Sonntag, 27. Juni
P.B. hat Recht, die Royal Chapel vom Marlborough House ist keine Touristenattraktion, und nur wenige Menschen wissen, dass sie für die Öffentlichkeit geöffnet ist. Wenn sie geöffnet ist.
Ich wählte meine Garderobe sehr sorgfältig und ging heute Morgen dorthin. Nur ein kleines Grüppchen von Menschen war in der Kirche. Sie alle besuchen offensichtlich jeden Sonntag den Gottesdienst, sie alle kennen sich offensichtlich, und alle haben während der Dauer des Gottesdiensts versucht herauszubekommen, wer ich bin. Aus dem Geflüster und den Blicken aus den Augenwinkeln konnte ich mir die Gespräche zusammenreimen:
»Meine Liebe, dreh dich jetzt nicht um …«
»… da hinten, am Ende der Reihe, ein paar Reihen hinter …«
Psspsspss.
Eine kantige alte Dame setzte sich ihre Brille auf, damit sie mich eingehend betrachten konnte. Dann wandte sie sich an ihre hagere Banknachbarin und schüttelte den Kopf in einem eindeutigen »Nein!«. Die hagere Dame wollte sich ihre Meinung nicht ausreden lassen. Sie blickte mich unverwandt an und lächelte zaghaft, so wie man lächelt, wenn man jemanden erkennt, ihn aber nicht einordnen kann. Ich machte den Fehler, das Lächeln zu erwidern, und von dem Moment an ließen die beiden mich nicht mehr aus den Augen.
Ich war auch die Einzige mit einer Schultertasche, falls ich das überhaupt noch erwähnen muss.
Am Schluss des Gottesdienstes war ich die Erste, die aufstand und den Mittelgang entlang nach draußen strebte.
Musste zum Hotel zurück, um etwas zu essen zu bekommen, hier ist am Sonntag NICHTS geöffnet, man könnte glatt verhungern.