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Wahnsinn. Verdammter Wahnsinn! Ich liege auf einem quietschenden, unbequemen Bett in Zimmer 2LR in einer der dreckigsten Absteigen, der ich je zu begegnen das Pech hatte. Auf dem Teppich sind Kotzflecken und auf der Matratze Blutflecken, und wenn die Heizung anspringt, verrät mir der Gestank, daß sich einer der früheren Bewohner nicht die Mühe gemacht hat, den kurzen Weg über den Flur zum Klo zu gehen. Dennoch ist das Zimmer für mich das, was einem Zuhause noch am nächsten kommt. Ich brauchte Schlaf, und ich brauchte das Gefühl der Sicherheit -falsch oder nicht - eines Daches über dem Kopf und von Wänden, die Wind und Regen abhalten. Wenn es schon nicht sicher war, in einer Absteige unterzukriechen, als nur die Cutters hinter mir her waren, ist es jetzt noch viel gefährlicher. Doch anderenfalls hätte ich nur durch die Straßen wandern können, bis ich so müde geworden wäre, daß ich idiotische Fehler gemacht und nicht mehr die nötige geistige Frische besessen hätte, um sie zu kompensieren. Einen Tag oder so in einer Absteige zu verbringen, schien mir die vernünftigere Alternative zu sein.

Viel Schlaf habe ich sowieso nicht bekommen. Es war kurz nach 0430, bis ich endlich einen Wagen aufgebrochen hatte - mein Motorrad steht immer noch hinter einem Restaurant in Montlake, vorausgesetzt, niemand hat es bisher geschafft, Schloß und Sicherheitssystem zu knacken - und zum Tarislar-Bezirk in Puyallup fuhr. Ein Hauptargument für diesen Drekhaufen von einem Vorort war die Tatsache, daß er so weit weg von der Innenstadt ist, wie man kommen kann, ohne in das Salish-Shidhe-Territorium einzudringen, aber das war noch nicht alles, was mir vorschwebte, als ich nach Süden fuhr. Die Cutters sind zwar überall, aber in Ta-rislar sind sie nur minimal vertreten. Hinzu kommt, daß Lone Star in dieser elfischen Wohngegend kaum Streife fährt, so daß es sich im Moment um einen der sichersten Orte handelt, wo ich mich verkriechen kann.

Tarislar ist ein Loch, lassen Sie sich von niemandem etwas anderes erzählen. Das Gebiet zwischen Kregersee und Hartssee war mal eine echt geschniegelte Wohngegend, habe ich gehört. Irgendwann um die Jahrhundertwende verwandelte sich die zuvor ländliche Gegend in eine ›Schlafzimmergemeinde‹, und die Apartmentblocks schossen wie Pilze aus dem Boden. Dann sackten die Immobilienpreise natürlich ein wenig ab, als der Mount Rainier ausbrach und Giftschlamm und anderen Drek auf die Gegend spie, die jetzt Höllenküche genannt wird. Die Preise sackten noch weiter, als sich die vorherrschenden Winde drehten und den Gestank der Küche - mit allen damit verbundenen Giften - nach Tarislar brachten. Die Leute zogen gerade noch rechtzeitig aus, um Platz für den Zustrom der Elfen zu machen, die nach der Nacht des Zorns nach Südosten drängten.

Das ist heute also Tarislar, eine ›vorübergehende‹ Zuflucht für Elfen, die nie in der Lage waren, von hier wegzuziehen, eine Gegend verfallener, von Pennern bewohnter Häuser und Baracken, die auf Parks und Golfplätzen gebaut wurden. Entzückend.

Dennoch war es, wie ich schon sagte, genau das, was ich suchte. Ich weiß nicht, warum, aber in den Reihen der Cutters gibt es kaum Elfen. Es könnte Rassismus sein, aber wahrscheinlich hat es mehr mit der Vorherrschaft der Elfen-Gangs in Tarislar zu tun. Nichtelfische Gangs können dagegen kaum anstinken. Lone Star ist ebenfalls eine in erster Linie menschliche Organisation, und das könnte sehr gut einer der Gründe für die geringe Polizeipräsenz in der Gegend sein - die sogar noch geringer ist als im übrigen Puyallup. Andererseits falle ich in Tarislar genauso stark auf wie eine heile Fensterscheibe, und jeder wird den Celenit - den »unterentwickelten Affenmensch‹ - auf der Straße bemerken. Doch zumindest spricht sehr viel dagegen, daß sie irgend jemandem von meiner Anwesenheit berichten, der ein Interesse daran hat, es zu erfahren.

