Kapitel 27
Eine neue Dimension - Der Brief der
138
Im Herbst 2007 gewann der Dialog zwischen Kirche
und Moschee eine neue Dimension. Papst und Muslime begegneten sich
auf einem hohen theologischen Niveau.
Ein Jahr war seit der denkwürdigen Rede Benedikts
in Regensburg vergangen. Doch nicht den 12. September nahmen sich
muslimische Autoritäten vor, um den Dialog fortzuführen. Zum Ende
des Fastenmonats Ramadan und »zum Jahrestag des Offenen Briefes von
38 islamischen Wissenschaftlern« an den Papst veröffentlichten am
13. Oktober 2007 nun 138 bedeutende Muslimführer einen weiteren
Brief an Benedikt und an »alle Führer von christlichen Kirchen in
der ganzen Welt«. Die Zahl der Autoritäten sollte sich noch auf
rund 250 erweitern. Mehr als ein Brief ist es eine Lehrepistel des
Islam. Sie ist ziemlich lang, fast 20 Seiten, und legt in weiten
Passagen das muslimische Glaubensbekenntnis dar. Daraus spricht ein
von Zweifeln nicht angekränkeltes Glaubensverständnis. Von
muslimischer Seite aus soll der Dialog mit ungebrochenem
Selbstbewusstsein geführt werden. Warum auch nicht, wenn es hilft.
Es sei denn, die Bereitschaft zum hypothetischen Zweifel, auch an
der eigenen Position, ist die Bedingung der Möglichkeit von Dialog
überhaupt. Oder erst in einem weiteren Stadium. Feste Gläubigkeit
gilt für beide Seiten.
So war es mehr als ein Brief, in dem ein Dialog
weitergeführt werden soll, Rede und Widerrede, Verstehen und
Gegenverständnis ausgetauscht werden. Die Epistel an die
Christenführer ist besonders in den ersten beiden Teilen
Selbstdarstellung des muslimischen Glaubens.
Aufklärungskultur und systematischer Zweifel
Der »westliche« Leser wird sich damit schwertun.
Er ist geprägt von Jahrhunderten der Aufklärungskultur, die der
Islam so nicht durchlaufen hat. Der systematische Zweifel um des
Glaubensgewinns willen ist Teil der westlichen Theologie. Deshalb
besteht ein Teil des theologischen Dialogs auch darin, die
Unterschiede einer Jahrhunderte währenden Geistesentwicklung, der
europäischen und der islamischen, zurückzuverfolgen. Dass Benedikt
XVI. zu solchen geistesgeschichtlichen Ausflügen neigt, hat er in
Regensburg vorgeführt. Noch einmal exemplarisch in Paris, am 12.
September 2008, auf den Tag genau zwei Jahre nach der umstrittenen
Vorlesung - auch Päpste wissen Jahrestage zu würdigen. In der auf
das Mittelalter zurückgehenden Gelehrtenschmiede des Pariser
Collège des Bernardins unternahm er vor der Crème de la Crème
französischer Politiker und Intellektueller eine Tour d’horizon
über die »Ursprünge der abendländischen Theologie und die Wurzeln
der europäischen Kultur« am Beispiel des Mönchtums. Aber das nur
nebenbei und als Beispiel dafür, welches Niveau des Dialogs unter
diesem Papst notwendig ist.
In der mittelalterlichen Scholastik schon lernten
die Europäer die Unterscheidung zwischen der »Fides quae creditur«
und der »Fides qua creditur«, zwischen dem »Glauben, der geglaubt«,
und dem, »mit dem geglaubt wird«, zwischen dem Glaubensinhalt -
dass Gott etwa der Schöpfer und Erlöser ist - und der Hingabe des
Glaubens - dass Gott mit ganzem Herzen geliebt werde. Diese
Distinktion machte gerade an der Pariser Universität, der Sorbonne,
den Weg frei für eine rationale Theologie, der allerdings der
Vorwurf des Unglaubens nicht erspart blieb. Es befreite zudem das
rationale Denken von der Rücksicht auf religiöse Lehren und vom
Einspruch geistlicher Instanzen. Die Sphären des Religiösen und des
Weltlichen konnten so getrennt werden und beide sich jeweils
fruchtbar entwickeln.
