12.

Erlauchter und ehrwürdigster Padrone, ich hab’s mir ja schon fast gedacht, Lionardo hat nicht durchgehalten. Heut morgen ist er aus Rom weg und hat nicht mal mitgenommen was er zum Zeichnen nötig braucht, um wenigstens vorzutäuschen dass dies der Zweck seiner Reise ist. Wo er wohl stecken mag?

Auf einem Billet das ich unter der Tür fand steht geschrieben dass er mir fast alle seine Sachen überlässt damit ich sie aufbewahre, andre hat er mitgenommen und wieder andre (die ihm nicht so wichtig sind) sind in einer Kiste verschlossen den Mägden der Herberge übergeben worden, damit ich nicht die ganze Zeit auf sie achtgeben muss denn bin ja kein Wachhund.

Den gestrigen Abend sind wir bei der Zigeunerin gewesen, die hat gesagt dass Lionardo von Stund an viel Glück haben wird (für die Zigeunerin ist es recht leicht solche Sachen zu sagen, denn bei Lionardo sieht man genau dass er alles glaubt). Dann hat das Weib auch die Zukunft des Papstes vorausgesehn und hat gesagt dass er alsbald viel Ungemach leiden und keinen guten Tod haben wird, und wird in allen kommenden Jahrhunderten verrufen sein.

Nach der Zigeunerin haben wir einen kleinen Rundgang nah bei der Herberge gemacht, und Lionardo hat einen Laden gesehen mit Büchern und Drucken und Karten von der Geografie und andren Dingen für Leute die gern lesen und hat was gekauft, aber ich hab nicht mal drauf geachtet was das war und bin draußen vor dem Laden geblieben, nemlich die Zigeunerin und ihre Vorhersagen hatten mir die Laune verdorben.

Wenn Lionardo nicht verschwunden wär würd ich sofort nach Fiorenza zurückgehn, und es ist nur mein nimmermüdes Bestreben Euch hier in Rom zu dienen was mich hält, aber ich frage mich trotzdem: War es wirklich nötig dass Lionardo sich in den Dienst vom Valentino gestellt? Wär’s nicht besser gewesen sich so gut wie möglich fernzuhalten von einem so grausamen Mann?

Und ich frag mich was zum Henker ich hier in Rom anstellen soll ohne Lionardo.

Euer ehrerbietigster

Salaì

Salai und Leonardo da Vinci 01 - Die Zweifel des Salai
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