Also weiter im Text. Es war ungefähr 0430, als ich nach Tarislar kam, und knapp eine Stunde später, als ich endlich eine Absteige gefunden hatte, die mich aufnehmen wollte. Ich hatte keine große Auswahl, was der einzige Grund dafür ist, daß ich in diesem rattenverseuchten Flohzirkus gelandet bin, der sich Die Verheißung nennt. (Verheißung von Bettwanzen oder vielleicht einem netten Hautausschlag?) Ich lag also gegen 0540 endlich im Bett, um für zwölf Stunden segensreichen, ungestörten Schlaf zu finden...

Der sich kategorisch zu kommen weigerte. Ja, klar, ab und zu bin ich eingedöst - jeweils für fünf oder zehn Minuten, bevor mich der Alptraum wieder weckte. Jedesmal derselbe verdammte Alptraum, eine Wiederholung des Hinterhalts auf dem Montlake Boulevard. Die Rakete trifft den Wagen, die Cops vom Taktischen Einsatzkommando sind auf dem Dach und auf der Straße. Cats Schreie, als sie bei lebendigem Leib verbrennt. Manchmal bricht der Wagen beim Einschlag der Rakete auseinander, und ich werde herausgeschleudert. Manchmal auch nicht, so daß ich im Wagen eingesperrt bin, während die Flammen um mich hochschlagen, mir Cats Schreie in den Ohren dröhnen und ich das zufriedene Grinsen der Cops sehen kann, die näher herankommen, um sich den Spaß anzusehen...

Ich schüttle den Kopf, energisch. Sich auch nur an diese Alpträume zu erinnern, ist unerträglich. Ich sehe auf die Uhr - 1300 Uhr oder kurz davor, was bedeutet, ich habe sieben Stunden etwas getan, das man kaum als schlafen bezeichnen kann. Es bedeutet außerdem, daß der elfische Punk, der die Tür zur Lobby öffnete, als ich anklopfte, und mir viel zuviel für ein Zimmer berechnete, sieben Stunden Zeit gehabt hat, um den Celen in Zimmer 2LR an jeden zu verpfeifen, der Interesse hat anklingen lassen. Die Tatsache, daß ich noch lebe und allein bin - wenn man mal von den vielbeini-gen Krabbeltieren absieht - läßt darauf schließen, daß ich fürs erste sicher bin.

Ich richte mich auf und rutsche nach oben, so daß ich mich an die Wand lehnen kann. Mein Blick fällt auf meine schwarze Jacke, die über der Lehne des einzigen Stuhls in dem Zimmer hängt. Der Rücken der Jacke ist versengt, das Kunstleder an manchen Stellen durch die extreme Hitze brüchig und verbrannt. Ich kann es mir nur so erklären, daß sich der Feuerball der explodierenden Rakete im Innern des Wagens ausgebreitet hat, dann von Cats etwas erhobenem Sitz nach unten abgelenkt worden ist und mich nur im Rücken getroffen hat. Ähnliches gilt für die Druckwelle, nur daß die sich wahrscheinlich unter Cats Sitz ausgetobt und genug Energie erzeugt hat, um den Schalenrumpf an seiner schwächsten Stelle, den vorderen Radkästen, zu sprengen. Dann ist es also reines Glück, daß ich noch lebe. Glück, das mich bevorzugt und Cat verlassen hat.

Die Wut krampft und windet sich in mir wie ein Lebewesen aus weißglühendem Metall, aber ich habe sie jetzt besser unter Kontrolle. Sie wird mich nicht verlassen - ich will gar nicht, daß sie mich verläßt, bevor ich sie nicht besänftigt habe -, aber im Augenblick ist sie mehr wie ein nützliches Werkzeug. Etwas, das ich kontrollieren kann, dessen Energie ich kanalisieren und konzentrieren kann, anstatt mich von ihr kontrollieren zu lassen. Das hoffe ich zumindest. Es ist eine Erweiterung von etwas, das man uns auf der Akademie beigebracht hat: Werde wütend, wenn du mußt, aber benutze die Wut. Ich glaube nicht, daß meinen Ausbildern dabei so etwas wie das jetzt vorgeschwebt hat, aber das Resultat ist das gleiche.