Das erste Gebot
Diese Unterscheidung und Trennung - was Europäer
seitdem als Fortschritt ansehen - stellt sich für Muslime jedoch
nahezu als Abfall und Versuchung dar. Denn Allah fordert die ganze
Öffnung des Menschen, seine totale Hingabe, und nichts darf dem
entzogen werden. Darum kreist der ganze erste Teil des »Briefes der
138«, mit dem Hinweis, dass auch das erste und oberste Gebot der
Bibel die ganze Hingabe an Gott bedeutet. Zitat Markusevangelium,
12. Kapitel, Verse 28 bis 31: »Darum sollst du den Herrn, deinen
Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen
Gedanken und all deiner Kraft.« Dass der aufgeklärte europäische
Verstand die Gedanken von Gott abziehen könnte, ist für Muslime
also eher ein Ärgernis. Der Dialog müsste schon da herausstellen,
dass nicht die Entthronung Gottes, letztlich sein Tod - wie in
einem Teil der europäischen Philosophie und sogar bei einigen
säkularisierten Theologen - geplant ist, sondern die Reinigung des
Religiösen, wie die europäische Geistesgeschichte aus christlichem
Glauben zeigt.
Es ist ein religiöser Brief an Christen, der
Glauben und Gläubigkeit aus muslimischem Geist atmet. Feierlich
hebt er an:
»Ein gemeinsames Wort zwischen uns und Ihnen Im
Namen Gottes des Barmherzigen, des Gnädigen, Rufe auf zum Weg
deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und streite mit
ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer
von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er kennt am besten jene, die
rechtgeleitet sind.«
Der erste und längste Teil ist der »Liebe zu Gott«
gewidmet, »im Islam« und »in der Bibel«, der zweite, weitaus
kürzere der »Liebe zum Nächsten«, wiederum unterteilt, »im Islam«
und »in der Bibel«.
Es ist durchaus erhebend, sich von diesen langen
Darlegungen des Glaubens und der Liebe, auch mit vielen
Wiederholungen, umfangen zu lassen. Lehren sie doch, wie viel Juden
(mit den Psalmen etwa), Christen (mit ihren Gebeten und
Kirchenliedern
zum Beispiel) und Muslime gemeinsam und wie sie doch andere
Kulturen ausgebildet haben. Allein der viel geringere Umfang des
Neuen Testaments der Christen im Verhältnis zur Bibel (dem Alten
Testament) der Juden und dem Koran gibt eine Idee von der
unterschiedlichen Ausgangsposition für ein Gespräch anhand der
heiligen Schriften.
Dritter Teil des Briefes im Wortlaut
Die Grundlage des weiteren Dialogs von
muslimischer Seite aus kann daher der dritte Teil des Briefes
bieten, der die beiden ersten Teile noch einmal aufnimmt und die
Folgerungen daraus zieht. Sein Wortlaut ist (nach der nicht
autorisierten Arbeits- übersetzung aus dem Englischen von Margret
Still; ©»Die Tagespost« vom 16. Oktober 2007):
(III) Wir kommen zu dem Gemeinsamen Wort
zwischen uns und Ihnen
Ein gemeinsames Wort
In Anerkennung der Tatsache, dass der Islam und
das Christentum offensichtlich unterschiedliche Religionen sind -
und in Anerkennung der Tatsache, dass man die formalen Unterschiede
nicht minimieren kann -, ist dennoch klar, dass im Bereich der
»beiden wichtigsten Gebote« Gemeinsamkeiten und Verbindungen
zwischen dem Koran, der Thora und dem Neuen Testament bestehen. Was
den beiden Geboten in der Thora und dem Neuen Testament vorausgeht
und was aus ihnen erwächst, ist die Einzigkeit Gottes - dass es nur
einen Gott gibt. Denn die Shema der Thora beginnt mit den Worten
(Deuteronomium 6,4): »Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe, ist
einzig!« Ebenso hat Jesus gesagt (Markus 12,29): »Das erste [Gebot,
Anm. der Redaktion] ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist
der einzige Herr.« In gleicher Weise sagt Gott im Heiligen Koran:
»Sprich: ›Er ist Allah, der Einzige; Allah, der Unabhängige und von
allen Angeflehte.‹« (Reinheit des Vertrauens,
112,1-2) Deshalb stellen die Einzigkeit Gottes, die Liebe zu Ihm
und die Liebe zum Nächsten eine gemeinsame Basis dar, auf der der
Islam und das Christentum (und der Judaismus) gegründet sind.
