83. KAPITEL
Timmy schlitterte durch die dornigen Büsche. Er hatte den fremden Mann nah hinter sich gehört und das Licht auf seinem Rücken gespürt, aber nicht gewagt, stehen zu bleiben und zurückzusehen. Er hielt seinen Schlitten fest, so schwierig es auch war, und atmete keuchend. Äste rissen an ihm, Zweige schlugen ihm ins Gesicht. Er stolperte, taumelte herum und fing sich wieder. Er versuchte leise zu sein, doch das unvermeidliche Krachen und Knacken klang in der Stille wie Explosionen. In der Dunkelheit konnte er seine Füße nicht sehen. Sogar der Himmel war verschwunden.
Er blieb stehen, um zu Atem zu kommen, lehnte sich gegen einen Baum und merkte, dass er in der Eile seinen Mantel nicht mitgenommen hatte. Er konnte kaum atmen, so sehr klapperten ihm die Zähne. Sein Herz hämmerte. Er wischte sich das Gesicht und bemerkte Blut und Tränen.
Heul nicht! schalt er sich. Han Solo hat auch nicht geheult.
Dann hörte er es. In der Stille knackten und brachen Aste, und Schnee knirschte. Die Geräusche kamen von hinten und näherten sich. Konnte er sich verstecken und hoffen, dass der Fremde vorbeiging? Nein, er würde bestimmt sein lautes Herzklopfen hören.
Er rannte kopflos weiter, fiel über Baumstümpfe und preschte durch das Unterholz. Ein Ast wischte ihm über die Wange und riss ihn am Ohr. Der Schmerz trieb ihm frische Tränen in die Augen. Plötzlich gab der Boden unter ihm nach. Ein steiler Abhang zwang ihn, sich an Ästen und Felsen festzuhalten, um nicht abzustürzen. Unter sich sah er Wasser glitzern. Er würde es nicht schaffen. Der Wald war zu dicht und der Abhang zu steil. Das Knacken der Äste war noch näher gekommen.
Da bemerkte er die Lichtung zu seiner Rechten. Er kletterte über Felsen, die ihm den Weg versperrten, hielt sich mit einer Hand an Baumwurzeln fest und presste mit einem Arm den Schlitten an sich.
Es war keine große Lichtung, eher ein alter Pferdeweg, der in den Wald geschlagen, aber jetzt mit dürren Ästen überwuchert war, fremdartige Arme mit langen dünnen Fingern, die ihm zu winken schienen. So weit er sehen konnte, führte der Weg in scharfen Windungen bis zum Fluss hinunter, schmal und gefährlich, mit Schneewehen versperrt. Der Schnee machte alles rutschig. Ihm kam eine Idee. Das war ideal, aber auch halsbrecherisch und verrückt. Seine Mom würde einen Anfall kriegen, wenn sie es erfuhr.
Ein Knacken nah hinter ihm ließ ihn zusammenfahren. Er duckte sich in Schnee und Gras. Trotz Dunkelheit sah er den Schatten hinabkriechen, sich am Hang festhalten, den Rücken zu ihm. Ein Rieseninsekt mit ausgestreckten Tentakeln, die Wurzeln und Felsvorsprünge ergriffen.
Timmy legte seinen orangefarbenen Schlitten in den Schnee.
Vorsichtig kroch er hinein. Es war steil, sehr steil sogar. Er gestattete sich einen hektischen Blick über die Schulter. Bald hatte der Fremde ihn erreicht. Timmy richtete den Schlitten auf den Weg aus und streckte den Körper, bis er fast lag. Ihm blieb keine Wahl. Das war sein Ausweg. Er gab sich einen Schubs, und der Schlitten schoss hinab.