Borgia sogar Kinder von einer Frau hat, und drum frag ich Ser Lionardo wer diese Frau sein soll die vom Heiligen Vater schwanger wurd als er jung war und die dann Cesare Borgia und Lucretia geboren hat, und Lionardo antwortet mir: Alle kennen sie, sie heißt Vanozza Cattanei.

Wie ich den Namen zum dritten Mal höre durchfährt’s mich als wenn man mir gesagt hätt, hör mal Salaì, in alle Würste die du in deinem Leben gegessen hast einschließlich der von heut morgen haben wir heimlich deine Scheiße reingetan, und da hab ich mir gedacht dann ist es also kein Zufall dass unsre Herberge der Frau gehört die Kinder mit dem Papst gemacht, will man den Verleumdungen glauben. Aber hat Lionardo diese Herberge ausgesucht? Und warum?

Der Zweifel war mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn mein Ziehvater fragt mich sofort ob ich schon mal von der Vanozza gehört, und ich sag nein, Ser Lionardo, ich frag mich nur wie es möglich ist dass der Papst diese Schandmäuler nicht bestraft, kurzum ich lüg so gut ich kann und zum Glück glaubt Lionardo mein Geflunker fast immer.

Wenn der Papst diese Lügen über sich hört, antwortet Lionardo, lacht er bloß drüber und ist sich seiner Sache gewiss, der Glückliche, denn das ist alles gar zu widersinnig, drum glauben’s die Leute nicht und vergessen’s wieder. Wer hingegen das böse Gerede nicht erträgt, das ist Cesare, genannt der Valentino, denn vor zwei Jahren hat er Charlotte d’Albray geheiratet die Schwester des Königs von Navarra und Cousine des Königs vom Frankenreich, welche erst mal dort geblieben ist, aber sie hat Cesare den Titel eines Herzogs von Valentinois verschafft. Lionardo erklärt mir (Ihr wisst es ja schon) dass Cesare mit grad mal achtzehn Jahren zum Kardinal gemacht wurd, und jetzt wo er fünfundzwanzig ist hat er das Kardinalsgewand abgelegt und als Kommandant des päpstlichen Heeres reihenweise Schlachten gewonnen, und er ist so einer der sieht sofort rot wenn was nicht nach seinem Willen läuft, und kann’s nicht erwarten die Schandmäuler an ihren eignen Klöten aufzuhängen denn, wie Lionardo immer sagt, wer das Böse nicht bestraft lässt zu dass es erneut geschieht, und nichts muss man mehr fürchten als einen üblen Ruf.

Dann gesteht mir mein Ziehvater dass all die Briefe die jüngst aus Rom in Fiorenza angekommen sind vom Valentino waren der ihn um Hilfe bittet wegen den Verleumdungen. Entschuldigt, Ser Lionardo, hab ich gefragt, aber warum will der Valentino ausgerechnet Euch? Und mein Ziehvater antwortet dass der Valentino seinen guten Namen kennt und seine Intelligentz und außerdem hat Lionardo einen famosen Vorwand um hier in Rom zu sein, nemlich dass er Maler ist und Baumeister und die antiken Monumente studiren will. Aber man muss trotzdem sehr vorsichtig sein, und auch wenn der Kerl mich fast aufgespießt hätt wie eine Wurst wär’s nicht klug den Diebstahl und versuchten Mord bei den Sbirren anzuzeigen, sonst fangen sie an Fragen zu stellen, wer seid ihr beide denn woher kommt ihr und was macht ihr in Rom etcetera.

Es ist klar Padrone, dass Lionardo mich für einen Tölpel hält und mir nicht die ganze Wahrheit sagen will, drum hab ich ihn erst mal nicht gefragt was genau diese Aufgabe ist und welchen Lohn er mit Valentino vereinbart hat. Aber ich frag ihn, verzeiht Mastro Lionardo, warum ward Ihr so besorgt um jenes Kästchen das mit Samt gefüttert und was zum Henker sollen die Stäbchen darin? Denn Ihr habt’s ja selbst gesehen dass der Dieb es aufgebrochen hat um reinzuschaun.

Da ist Lionardo stocksteif geworden und man sieht genau er hat eine Heidenangst ein Fremder könnte die Stäbchen entdecken, und fast wollt er mir schon antworten, doch befielt er mir im letzten Moment ich soll losgehn und fragen wie viel der Barbier am Ende der Straße kostet und sagt nur, ich werd’s dir erklären wenn wir das letzte Stäbchen gefunden haben.

Dann ist er in sein Zimmer zurück um seine blöden griechischen Kodizi von Euklid und Philon von Bizanz zu kopiren mit all den andren komplizirten Apparaten drauf, und hernach tut er so, der Schlaumeier, als hätte er sie selbst erfunden vor allem diese Apparate zum Fliegen, obwohl er doch genau weiß dass sie nicht funktioniren, und so einer sie ausprobirt fällt er nach unten als wie ein Stein, aber ich muss so tun wie wenn nichts wär denn wenn ich bloß ein einziges Wörtchen sage jammert er mir den halben Tag lang die Ohren voll und sagt, Salaì, seit ich dich zu mir genommen hab hast du noch rein gar nichts zuwege gebracht, kannst nur fressen stehlen und lügen und halsstarrig sein, und jetzt halt den Mund und hab Respekt vor deinem Ziehvater, ach was soll ich Euch sagen, Signior Padrone, Ihr kennt Lionardo auch, man muss ihn halt stumm ertragen sonst wird er zu einer bösen alten Vettel. Aber danken wir lieber dem Himmel dass mein Ziehvater der wegen höchst geheimer Dinge hier in Rom ist, so blöd war mich mitzunehmen, denn so kann ich all seine Geschäffte ausspioniren und Euch dann berichten. Trotzdem, wann ich zum Barbier geh hab ich das Gefühl dass wir all die Zeit die wir in Rom bleiben in großer Gefahr sein werden, und drum muss ich außer zu Jesus auch zur Jungfrau Maria und allen Heiligen beten damit sie uns beschützen, denn sonst endet das hier ganz böse.

Euer ergebenster

Salaì

Salai und Leonardo da Vinci 01 - Die Zweifel des Salai
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