Der Star. Der Gedanke an die Akademie reißt den... nun, nennen Sie es das geistige Äquivalent von Schorf auf einer frischen Wunde ab. Meine Augen brennen, und meine Kehle verengt sich, als drücke mir jemand die Kehle zu.

Der Star hat mich verraten, es gibt keine andere Interpretationsmöglichkeit. Sie haben mich für »untragbar erklärt. Wie die Cutters hat Lone Star beschlossen, daß Richard Larson »nicht mehr zu retten‹ und sofort zu eliminieren ist. Und wie die Cutters hat auch der Star sein Äquivalent eines Killer-Kommandos losgeschickt, um mich abzuservieren. Der größte Unterschied zur Gang ist der, daß Lone Stars Versuch viel mehr zusätzlichen Schaden angerichtet hat.

Warum, zum Teufel? Warum? Die Fragen gleichen denen, mit denen ich mir mein verdammtes Hirn zermartert habe, nachdem Maria & Co. mich im Wenonah umzulegen versuchten. Warum hat der Star meinen Tod beschlossen? Und warum mußte es ein Hinterhalt sein? Drek, sie hätten mich reinholen und dann vergiften können, wenn ihnen der Sinn danach gestanden hätte.

Nein, Augenblick mal, ich übersehe da was, oder nicht? Ich rede von ›ihnen‹ und ›dem Star‹, als sei das eine festumrissene, bekannte Größe. Aber ist er das wirklich? Zum Teufel, ich glaube schon. Ich glaube, es sind Layton, Drummond und McMartin, diese verdammte unheilige Dreieinigkeit, die mich am Wickel hatten, mich davon abhielten, ins Licht zu kommen, und dann die Bedingungen für das Treffen festlegten. Cat hat sogar gesagt, daß es Drummond war, der ihr den Auftrag gab, mich abzuholen. Macht es das nicht offensichtlich? Beweist das nicht Drummonds Mittäterschaft?

Es ist so verlockend, einfach ›ja‹ zu sagen und meinem Haß eine nette, wohldefinierte Zielscheibe zu verpassen. Aber es muß nicht notwendigerweise richtig sein. Schließlich haben wir es mit jemandem - oder einem Personenkreis - zu tun, der die Datenbanken des Star unterwandert hat, sie weit genug unterwandert hat, um hinter meine Verbindung zu Nicholas Finnigan zu kommen. Durch diese Art von Unterwanderung hat dieser Jemand mehr Macht und Kontrolle über die Unternehmungen des Star, als ich mir vorstellen will.

Versuchen wir's mal mit folgendem Szenario: Drum-mond und Konsorten wollen ein Treffen arrangieren. Sie denken sich, daß ich ziemlich nervös sein werde -eine korrekte Vermutung -, insbesondere, nachdem sie mich einen Tag haben zappeln lassen, und beschließen, jemanden zu schicken, den ich kenne und dem ich vertraue. Drummond weiß, daß die Seattier Datenbanken nicht mehr sicher sind, also verschafft er sich Zugang zu den Milwaukee-Dateien, um jemanden zu finden, den ich kenne, und stößt auf Cat. Unglücklicherweise hat IrrelKonzem oder wer auch immer den Star viel tiefer unterwandert, als dieser glaubt, und fängt die Datenanforderung ab - oder vielleicht hat IrrelKonzern seine Fühler auch schon längst nach Milwaukee ausgestreckt, es spielt keine Rolle.

Jetzt schickt Drummond Cat los. Der Befehl wird ganz sicher irgendwo gespeichert, aber ebenso sicher werde ich darin nicht erwähnt. IrrelKonzern ist aber nicht auf den Kopf gefallen: Man weiß dort, daß Cat mich kennt, und kann sich denken, welchen Auftrag sie tatsächlich hat. Jetzt erteilt man über das Computernetz einem Taktischen Einsatzkommando den Befehl, am Montlake Boulevard in der Nähe von Roanoke Stellung zu beziehen und den Tsarina außer Gefecht zu setzen, der irgendwann nach 0255 an dieser Stelle in südlicher Richtung vorbeifahren wird. Die Begründung dafür lautet wahrscheinlich ›magische Terroristen, die als extrem gefährlich gelten und zu eliminieren sind, bevor sie ihren ersten Zauber wirken können‹. Mit anderen Worten: Hinterhalt.