Das kann auch gar nicht anders sein, denn Jesus hat
gesagt (Matthäus 22,40): »An diesen beiden Geboten hängt das ganze
Gesetz samt den Propheten.« Darüber hinaus hat Gott im Heiligen
Koran bestätigt, dass Mohammed nichts fundamental oder essenziell
Neues gebracht hat: »Nichts anderes wird dir [Mohammed] gesagt, als
was schon den Gesandten vor dir gesagt ward« (Der Goldschmuck,
41,43). Und: »Sprich [Mohammed]: ›Ich bin keine neue Erscheinung
unter den Gesandten, und ich weiß nicht, was mit mir oder mit euch
geschehen wird. Ich folge bloß dem, was mir offenbart ward; und ich
bin nur ein aufklärender Warner‹« (Die Dünen, 46,9). Ebenso
bestätigt Gott im Heiligen Koran, dass die gleichen ewigen
Wahrheiten über die Einzigkeit Gottes, über die Notwendigkeit einer
totalen Liebe zu und Hingabe an Gott (und damit die Ablehnung aller
falschen Götter) und die Notwendigkeit der Liebe zu den Mitmenschen
(und damit Gerechtigkeit) allen wahren Religionen zugrunde
liegen:
»Und in jedem Volke erweckten Wir einen Gesandten
(der da predigte): ›Dienet Allah und meidet den Bösen.‹ Dann waren
unter ihnen einige, die Allah leitete, und es waren unter ihnen
einige, die sich Verderben zuzogen. So reiset umher auf der Erde
und seht, wie das Ende der Leugner war!« (Die Biene, 16,36).
»Wahrlich, Wir schickten Unsere Gesandten mit klaren Beweisen und
sandten mit ihnen das Buch und das Maß herab, auf dass die Menschen
Gerechtigkeit üben möchten« (Das Eisen, 57,25).
Kommen Sie zu einem gemeinsamen
Wort!
Im Heiligen Koran sagt der Allerhöchste Gott den
Muslimen, sie sollten den folgenden Aufruf an die Christen [und
Juden - die Völker der Bibel] richten: »Sprich: ›O Volk der Schrift
[Bibel], kommt herbei zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns
und
euch: dass wir keinen anbeten denn Allah und dass wir Ihm keinen
Nebenbuhler zur Seite stellen und dass nicht die einen unter uns
die anderen zu Herren nehmen statt Allah.‹ Doch wenn sie sich
abkehren, dann sprecht: ›Bezeugt, dass wir uns (Gott) ergeben
haben‹« (Die Sippe Imrans, 3,64). Ganz klar beziehen sich die
gesegneten Worte, »dass wir Ihm keinen Nebenbuhler zur Seite
stellen«, auf die Einzigkeit Gottes. Ganz klar bezieht sich auch
das »keinen anbeten denn Allah« auf die völlige Hingabe an Gott und
damit an das »erste und wichtigste Gebot«. Laut einem der ältesten
und maßgeblichsten Kommentare (tafsir) zum Koran (Jami al-Bayon fi
Tawill al-Quran von Abu Jafar Muhammed Bin Jari al-Tabri, 310
A.H./923 C.E.) bedeutet dies, »dass niemand von uns sich andere
Götter als Gott nehmen soll« sowie »dass niemand etwas befolgen
soll, was sich gegen die von Gott gegebenen Gebote richtet«, und
dass niemand sich »vor anderen [Göttern, Anm. der Redaktion] so
verbeugt, wie er es vor Gott tut«. Mit anderen Worten bedeutet
dies, dass Muslime, Christen und Juden jeweils die Freiheit haben
sollten, den von Gott gegebenen Geboten Folge zu leisten und sich
nicht »vor Königen und Ähnlichem verbeugen« zu müssen; denn Gott
sagt an anderer Stelle im Heiligen Koran: »Es soll kein Zwang sein
im Glauben […]« (Die Kuh, 2,256). Dies bezieht sich ganz
unmissverständlich auf das zweite Gebot und auf die Liebe zum
Nächsten, wobei Gerechtigkeit und Religionsfreiheit dabei eine
ausschlaggebende Rolle spielen. Gott sagt im Heiligen Koran: »Allah
verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht bekämpft haben des
Glaubens wegen und euch nicht aus euren Heimstätten vertrieben
haben, gütig zu sein und billig mit ihnen zu verfahren; Allah liebt
die Billigkeit Zeigenden« (Die Prüfung, 60,8).
