3. KAPITEL

Er brach durch das Geäst, das Knacken des Holzes klang wie Explosionen in der Stille der schwarzen Nacht. Folgten sie ihm? Waren sie nah dran? Er wagte nicht zurückzublicken. Plötzlich glitt er auf dem Schlamm aus, verlor das Gleichgewicht und schlitterte hinunter zum Flussufer. Platschend stürzte er ins knietiefe eiskalte Wasser, strampelte in Panik mit Armen und Beinen und schlug klatschend auf das Wasser, dass es klang wie Donnerschläge. Er fiel auf die Knie, begrub seinen schweißnassen Körper im Wasser und sank in den Schlick ein, bis er kinntief im wogenden Fluss steckte. Die Strömung erfasste ihn, zerrte und drohte ihn dorthin zurückzuspulen, woher er soeben geflohen war.

Das kalte Wasser betäubte seine Krämpfe. Wenn er doch bloß atmen könnte. Das Keuchen schmerzte in der Brust und stach ihm in die Seiten. Atme! befahl er sich, als seine Lungen nach Luft schrien. Er stieß auf und schluckte eisiges Flusswasser, keuchte und brachte würgend das meiste wieder heraus.

Er sah die Scheinwerfer nicht mehr. Vielleicht war er weit genug gelaufen. Er lauschte angestrengt, um mehr als das eigene Keuchen zu hören.

Keine schnellen Schritte, keine hechelnden Bluthunde, keine rasenden Motoren. Es war knapp gewesen - der Typ mit der Taschenlampe, hatte der ihn wirklich nicht im Gras hocken sehen? Ja, inzwischen war er sicher, niemand war ihm gefolgt.

Er hätte heute Nacht nicht herkommen sollen. Es war eine dumme Angewohnheit geworden, ein gefährliches Risiko, eine wunderbare Sucht, ein geistiges Aufgeilen. Scham durchdrang ihn heiß trotz des kalten Wassers. Nein, er hätte nicht herkommen sollen. Aber niemand hatte ihn gesehen. Niemand war ihm gefolgt. Er war gerettet - genau wie der Junge.