Trotz des ganzen Dreks, den man auf raubkopierten Trids sehen kann, ist es nicht Lone Stars übliche Verfahrensweise, ›zuerst zu schießen und dann die Überreste zu verhören‹, und Hinterhalte sind kein x-beliebiger Auftrag. Der Anführer des Taktischen Einsatzkommandos würde den Befehl mit Sicherheit über verschiedene Kanäle überprüft haben. Unglücklicherweise sind diese ›verschiedenen Kanäle‹ alle elektronischer Natur und computergesteuert, und IrrelKonzern könnte die richtigen Bestätigungen und Autorisierungen geliefert und dem Anführer glaubhaft versichert haben, daß das Unternehmen koscher ist. Und schon marschieren die bewaffneten und gepanzerten Cops los, um ihren Teil zur Rettung Seattles beizutragen.

Bumm! Auf Nimmerwiedersehen Tsarina, Rick Lar-son und Cat Ashburton. Am nächsten Morgen wird der Drek natürlich am dampfen sein, wenn sich herausstellt, daß die Befehle zwar als von Drummonds Büro kommend gespeichert sind, in Wirklichkeit aber gar nicht von Drummond stammen. Riesiges Chaos, aber an dieser Stelle bin ich längst Hundefutter - Auftrag erfolgreich erledigt.

Drek, es paßt zusammen. Es könnte so abgelaufen sein. Mit weit genug reichender Computerunterwanderung hätte IrrelKonzern einen Abholauftrag in einen Hinterhalt verwandeln können. Es müssen nicht Drummond, Layton, McMartin und die anderen Pinkel gewesen sein. Drek, und das gerade, als ich zu wissen glaubte, wer die Schuldigen sind.

Ich schüttle wiederum den Kopf. Ich kann all diese paranoiden Optionen und Alternativen und Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten durchgehen, bis mir die Nase blutet, aber ohne harte Fakten wird das zu nichts führen. Ich muß etwas - irgendwas - darüber erfahren, was tatsächlich abläuft. Aber wie soll ich das angehen?

Ich habe immer noch diese Hummel hinsichtlich der Verbindung zwischen den Cutters und dem Tir-Kon-zern im Hintern. Vielleicht hat sie überhaupt nichts damit zu tun, aber im Moment ist sie das einzige, was ich verfolgen kann. Alles andere kommt mir viel zu groß vor, zu überwältigend. (Zum Beispiel die Frage, wie ich Druck auf den Star ausüben soll.) Es ist genau so, wie mir vor Jahren jemand gesagt hat, als ich noch auf der Universität war: »Wenn du nicht weißt, was du als nächstes tun sollst, tu, was du kannst.« Ein guter Rat, nehme ich an. Mit einem tiefempfundenen Seufzer schwinge ich die Beine auf den Boden und bereite mich darauf vor, dem Tag die Stirn zu bieten.


Ich fühle mich nackt und exponiert und unglaublich verwundbar auf den Straßen von Tarislar. Es liegt nicht nur an der Art, wie die Elfen mich mit unverhohlener Feindseligkeit ansehen oder einfach so tun, als würde ich, verdammt noch mal, gar nicht existieren - obwohl das dazu beiträgt. Nein, es liegt an der Erkenntnis, daß ich keinen fahrbaren Untersatz habe, um mich zu verziehen, falls mich der Ärger überrollt. Mein Motorrad ist verschwunden, und in einem gestohlenen Wagen herumzudüsen, ist ein zu großes Risiko.

