91. KAPITEL
Christine starrte zum Himmel hinauf und fand leicht den großen Bären, das einzige Sternbild, das sie am Nachthimmel überhaupt kannte. Auf dem weichen Bett aus Schnee und unter der wunderbar warmen, kratzigen Wolldecke merkte sie kaum, dass sie neben der Straße lag. Und wenn sie atmen könnte, ohne Blut zu husten, könnte sie vielleicht auch schlafen.
Die Realität schlich sich in Form von Schmerzen und kurzen Erinnerungen ein. Eddie, der ihre Brüste streichelte. Metall, das gegen ihre Beine schlug und ihr die Brust quetschte. Und Timmy. O Gott, Timmy! Sie schmeckte Tränen und versuchte sie zu unterdrücken. Sie wollte sich aufrichten, doch ihr Körper gehorchte nicht. Er verstand ihre Befehle nicht. Könnte sie nicht einfach aufhören zu atmen, wenigstens für ein paar Minuten?
Die Scheinwerfer kamen aus dem Nichts, bogen um die Kurve und blendeten sie. Sie hörte Bremsen quietschen, Reifen blockierten, und Kies spritzte gegen Metall. Zwei gestreckte Gestalten stiegen aus dem Fahrzeug und kamen auf sie zu. Sie glaubte, es seien Außerirdische mit aufgeblasenen Köpfen und vorstehenden Insektenaugen. Dann erkannte sie, dass es die Hüte waren, die ihre Köpfe so groß machten.
„Christine! Großer Gott im Himmel, das ist Christine!“
Lächelnd schloss sie die Augen. Sie hatte noch nie so viel Angst und Panik in der Stimme ihres Vaters gehört. Wie vollkommen unangemessen von ihr, sich darüber zu freuen.
Als ihr Vater und Lloyd Benjamin neben ihr knieten, konnte sie nur sagen: „Eddie weiß, wo Timmy ist.“