Aus diesem Grund laden wir als Muslime die Christen
ein, sich an Jesu Worte im Evangelium zu erinnern (Markus 12,
29-31): »[…] der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum
sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und
ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Dies
ist das erste Gebot. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist grö
ßer als diese beiden.« Als Muslime sagen wir den Christen, dass
wir nicht gegen sie sind und der Islam nicht gegen sie - solange
sie keinen Krieg aus religiösen Gründen gegen Muslime führen, diese
unterdrücken und aus ihren Häusern vertreiben (in Übereinstimmung
mit dem Vers des Heiligen Koran [Die Prüfung, 60,8], wie oben
zitiert). Darüber hinaus sagt Gott im Heiligen Koran: »Sie sind
nicht (alle) gleich. Unter dem Volke der Schrift ist eine Gemeinde,
die fest (zu ihrem Vertrag) steht; sie sprechen Allahs Wort in den
Stunden der Nacht und werfen sich nieder (vor Ihm). Sie glauben an
Allah und an den Jüngsten Tag und gebieten das Gute und verwehren
das Böse und wetteifern miteinander in guten Werken. Und sie zählen
zu den Rechtschaffenen. Und was sie Gutes tun, nimmer wird es ihnen
bestritten; und Allah kennt die Gottesfürchtigen wohl« (Die Sippe
Imrans, 3,113-115).
Ist das Christentum grundsätzlich gegen den Islam?
Im Evangelium sagt Christus: »Wer nicht für mich ist, der ist gegen
mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut« (Matthäus 12, 30).
»Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns« (Markus 9,40).
»Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch« (Lukas
9,50).
Dem seligen Theophylact zufolge - »Erklärungen des
Neuen Testamentes« - sind diese Äußerungen kein Widerspruch, denn
die erste Aussage (in dem tatsächlichen griechischen Text des Neuen
Testaments) bezieht sich auf Dämonen, während sich die zweite und
dritte Aussage auf die Menschen bezieht, die Jesus anerkannt haben,
aber keine Christen waren. Die Muslime erkennen Jesus Christus als
den Messias an, allerdings nicht in der gleichen Weise, wie es die
Christen tun (aber auch die Christen selbst haben sich niemals
untereinander über die Frage nach der wahren Natur Jesu Christi
einigen können), sondern in der folgenden Weise: »Der Messias,
Jesus, Sohn der Maria, war nur ein Gesandter Allahs und eine frohe
Botschaft von Ihm, die Er niedersandte zu Maria, und eine Gnade von
Ihm« (Die Frauen, 4,171). Deshalb laden wir die Christen ein,
Muslime nicht als »gegen« sie gerichtet zu sehen, sondern als »mit«
ihnen, so wie es mit den Worten Jesu Christi hier übereinstimmt.
Schließlich
möchten wir als Muslime, gehorsam gegenüber dem Heiligen Koran,
die Christen bitten, mit uns in den übereinstimmenden Grundlagen
unser beider Religionen zusammenzukommen, »[…] dass wir keinen
anbeten denn Allah und dass wir Ihm keinen Nebenbuhler zur Seite
stellen und dass nicht die einen unter uns die anderen zu Herren
nehmen statt Allah« (Die Sippe Imrans, 3,64).
Lassen Sie uns diese gemeinsamen Grundlagen als
Basis für jeglichen zukünftigen interreligiösen Dialog zwischen uns
nehmen, denn an diesen gemeinsamen Grundlagen hängt »das ganze
Gesetz samt den Propheten« (Matthäus 22,40). Gott sagt im Heiligen
Koran: »Sprecht (ihr Muslime): ›Wir glauben an Allah und was zu uns
herabgesandt worden, und was herabgesandt ward Abraham und Ismael
und Isaak und Jakob und (seinen) Kindern und was gegeben ward Moses
und Jesus und was gegeben ward (allen anderen) Propheten von ihrem
Herrn. Wir machen keinen Unterschied zwischen ihnen; und Ihm
ergeben wir uns.‹ Und wenn sie glauben, wie ihr geglaubt habt, dann
sind sie rechtgeleitet; kehren sie jedoch um, dann bringen sie
Spaltung, aber Allah wird dir sicherlich genügen gegen sie, denn Er
ist der Allhörende, der Allwissende« (Die Kuh, 2,136-137).
