Freitag, 25. Juni

Heute Morgen habe ich die Rechnung für meine erste Woche im Hotel bekommen; viel höher, als ich erwartet hatte, was an den verschiedenen Mittagessen und Abendessen und den zwölf Prozent zusätzlich für Trinkgelder liegt. Ich habe sie gerade zu Mr. Tammer, dem Buchhalter bei André Deutsch, gebracht. Mr. Tammer ist ein ernster Mann mit Brille, der einem ein unerwartet freundliches Lächeln schenkt, wenn man ihm einen guten Tag wünscht. Einen guten Tag braucht er auch, denn er ist mein persönlicher Kontoführer. Er hat meinen ganzen »Vorschuss« in barer Münze im Safe und zahlt ihn mir in wöchentlichen Raten aus. Er gab mir das Geld für die Rechnung in bar und zehn Pfund dazu, das ist mein Taschengeld für die Woche; wenn das knapp wird, schieße ich etwas von den hundert Dollar dazu, die mein Bruder mir gegeben hat. Ich hatte zehn Dollar davon mitgebracht, weil Mr. Tammer sie mir in Pfund umtauschen sollte, und er holte seine Tabellen und seine Rechenmaschine hervor und rechnete konzentriert und gewissenhaft den aktuellen Wechselkurs aus, damit er mich um Gottes willen bloß nicht um fünfzehn Cent betrügt.

Im Verlag war ein Brief für mich angekommen, der mich neugierig macht, er ist von einem Mann, von dessen Existenz ich überhaupt nichts wusste. Niemand bei Marks & Co., mit dem ich korrespondiert habe, hat ihn je erwähnt.

Liebe Miss Hanff,

ich bin der Sohn des verstorbenen Ben Marks von Marks & Co. und möchte Ihnen sagen, wie sehr ich mich freue, dass Sie hier sind, und wie gern meine Frau und ich mit Ihnen zu Abend essen würden.

Ich weiß nicht, wo Sie wohnen, könnten Sie mich also unter einer der obigen Telefonnummern anrufen? Die zweite ist ein Antwortdienst, und Nachrichten, die dort hinterlassen werden, erreichen mich auf jeden Fall.

Wir freuen uns beide darauf, Sie kennen zu lernen.

Mit freundlichen Grüßen

Leo Marks

Die Sekretärin, die mir den Brief gab, sagte, er habe angerufen und gefragt, wo er mich erreichen könne.

»Aber wir geben niemandem darüber Auskunft, wo Sie wohnen«, sagte sie. »Wir sagen den Leuten immer, sie möchten sich über den Verlag mit Ihnen in Verbindung setzen.«

Damit war ich überhaupt nicht einverstanden, und ich ging zu Carmen ins Büro, um das zu klären.

»Carmen, meine Liebe«, sagte ich, »ich gehöre nicht zu den Schriftstellern, die von ihrer Öffentlichkeit verschont werden möchten. Ein Fan, der anruft, möchte mich vielleicht zum Essen einladen, und ich stehe als Essensgast jederzeit zur Verfügung. Bitte geben Sie meine Adresse freizügig weiter.«

Sie sagte, es stünden mindestens zwei Interviews an und sie würde sie in die Mittagszeit legen. Ein Interviewer fragte mich, ob ich vorhätte, »Silber oder Kaschmir zu kaufen – oder einfach nur Bücher«. Ich sagte, ich hätte vor, gar nichts zu kaufen, denn an allen Dingen in den Schaufenstern hinge ein Preisschild, auf dem stehe: »Ein Tag weniger London.«

Auf zum Parlament.