Samstag, 3. Juli

Gerade habe ich Marc Connelly angerufen. In meiner Kindheit, als meine Eltern fanatische Theaterbesucher waren, galt er als der Star der Stückeschreiber. Hätten sie doch erleben können, was für einen Fan-Brief er mir geschrieben hat! Der Brief kam kurz vor Weihnachten bei mir an, und ich hätte ihn beinahe weggeworfen, ohne ihn zu lesen. Connellys Name ist mit einer obskuren Wohltätigkeitsorganisation verbunden, die ich nicht unterstütze, und ich hatte den Brief für einen Spendenaufruf gehalten. Meine Hand schwebte schon über dem Papierkorb, als mir auffiel, dass der Brief eigentlich ziemlich dünn für einen Spendenaufruf war. Also machte ich ihn auf:

Sehr geehrte Miss Hanff,

angesichts der Flut von Briefen, die auf Sie einstürzt (wie viele dankbare Menschen haben Ihnen bisher geschrieben – eine Million? Zwei Millionen?), werden Sie vermutlich erst in einem Jahr oder so dazu kommen, diesen Brief zu lesen.

Und dann werden Sie feststellen, dass es ein Brief ist wie all die anderen auch: Es steht drin, dass 84, Charing Cross Road zärtlich und lustig und leuchtend und wunderschön ist und den Leser mit Freude darüber erfüllt, dass er mit Ihnen in dem gleichen Jahrhundert lebt.

Kniefällig

Marc Connelly

Und ich hätte den Brief beinahe weggeworfen, ohne ihn aufzumachen!

Ein paar Monate später traf ich mich mit ihm, und er sagte, er komme im Juli nach London und sei dann in seinem Club; er würde mich einmal mitnehmen, damit ich sehen könnte, wie so ein Gentlemen’s Club aussieht.

Er holt mich morgen Mittag um eins zum Lunch ab.

Nikkis Barbara und die Leute vom Reader’s Digest kann ich erst am Montag anrufen, da am Samstag niemand im Büro ist. Nikki, die Freundin, die mit dem Bobtail Chester bei unserem Picknick im Central Park dabei war, arbeitet für eine Zeitschrift in New York, und Barbara arbeitet für die gleiche Zeitschrift in London. Die beiden haben sich noch nie gesehen, aber sie sprechen jeden Tag am Telefon miteinander und sind gute Freundinnen. Wir mussten Nikki versprechen, dass wir uns während meines Aufenthalts treffen würden.

Ich kann auf jeden Fall bis zum fünzehnten bleiben, denn es kommen stetig Essenseinladungen herein. Gerade habe ich die Frau angerufen, die ich nicht kenne und sich gemeldet hatte, während ich unterwegs war. Sie sagte, sie und ihr Mann seien von dem Buch begeistert und möchten mich zu sich nach Hause zum Essen einladen, damit ich ihre Ecke von London kennen lernen könnte. Ich habe mich mit ihnen für Dienstag verabredet.

Jeder Tourist in diesem Hotel hat mal irgendjemanden aus dem Königshaus gesehen, außer mir. (Ich weiß das deshalb, weil jeder, der am Nebentisch allein frühstückt, eine Unterhaltung zu dem Thema mit der Frage beginnt: »Darf ich mal um die Orangenmarmelade bitten?«) Entweder haben sie gesehen, wie die Familie nach Windsor aufbrach, oder sie selbst wollten gerade in den Aufzug steigen, als die Königinmutter ausstieg, oder sie haben gesehen, wie Prinzessin Anne gerade in ein Krankenhaus ging und der Menge zuwinkte, oder sie gingen zufällig an Prinz Edwards Schule vorbei, als der Siebenjährige mit den anderen Jungen herauskam. Heute Morgen werde ich also zum Buckingham Palace gehen, mal sehen, ob ich auch so ein Glück habe.