Muss eine Fussgänger-Unterführung wirklich so aussehen wie ein Mittelding zwischen einer Umkleide-Kabine und einer schon etwas älteren Gaskammer? Und wen kann man ansprechen auf die Schlichtform unserer Tankstellen? Und weil wir schon einmal dabei sind: Fühlt sich jemand verantwortlich für die lausige Form von Camping-Wagen, Armbanduhren, Friseur-Salons und Autobahn-Zubringern? Und wie lange müssen wir noch den Anblick von Pudeln, Bulldoggen und Wellensittichen ertragen? Gibt es nicht irgendeine barmherzige Bürgerinitiative, die die Tiere still und heimlich einfängt und sie in weit entfernten Reservaten wieder aussetzt? Zum Schluss das delikateste Anliegen: Unsere Polizistinnen. Fast immer, wenn ich eine von ihnen sehe, möchte ich beinahe um Hilfe schreien. Das Blondhaar, das rechts und links unter der Kappe hervorquillt! Die schönen kleinen Frauenfüße, die in klobigen Stiefeln verschwinden! Und erst der Hintern und die Schenkel, die in viel zu engen Uniformhosen stecken, und zwar Tag für Tag! Findet das niemand zum Erbarmen? Natürlich gelten diese Seufzer auch ihren männlichen Kollegen. Aber Männer haben sozusagen von altersher das größere Recht auf ein unmögliches Outfit; bei vielen von ihnen ist die Geschmacklosigkeit derart zur natürlichen Form geronnen, dass sie uns schon lange nicht mehr auffällt. Aber seit nicht wenige Frauen damit anfangen, männliche Schlichtheit nachzuahmen, kann man nur noch auf das Einschreiten von Engeln hoffen.
Aber solche Engel gibt es nicht, ich weiß. Das bedeutet, wir müssen weiterleben mit den Anblicken von Friseur-Salons, Tankstellen, Pudeln, Polizistinnen. Unser Alltag ist – ich schätze mal – bis zu 70 Prozent fast geschmacklos, und an vier von fünf Tagen wünsch’ ich mir, dass es so bleibt. Und hoffentlich ist niemand auf mein Theater hereingefallen! Denn natürlich mag ich Tankstellen, die die Ödnis besser ausdrücken als jedes Kunstwerk, und natürlich schätze ich Fußgänger-Unterführungen, schon weil sie von keiner Frohsinns-Kampagne bedroht werden können. Und wie bewundere ich unsere Polizistinnen! Besonders eindrucksvoll sehen sie aus, wenn sie links den Gummiknüppel und rechts die Handschellen am Gürtel hängen haben und trotzdem – jetzt wieder, im Sommer – ein Eis lecken. Wenn sie mit dem Eis fertig sind, ziehen sie sich ihre Uniform glatt – und sehen im Handumdrehen wieder staatstragend aus. Nein, eben nicht! Sie gehen dahin wie leibhaftig gewordene Widersprüche ihrer selbst, eingefangen in die Zeichen ihrer Weiblichkeit, die mal hervorblitzen dürfen und mal wieder nicht.