Bei Tag sieht Tarislar noch schlimmer aus als bei Nacht, falls das überhaupt möglich ist. Man kann zwar nicht die Feuer in den Blechfässern auf den leeren Plätzen zwischen den Ruinen eingestürzter Häuser brennen sehen, aber dafür sieht man die Bretterbuden und behelfsmäßigen Baracken auf Flächen, die einmal gepflegter Rasen waren. Ein Gefühl der Verzweiflung hängt in der Luft wie ein übler Geruch. Nicht der schwelende, leicht entflammbare Zorn, den man in einem von Orks dominierten Slum spüren kann, sondern eine Art matte Resignation. Die Atmosphäre macht mich traurig.

Nach zehn oder fünfzehn Minuten des Herumlaufens durch den kalten grauen Nieselregen finde ich die öffentliche Telefonzelle, nach der ich suche. Die Angeln sind zu eingerostet, um die Tür noch schließen zu können, aber wenigstens schützt mich die Zelle vor dem Regen. Ich hocke mich auf den Metallrahmen und wähle Cats LTG-Nummer.

Drek, ich hätte wissen müssen, daß es mich mitnehmen würde, Cat auf ihrem Anrufbeantworter zu sehen. Aber ich habe nicht daran gedacht. Als ihr Gesicht auf dem Bildschirm Gestalt annimmt - große Augen, kupferfarbenes Haar, sinnliche Lippen -, fühle ich mich, als hätte mir jemand ein eiskaltes Stilett in die Rippen gebohrt. Meine Augen brennen, mein Blickfeld verschwimmt, und ich muß mich anstrengen, um Luft in die Lungen zu bekommen. Ein paar Augenblicke glaube ich, es nicht ertragen zu können. Ich will nur aufspringen und wegrennen. Doch dann packt mich wieder die Wut und krampft und windet sich in meinem Bauch. Jemand wird dafür büßen, o ja, jemand wird dafür büßen - und dann weiß ich, daß ich es ertragen kann. Meine Gefühle verblassen, und ich fühle mich kalt und hart und kaum noch menschlich, als Cats Botschaft endet. Mit Fingern, die sich nicht wie meine anfühlen, tippe ich den Zugangscode zur Datei Besondere Gefälligkeiten ein. Meine Hände zittern so sehr, daß ich das Mayflower-Paßwort kaum eingeben kann, aber irgendwie schaffe ich es.

Cats kleine Smartframes oder wie, zum Teufel, sie die Dinger genannt hat, waren emsige kleine Wühler. Aus den fünf Namen - Crystalite, Griffin und die übrigen -sind Kapitelüberschriften geworden, zu denen Textabschnitte und Blöcke numerischer Daten gehören. Anstatt nach einer Liste sieht die Datei jetzt wie ein Geschäftsbericht aus. Ich überfliege die Datei rasch, aber das einzige, was mir auffällt, ist die Tatsache, daß ein Eintrag - der für Telestrian Industries Corporation -viel größer als der der anderen ist, zwei- oder dreimal so groß. Unter Benutzung der Tastatur des Telefons markiere ich diesen Abschnitt der Datei und merke ihn mir damit als Gegenstand zukünftiger Aufmerksamkeit vor.

Dann schiebe ich einen leeren Datenchip in den Datenschlitz des Telefons und gebe den Befehl ein, die Datei zu kopieren. Ein oder zwei Sekunden später summt das Gerät, und ich entnehme den Chip, unterbreche die Verbindung und marschiere wieder hinaus in den Regen.

Einen Moment lang erwäge ich, mir einen guten Beobachtungsposten zu suchen, mich dort zu verkriechen und das Telefon zu beobachten. Vielleicht erfahre ich etwas Wichtiges. Schließlich muß IrrelKonzern, oder wer sonst für den Anschlag verantwortlich ist, wissen, daß ich überlebt habe. Wenn ich sie wäre, glaube ich nicht, daß ich vergessen würde, Cats Telekom mit einem Spürer zu versehen. (Aber in diesem Fall hätte ich vermutlich alle Dateien darauf gelöscht, falls das aus der Ferne möglich ist. Wiederum habe ich das Gefühl, als würde ich etwas übersehen.)

Andererseits weiß ich so wenig darüber, was eigentlich los ist, daß es mir wahrscheinlich nicht viel nützen würde, ein Team zu entdecken, das auf meinen Anruf reagiert - indem es zum Beispiel an der Zelle vorbeifährt. Mehr Hintergrundinformationen, das ist es, was ich brauche. Ich mache mich auf den Rückweg zur Verheißung.