Zwischen Ihnen und uns
Die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen Muslimen
und Christen ist nicht einfach eine Frage des höflichen
ökumenischen Dialogs zwischen ausgewählten religiösen Führern. Das
Christentum und der Islam sind die größte beziehungsweise die
zweitgrößte Religion in der Welt und in der Geschichte. Christen
und Muslime stellen nachweislich mehr als ein Drittel
beziehungsweise mehr als ein Fünftel der Menschheit. Gemeinsam
machen sie 55 Prozent der Weltbevölkerung aus, und damit ist die
Beziehung zwischen diesen beiden Religionsgemeinschaften der
wichtigste Faktor, um zu einem bedeutungsvollen Frieden auf der
ganzen Welt beizutragen. Wenn Muslime und Christen nicht
miteinander im Frieden leben, kann es auf der Welt keinen
Frieden geben. Angesichts der schrecklichen Waffen auf der Welt,
angesichts der nie zuvor dagewesenen Verflechtung zwischen Muslimen
und Christen kann keine Partei einseitig einen Konflikt gewinnen,
in den mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung involviert sein
würde. Deshalb geht es um unsere gemeinsame Zukunft. Vielleicht
steht sogar das reine Überleben der Welt auf dem Spiel.
Und all denjenigen, die dessen ungeachtet um ihrer
eigenen Zwecke willen in Konflikten und Zerstörung schwelgen oder
der Ansicht sind, letztendlich aus diesen Gewinn ziehen zu können,
wollen wir sagen, dass auch unsere unsterblichen Seelen auf dem
Spiel stehen, wenn wir keine ernsthaften Anstrengungen unternehmen,
miteinander in Frieden und Harmonie zu leben. Gott sagt im Heiligen
Koran: »Allah gebietet Gerechtigkeit und uneigennützig Gutes zu tun
und zu spenden wie den Verwandten; und Er verbietet das
Schändliche, das offenbar Schlechte und die Übertretung. Er ermahnt
euch, auf dass ihr es beherzigt« (Die Biene, 16,90). Jesus Christus
hat gesagt: »Selig, die Frieden stiften […]« (Matthäus 5,9), und
ebenso: »Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt
gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?« (Matthäus 16,26).
Deshalb sollten unsere Differenzen nicht zu Hass
und Streit zwischen uns führen. Lasst uns vielmehr miteinander um
Rechtschaffenheit und gute Werke wetteifern. Lasst uns einander
respektieren, lasst uns fair, gerecht und freundlich zueinander
sein, lasst uns in einem echten Frieden, in Harmonie und in
gegenseitigem Wohlwollen miteinander leben. Gott sagt im Heiligen
Koran: »Wir haben dir das Buch hinabgesandt mit der Wahrheit, als
Erfüllung dessen, was schon in dem Buche war, und als Wächter
darüber. Richte darum zwischen ihnen nach dem, was Allah
hinabgesandt hat, und folge nicht ihren bösen Neigungen gegen die
Wahrheit, die zu dir gekommen ist. Einem jeden von euch haben Wir
eine klare Satzung und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und
hätte Allah gewollt, Er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde
gemacht, doch Er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das,
was Er euch gegeben. Wetteifert darum miteinander in guten Werken.
Zu Allah ist euer aller
Heimkehr; dann wird Er euch aufklären über das, worüber ihr
uneinig wart« (Der Tisch, 5:48).
Wal-Salaamu »Alaykum«.
Pax Vobiscum
© 2007 C. E. (christliche Zeitrechnung), 1428 A.
H. (nach der Hidschra, islamische Zeitrechnung)
Das Königliche Aal-al-Bayt-Institut für
Islamisches Gedankengut, Jordanien
Der Papst antwortete darauf Ende November. Das
heißt, er ließ antworten, durch den Kardinalstaatssekretär Bertone.
Nicht aus Geringschätzung für den Hauptverantwortlichen des
Briefes, Prinz Ghazi Bin Muhammad Bin Talal, Präsident des
Aal-al-Bayt-Instituts für Islamisches Denken, dessen Initiative
dabei viel zu verdanken war. Sondern vornehmlich aus
protokollarischen Gründen, weil der Papst als Oberhaupt der
katholischen Kirche auch Souverän des Vatikanstaats ist. Ein König
zum Beispiel ist ihm von daher ebenbürtig.
Der von Saudi-Arabien zum Beispiel. Und am besten
dieser, weil er der Hüter der heiligen Stätten des Islam ist.
Darauf lief es hinaus. Abdullah Bin Abdulaziz al-Saud, der König
von Saudi-Arabien, stand gleichsam schon vor dem Tor des
päpstlichen Palastes.