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Wieder so eine verdammte Razzia. Und typischerweise zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt. Wir befinden uns in einem der Lagerhäuser der Cutters - dem kleinen am Arsch der Welt, östlich des Meridiansees - und laden Kisten mit tschechischen Sturmgewehren für den Abtransport nach Süden auf einen GMC Bulldog. Eigentlich dürfte ich den endgültigen Bestimmungsort der Gewehre nicht kennen, aber ich bin immer sehr darauf bedacht, in Erfahrung zu bringen, was ich eigentlich nicht wissen darf. Nennen wir es Hang zum Überleben. Jedenfalls ist diese Ladung für ein paar Hitzköpfe in der Sioux Nation bestimmt, die offenbar irgendwelchen unbedeutenden Zoff mit der dortigen Regierung haben, der sich ihrer Meinung nach nur mit Hochgeschwindigkeitsmunition beilegen läßt. Eben die Art von Drek, die für die Cutters normal ist. Und, wie ich es sehe, auch immer schon war, sogar in ihren Anfängen vor achtzig Jahren oder so, als sie noch eine kleine regionale Gang in Los Angeles waren. Die Cutters stecken nicht sonderlich tief im Waffengeschäft (wenn man eine Armee ausrüsten will, wendet man sich an die Mafia, die Yakuza oder irgendeine freundlich gesonnene Regierung), aber sie legen Wert auf Qualität. Nehmen wir zum Beispiel die Sturmgewehre in der Kiste, mit der ich mich gerade abschleppe: VZ 88Vs der Spitzenqualität, die in Brünn oder sonstwo von einem Lastwagen gefallen sind und irgendwie in der 144. Avenue Südost gelandet sind. Natürlich sind die Cutters auch in hundert anderen Geschäftszweigen tätig - angefangen von Drogen und Chips über Entführung und Erpressung bis hin zu (man glaubt es kaum) Auftragsarbeiten im Sicherheitsbereich für diesen oder jenen Konzern. Und das ist natürlich auch der Grund dafür, warum ich bin, wo ich bin, und tue, was ich tue.